"Ich würde den Job um 100.000 Euro nicht machen"

Claudia Ruff, 24. Februar 2011, 17:43
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    foto: standard/hendrich

    Das Kommando am Flughafen wechselte zu Christoph Herbst. Er gab dafür den Aufsichtsratsvorsitz interimistisch an Karl Samstag ab.

Von Karl Samstag kam der Vor­schlag, Christoph Herbst zum Vorstandschef zu machen. Wie es weitergeht und wann der neue Vorstand kommt

Standard: Was lief falsch beim Terminalbau Skylink?

Samstag: Mit der Vergangenheit würde ich nach der intensiven Diskussion gerne abschließen, es war aber ein furchtbares Erlebnis. Die Ursachen sind vielfältig, die Bauherreneigenschaft wurde nur unzureichend ausgeübt, die Projektsteuerung u. a. nicht wirklich erfolgreich gestaltet, das hat ja auch der Rechnungshof beanstandet. Im Februar 2009 etwa bezifferte der Vorstand die Kosten mit 657 Mio. Euro, zwei Wochen später wurde uns eine exorbitante weitere Kostensteigerung angekündigt. Da war der Aufsichtsrat schon sehr betroffen. Aus diesem Anlass ging ja auch der zuständige Vorstand Christian Domany. Damals hat der Aufsichtsrat darauf vertraut, dass die vom Vorstand installierte Neuordnung der Projektorganisation, die an sich schlüssig war, funktioniert.

Standard: War es richtig, 2009 den Vorstand gleich auf weitere fünf Jahre wiederzubestellen?

Samstag: Aus damaliger Sicht ja, der Aufsichtsrat hat dieses Thema seinerzeit sehr ausführlich diskutiert. Bei dieser Entscheidung war die positive Gesamtperformance des Flughafens der letzten zehn Jahre genau so in der Waagschale wie die eingeleiteten Gegenmaßnahmen im Skylink-Projektmanagement.

Standard: Wann wird ein neuer Vorstand bestellt?

Samstag: Wir bereiten zügig eine beschränkte Ausschreibung vor, mit dem Ziel in den nächsten zwei Monaten die internationale Bewerbung zu starten. Im Idealfall erfolgt eine Neubesetzung per 1. Oktober, wahrscheinlich ist Jänner 2012 aber realistischer.

Standard: War es legitim, Christoph Herbst ohne vorherige Ausschreibung vom Aufsichtsrat an die Vorstandsspitze zu holen?

Samstag: Juristisch geprüft und im Hinblick auf den unmittelbaren Handlungsbedarf richtig.

Standard: Kommen zwei oder drei Vorstände?

Samstag: Da möchte ich mich noch nicht festlegen. Mir sind drei Bereiche wichtig, die mit Top-Besetzung abgedeckt gehören: Der Bereich Aviation, den derzeit Gerhard Schmid abdeckt. Dann brauchen wir eine Top-Person für die Immobilien-Verwaltung und die Bautätigkeit, weil diese nach Skylink ja nicht abgeschlossen ist. Große Investitionen wie die dritte Piste oder der weitere Ausbau Non-Aviation-Bereich stehen an. Schließlich geht es auch darum, dem Flughafen ein neues Gesamtbild zu geben. Wir arbeiten schon an einem Masterplan für die nächsten Jahre. Und die Expertise für Finanzen/Controlling (CFO) ist ebenso wichtig.

Standard: Wie beurteilen Sie die Performance von Vorstand Ernest Gabmann?

Samstag: Vorstandsbeurteilungen werden im Aufsichtsrat diskutiert nicht in der Öffentlichkeit.

Standard: Sind Sie mit der Arbeit von Herbst als Vorstandschef zufrieden?

Samstag: Ich selbst habe ja den Vorschlag gemacht, ihn interimistisch zum Vorstandsvorsitzenden zu bestellen, um in der schwierigen Phase das Vertrauen des Aufsichtsrates vollständig wieder zu gewinnen. Wir haben sein Engagement, wie er sich operativ intensiv eingearbeitet hat, sehr geschätzt.

Standard: Was hat sich an der Zusammenarbeit mit dem Vorstand geändert?

Samstag: Mit Herbst bin ich im Dauerkontakt, das ist in dieser Phase notwendig. Auch mit dem Gesamtvorstand wird der Kontakt intensiviert.

Standard: Soll sich Herbst für eine Funktionsperiode als Vorstand bewerben?

Samstag: Wenn er das will, ist er herzlich eingeladen das zu tun. Aber ich denke, seine Berufsplanung geht eher in die wissenschaftliche Richtung. Aber wer weiß, vielleicht überlegt er es sich anders.

Standard: Was verdient denn Herbst? Angeblich nur 100.000 Euro im Jahr ohne Boni.

Samstag: Wir sind noch in Vertragsverhandlungen, ich habe in meiner aktiven Zeit die Verträge auch nicht immer im Vorhinein bekommen. Wir werden einen angemessenen Vertrag für seine interimistische Tätigkeit vereinbaren.

Standard: Sind 100.000 Euro angemessen?

Samstag: Ich würde es als Vorstandsvorsitzender um den Betrag nicht machen.

Standard: Die VP NÖ hat Ex-Vorstand Kaufmann angezeigt, weil er angeblich für Kampagnen gegen die VP NÖ und den Händler Sardana Flughafen-Geld verwendet haben soll.

Samstag: Ich kann mir das nicht vorstellen, aber die Revision prüft derzeit den Sachverhalt.

Standard: Wird Skylink wie geplant Mitte 2012 in Betrieb gehen?

Samstag: Ich gehe davon aus. Wir arbeiten intensiv daran. Zur Jahresmitte muss bereits mit der Vorbereitung vom Bau in die Phase der Inbetriebnahme begonnen werden, bereits zum Jahresbeginn 2012 beginnt die Testphase, bis zur Jahresmitte muss alles perfekt funktionieren. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.2.2011)

KARL SAMSTAG (66) war Bank-Austria-General, sitzt jetzt dort u. a. im Aufsichtsrat, genauso wie bei der Porr, BKS, Oberbank. Er ist Vorstand der Gemeinde Wien nahen AVZ, im Beirat von Rene Benkos Signa. Seit 2004 im Flughafen-Aufsichtsrat, hat jetzt dort den Vorsitz.

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Posting 1 bis 25 von 195
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fasziniert
00
27.2.2011, 15:48
An Herrn Samstag lässt sich gut erkennen, welche Interessen hinter dem Bau der von ihm geforderten 3. Piste stehen...

wie zu lesen war, sitzt er doch auch bei der Porr, der AVZ-Holding und diversen Banken im Aufsichtrat, die alle an einer 3. Piste gut verdienen könnten.

Das Risiko für das wirtschaftlich mehr als fragliche und volkswirtschaftlich unsinnige Projekt hat - so wie bei der AUA - letztlich der Steuerzahler. Und manch Vertreter einer politischen Parteie denkt wohl auch eher daran, dass bei der enormen Investitionssumme auch etwas für ihn oder seine Partei abfallen könnte.

Spätestens wenn man die Steuerpriviligien der Aviation Group und die entschädigungsfreie Zerstörung der Gesundheits 100.000er durch den zusätzlichen Fluglärm und Feinstaub berücksichtigt, wird klar, dass hier die Bevölkerung systematisch abgezockt wird.

Seria
00
25.2.2011, 18:43

selten, daß mal einer zugiebt für etwas nicht kompetent zu sein

?und
00
25.2.2011, 18:00
der ist ja nicht mal als aufsichtsrat brauchbarm die frage was er als vorstand wert ist, erübrigt sich einfach

bernd12345
00
25.2.2011, 17:44
Warum immer das Thema Gehaltshöhe solche Emotionen

hervorruft wäre interessant zu untersuchen. Würde die Überschrift anders lauten so wäre die Anzahl der Postings wohl geringer.

daxka
00
25.2.2011, 18:25
INFO

Die Überschrift beziffert eine niedrige Summe!
Diese Heuschrecken (hier ist bereits eine gefährlich) verhandeln ab ?????? Gehältern, plus ..., plus ...!

Telefax
01
25.2.2011, 16:25
"Ich würde den Job um 100.000 Euro nicht machen"

Ich schon! Sogar für 90.000 EUR.!

guzo
01
25.2.2011, 16:33
Immer dieses unsolidarische Lohn-Dumping!

Kein Wunder, dass die Manager-Gehälter sich nicht vernünftig entwickeln können, wenn solche Leute wie Sie die Löhne in den Keller rasseln lassen.

florus flagrantius
00
25.2.2011, 16:51
sie sprechen das lohndumping an ....

in anderen branchen ist es usus, und dort wird es zu recht verachtet. - und kaum ist der betrag höher als sein eigenes einkommen, verfahren sie genauso und , meinen noch sie seien gerechterweise im recht.

daxka
02
25.2.2011, 16:19
Vergangenheit abschließen

Nach dieser Vergangenheit sollte man alle abschießen (jobtechnisch) und zwar bonusfrei!

In diesem Sinne - Up up do the sky!

Nestor1979
01
25.2.2011, 15:53
Karl Samstag, bekannt seit vielen Jahren als roter Bankster und Raubritter bei der Auslöschung der Creditanstalt.

warp.faktor
01
25.2.2011, 15:05
Ich bin mir sicher ...

... - und wahrscheinlich wäre es auch wissenschaftlich nachweisbar - dass die Spitzenverdiener weniger leisten und häufiger in Korruptionsfälle verwickelt sind als solche mit einem moderaten Einkommen.

Exorbitante Einkommen ziehen schließlich keine Menschen an, die in ihrer Aufgabe aufgehen, sondern Glücksritter, Spieler und Gauner.

Poldi Fesch
00
25.2.2011, 18:34
leisteten sie

weniger, verdienten sie nicht so viel

warp.faktor
00
26.2.2011, 06:42
900.000.000 Euro Minus.

Tolle Leistung, früher nannte man das Korruption heute nennt man es Markt.

buff flyer
01
25.2.2011, 14:20
aha: das ist offenbar ein halbtagsjob

mit ferien wie ein lehrer.

oder nur die halbe wahrheit.

FinalDestinati0n
22
25.2.2011, 14:17

Da regt sich der Poebel wieder auf.

100k pro Jahr sind fuer den Posten nicht viel, der Mann weiss was der Posten wert ist und wird ihn nicht fuer diese vergleichsweise kleine Summe machen.

Tom.P
00
25.2.2011, 18:21

100.000 ist nicht viel für den Job. Für das Geld gibts keine vernünftigen Leute.... Genauso wie in unserer Politik. Ich mein ehrlich, für 7000 im Monat Minister sein? Eh klar das die alle aus der 3. Reihe kommen....

nawas
00
25.2.2011, 16:00

...100k ohne boni und die sind in der regel gesalzen...

kerihuelo
00
25.2.2011, 15:53

mag sein, aber was genau rechtfertigt diesen betrag?

warp.faktor
00
25.2.2011, 15:06
Guter Witz!

Janus Doppelkopf
01
25.2.2011, 14:27
nein wirklich, wie kann man nur abgehobene Managergehälter von Personen die es nicht schaffen

finanzielle Zielvorgaben zu treffen kritisieren?

da muss man schon sehr neidig sein, wenn man sich überlegt daß der Durchschnittsösterreicher in 3 Jahren BRUTTO so viel verdient, oder?

aber ich bin mir total sicher, daß mit der exorbitanten Entlohnung auch eine exorbitant gute Leistung einhergeht, oder?

</ironie>

Primetime
01
25.2.2011, 14:15

Dabei ist erst Freitag....

nie wieder
03
25.2.2011, 14:05
wenn der keine Parteifreunde hät......

..müsste er ein Würstelstandel managen - bei der Performance des Flughafens.

KomaPoster
20
25.2.2011, 14:00
Für 100.000 sind 5-7 Jahresgehälter eines Durchschnittsverdieners.

Wenn der Mann nur 5 Jahre um 100 k arbeitet, hat er soviel verdient wie der Durschschnittsverdiener in seinem Leben nicht!

Steuerflüchtling
00
25.2.2011, 18:21

ein Abteilungsleiter in einer österreichischen Bank verdient ca. 150K im Jahr, ein Bereichsleiter ca. 300-400K. 100K für einen CEO wäre echt nicht viel. Wenn der gute Mann sich's aussuchen kann, wäre er schön deppert, für so wenig zu arbeiten.

jeffk
00
25.2.2011, 14:42

1450€ brutto/monat ist also ihrer ansicht nach ein durchschnittsverdiener
sicher doch

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