Gentechnik gegen Tropenkrankheit

24. Februar 2011, 17:32
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Ein Pilz soll den Malariaerreger in den Zwischenwirten töten

London - Metarhizium anisopliae ist ein sonderbarer Organismus. Ein Schimmelpilz, der als gnadenloser Krankheitserreger gilt - für Moskitos. Die Stechmücken kommen kurz mit den Sporen in Kontakt und sind infiziert. Danach breitet sich der Pilz stetig im Körper seines Wirtes aus. Nach einer Woche stirbt das Insekt.

Es gibt viele unterschiedliche Metarhizium-Spezies, erklärt Raymond St. Leger von der University of Maryland im Gespräch mit dem Standard. "Man findet sie überall", betont der Biologe. Die Pilze infizieren zudem nicht nur Moskitos, sondern auch zahlreiche andere Insektenarten. Schädlingsbekämpfungsexperten interessieren sich schon lange für Metarhizium. Man möchte den parasitischen Schimmel gegen Heuschreckenschwärme und andere sechsbeinige Plagen einsetzen. Und gegen Malaria.

Wenn die Pilze massenhaft Anopheles-Mücken töten, dann können diese keinen Malariaerreger - Einzeller der Gattung Plasmodium - mehr übertragen, so die Überlegung. Diverse Wissenschafter haben bereits auf diesem Feld experimentiert. Doch die Zeitspanne zwischen Infektion und Tod des Insekts ist ein Problem. Sie reicht oft aus, um zumindest eine Malariaübertragung zu ermöglichen. Der Pilz tötet zu langsam. Man sucht nach Lösungen. "Wir können zum Beispiel den Pilz genetisch so manipulieren, dass er ein Insektizid produziert", sagt Raymond St. Leger. Doch dieser Ansatz verspreche keinen anhaltenden Erfolg. "Die Moskitos werden dagegen eine Resistenz entwickeln." So, wie sie das auch heute gegen die gängigen Bekämpfungsgifte tun.

Um diesen Effekt zu umgehen, hat ein Forscherteam unter St. Legers Leitung nun eine neue Idee getestet. Die Spezialisten schleusten verschiedene Fremdgene in das Erbgut von Metarhizium-Stämmen ein. Die Pilze trugen entweder Gene, die für Antikörper gegen Plasmodium kodierten oder solche für die Produktion von biologischen Giftstoffen mit stark antimikrobieller Wirkung, die nicht der Mücke schaden.

Anschließend wurden malariainfizierte Moskitos mit Sporen dieser transgenen Pilzstämme besprüht. Die Behandlungen verfehlten ihre Wirkung nicht. Nur sechs Tage nach Beginn der genmanipulierten Pilzinfektion ließen sich in den Speicheldrüsen der Mücken weniger Malariaerreger nachweisen als bei Artgenossen, welche die Forscher mit natürlichen Metarhizium-Sporen besprüht hatten. Details der Studie wurden nun vom Magazin Science veröffentlicht.

Vielleicht lässt sich die Effektivität von genmanipulierten Metarhizium-Arten im Kampf gegen Malaria bald im Freiland testen, meint St. Leger. Wissenschafter aus Kenia hätten Interesse angemeldet. Für Menschen und Wirbeltiere seien die Pilze harmlos. (Kurt de Swaaf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25. Februar 2011)

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