Wie Rote Feuerameisen die Welt eroberten

27. Februar 2011, 20:07
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Die Reiseroute zeigt: Zuerst wurde der Süden der USA erfolgreich erobert - von dort breiteten sich die Insekten weiter aus

Washington - Rote Feuerameisen kamen vermutlich als blinde Passagiere auf einem Frachtschiff aus Argentinien in den Süden der USA. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts breiteten sie sich nur lokal aus. Dann aber starteten sie im Gefolge des weltweiten Handels und Tourismus ihren Siegeszug um die Welt: Kalifornien, China, Hongkong, Macao, Taiwan, Australien, Neuseeland sowie die Karibik wurden in mindestens neun Invasionen direkt von den USA aus erobert, berichtet ein internationales Forscherteam nach einer Untersuchung des Ameisen-Ergbuts im Fachmagazin "Science" (Bd. 331, S. 1066).

Marina Ascunce vom Florida Museum of Natural History (Gainesville/US-Staat Florida) und ihre Mitarbeiter hatten aus insgesamt 2.144 Kolonien von Roten Feuerameisen (Solenopsis invicta) an 75 verschiedenen Orten einzelne Tiere entnommen und verschiedene Bereiche des Ameisen-Erbguts analysiert. Auf Basis dieser Daten rekonstruierten die Wissenschafter die Abstammungsgeschichte der Ameisen - und damit ihre Reiseroute um die Welt.

Invasionen

Die Untersuchungen ergaben Hinweise auf einen klassischen "Brückenkopfeffekt" ("bridgehead effect"): Eine einzelne Population, die sich nach einer Invasion erfolgreich etabliert hat, wird zur Quelle mehrfacher Invasionen in neue Gebiete. Bei den Roten Feuerameisen zeigte sich, dass sich die Insekten - mit einer Ausnahme - direkt vom Süden der USA auf die verschiedenen Kontinente ausgebreitet hatten. Nur einmal hatten Ameisen aus den südlichen USA in Kalifornien einen Zwischenstopp eingelegt, bevor sie nach Taiwan weiterzogen.

Die Kosten

Temperatur- und Niederschlagsdaten zeigten, dass Feuerameisen theoretisch auf der Hälfte der gesamten Landmasse der Erde heimisch werden könnten. Allein in den USA belaufen sich Angaben der Forscher zufolge die Kosten, die durch die Feuerameisen verursacht werden, auf sechs Milliarden US-Dollar (4,4 Milliarden Euro) jährlich. Sie entstehen etwa durch medizinische Behandlungen oder die Bekämpfung der Tiere.

Rote Feuerameisen gelten als sehr aggressiv. Sie attackieren vor allem andere Ameisenarten, was in den südlichen USA fast zur Ausrottung der dort heimischen Arten geführt hat. Aber auch der Mensch wird von den Ameisen gelegentlich angegriffen. Sie injizieren ein Gift in die Beißstelle. Die Haut wird rot und brennt, es bilden sich Pusteln. Gefährlich ist dies vor allem für Allergiker.

Die meisten Invasionen fremder Arten geschehen auf den Transportwegen des Menschen, schreiben die Forscher. Angesichts der steigenden weltweiten Handels werden solche Ereignisse in Zukunft vermutlich noch zunehmen. (red/APA)

  • Ameisenkönigin mit Arbeiterinnen bei der Brutpflege
    foto: science/aaas/kenneth g. ross

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