Strafantrag gegen Mayer, Totschnig und Botwinow

24. Februar 2011, 15:01
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    foto: apa/hochmuth

    Walter Mayer: "Die Hund sind so deppert, das gibt's nicht."

Ex-Sportler Totschnig und Botwinow müssen wegen falscher Zeugenaussage vor Gericht

Wien - Knalleffekt in der Doping-Affäre rund um den ehemaligen ÖSV-Trainer Walter Mayer, der von 1999 bis 2006 führende Betreuer-Positionen in Langlauf und Biathlon im Österreichischen Skiverband (ÖSV) innehatte. Die Staatsanwaltschaft Wien hat gegen den 53-Jährigen und vier weitere Personen - darunter einen Wiener Apotheker - einen 15-seitigen Strafantrag wegen zahlreicher Verstöße gegen das Anti-Doping-Gesetz und das Arzneimittelgesetz eingebracht. Vor Gericht gestellt werden zudem auch Ex-Radprofi Georg Toschnig und der frühere Langläufer Michail Botwinow, denen die Anklagebehörde falsche Zeugenaussage vorwirft.

Wie der Sprecher des Wiener Straflandesgerichts, Christian Gneist, am Donnerstag bestätigte, ist das Verfahren gegen die insgesamt sieben Verdächtigen unter dem Aktenzeichen 61 Hv 20/11y bereits gerichtsanhängig. Offiziellen Prozesstermin gibt es noch keinen. Das Verfahren wird Richterin Katharina Lewy leiten. Ein beteiligter Anwalt geht davon aus, dass im kommenden Mai verhandelt wird. Mayer, der mit dem Apotheker und drei weiteren Personen ein regelrechtes "Doping-Netzwerk" gebildet haben soll, drohen bis zu drei Jahre Haft, da ihm unterstellt wird, sich mit seinem verbotenen Tun eine fortlaufende Einnahmequelle verschafft zu haben.

Anabolika, Hormone und Stimulanzmittel

Mayer wird von der Anklagebehörde vorgeworfen, noch Monate nach dem im August 2008 in Kraft getretenen Anti-Doping-Gesetz teilweise höchst prominente Sportler mit verbotenen Anabolika, Hormonen und Stimulanzmitteln versorgt zu haben. Dem Strafantrag zufolge soll er zunächst über einen mitangeklagten Mittelsmann, der zuvor bei ihm als Dachdecker beschäftigt war, von dem Wiener Apotheker Wachstumshormone, Dynepo und sonstige verbotene Substanzen bezogen haben.

Von 2005 bis 2008 soll Mayer dann Spitzenvertreter des österreichischen Langlauf- und Biathlonsports mit den illegalen Präparaten versorgt haben. Im Strafantrag werden mehrere Abnehmer namentlich genannt, darunter der unter Blutdoping-Verdacht geratene Langlauf-Olympiasieger Christian Hoffmann, Langlauf-Ex-Vizeweltmeister Alois Stadlober, Ex-Biathlet Ludwig Gredler und die nach der sogenannten Blutbeutel-Affäre bei den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) ausgeschlossenen Jürgen Pinter, Roland Diethart (beide Langlauf) und Wolfgang Perner (Biathlon). Sämtliche angeblichen Abnehmer werden zur Hauptverhandlung als Zeugen geladen und dort unter Wahrheitspflicht aussagen müssen.

Erythropoetin

Weitere, "noch festzustellende Sportler", wie es im Strafantrag heißt, soll Mayer vom Oktober 2008 bis Ende März 2009 "zum Zwecke des Dopings im großen Stil" mit Erythropoetin (EPO) versorgt haben. Für eine junge Langläuferin soll Mayer bis in den Februar 2009 hinein einen Trainings- und Dopingplan erstellt und verfolgt haben - der Ehemann der Sportlerin befindet sich nun ebenfalls unter den Angeklagten.

Besondere Brisanz erhält die Causa natürlich mit der überraschenden, für die Öffentlichkeit nicht absehbaren Anklageerhebung gegen Totschnig und Botwinow. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, den beiden früheren Spitzensportlern nachweisen zu können, bei einer förmlichen Einvernahme vor der "Soko Doping" die Unwahrheit gesagt zu haben. Totschnig hatte am 14. September 2009 als Zeuge unter Wahrheitspflicht erklärt, ihm habe Gerlinde Mayer (die Ehefrau von Walter Mayer, Anm.) bei der Tour de France nie einen Blutbeutel übergeben. Einen Tag später, am 15. September, gab Botwinow zu Protokoll, er sei nie in den Räumlichkeiten der umstrittenen Wiener Firma "Humanplasma" gewesen und habe sich dort niemals Blut abnehmen lassen. Bei beiden Aussagen handelt es sich zumindest nach Ansicht der Anklagebehörde nicht um die Wahrheit.

Weder Tour-de-France-Etappensieger Totschnig noch Olympia-Medaillengewinner Botwinow waren vorerst telefonisch zu erreichen. Der aus Russland stammende Botwinow soll sich mit seiner Familie momentan in Moskau auf Urlaub befinden.

Mayer: "Lachhaft"

Als "lachhaft" bezeichnete Walter Mayer den wider ihn eingebrachten Strafantrag. "Die Hund sind so deppert, das gibt's nicht. Ich möchte wissen, wer die prominenten Sportler sind. Das Ganze passiert im Auftrag vom IOC. Das hat der (IOC-Präsident Jacques, Anm.) Rogge in Absprache mit (Sportminister, Anm. Norbert) Darabos vereinbart. Seit ich am 30. April 2009 aus dem Gefängnis entlassen worden bin, habe ich nichts mehr gehört - kein Wort, keinen Ton, kein Schreiben. Das ist jetzt wieder so eine typische Aktion, die nicht zufällig ausgerechnet zum Zeitpunkt der Nordischen WM passiert", meinte er. Man wolle sich an ihm "abputzen". Und weiter: "Aber ich sehe dem Ganzen mehr als gelassen entgegen. Im Endeffekt machen sie sich lächerlich, wenn das nur halbwegs normal runtergeht."

Der aktuell in Oslo weilende Alois Stadlober hat am Donnerstagabend im ORF-Kurzsport zu den Vorwürfen gemeint, keine verbotenen Mittel bekommen zu haben. "Das schließe ich dezidiert aus", erklärte der 48-Jährige. (APA)

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bei uns in bagdad
00
geh bitte,

wer spricht den noch über die fehlenden öoc millionen und die olympiabewerbung?
warum ist den dann der maier/müller/huber soo wichtig?

Wazn
22
26.2.2011, 11:03
es wird in Ö. mit zweierleich Maß gemessen

das österreichische Antidopinggesetz ist unrealistisch und unnötig. Um diesen Nonsens soll sich der Profisport selbst kümmern bzw sollte man eine Grundsatzdiskussion über den Profisport führen. Der ist hochgradig absurd und sollte eigentlich nicht als Vorbild hingestellt werden.
Zum anderen ist der Kampf gegen Doping aussichtslos, weil eine effektive Bekämpfung nur mit totaler Überwachung des Sportlers - und zwar wirklich rund um die Uhr - und zwar alle Tage im Jahr1 - möglich wär, was gegen die Menschenrechte verstößt und außerdem extrem teuer wär.

Also: Österreich sollte sich um Korruption vom schönen KHG abwärts kümmern, da ist mehr als genug zu tun.

Karl Joda
00
Zum anderen ist der Kampf gegen Doping aussichtslos,

Unsinn. Das würde ja bedeuten, dass jedwede Gesetze gesellschaftlich sinnlos sind. - Das sind sie wohl nicht. Wir entziehen ja auch Diebstahl und Betrug nicht den Gesetzen, das wäre ja absurd !
Das Problem ist, dass Doping nicht einheitlich, zumindest Europaweit, definiert wird. Im Profisport ist Doping genauso zu bewerten Betrug. Im Grunde genommen kontrollieren sich die Verbände selber es gibt offenbar eine "stille" Übereinkunft , wer wann und auf was zu kontrollieren ist. Auch gibt es massive wirtschaftliche Interessen. Nach Aussen sollen/müssen die Sportlerinnen natürlich "sauber" sein. Ehrlichkeit täte dem Spitzensport gut.

Comedian
01
28.2.2011, 16:56
Wieso sollte es gegen die Menschenrechte verstoßen, ...

... die Behauptungen von Leuten regelkonform Leistungen zu erbringen und damit ein Schweinegeld zu verdienen, einer ständigen Überprüfung zu unterziehen?

Bei der Nichtsanktionierung von Doping würde jeder Leistungssportler gezwungen zu dopen - und das von Kindesbeinen an. An diesem Szenario sind wir übrigens schon knapp dran.

Die Dopingkontrolle finanziert sich übrigens von selbst, wenn zusätzlich zu Sperren und Haftstrafen Geldstrafen, die mehr als weh tun, verhängt werden.

Wazn
21
glaubst du es ist mit den Menschenrechten vereinbar

dass eine Person ständig - dh zu jeder Tag- u. Nachtzeit das ganze Jahr über jederzeit überprüft werden kann und tatsächlich auch zig mal im Jahr überprüft werden muß?
Und zwar mit Blutprobe.

Übrigens gibt es Sportarten wo kaum was verdient aber genau so gedopt wird. Diese Dopingproben müßten stark von der öffentlichen Hand subventioniert werden.

Ich bin absolut kein Freund des Dopings. Die Realität zeigt aber, dass der kampf längst verloren ist.

Die Profis sind in der regel so gut eingestellt, dass sie nur durch Zufall erwischt werden.

Karl Joda
00
Die Realität zeigt aber, dass der kampf längst verloren ist.

Wenn man ein paar wirklich "Grosse" erwischt, schaut die Sache schon anders aus... (LA, Contador, ecet...)
Das geht aber nur wenn es EINHEITLICHE Antidoping
Gesetze mit strafrechtlicher Konsequenz und regelrechter Kriminalisierung der Hintermänner (Frauen) gibt. Solange die Verbände sich die Regeln selber geben und auch selber kontrollieren, wird das nix.

Comedian
12
Nicht, wenn man sie permanent kontrolliert.

Dopingkontrollen basieren nicht auf Gesetzen, sondern auf Regeln. Niemand wird gezwungen einen Sport zu betreiben. Wenn er es tut, muss er sich an die Regeln halten. Es wäre Sache der Sportverbände ... bloß geht es im Spitzensport schon um soviel Geld ...

Karl Joda
00
11.3.2011, 00:21
Es wäre Sache der Sportverbände ... bloß geht es im Spitzensport schon um soviel Geld ...

Stmmt.
Der Profisport (Rad, Tria, Leichtathletik, Langlauf, ecet...)ist per se irgendwie ziemlich korrupt !

Wazn
00
"Nicht, wenn man sie permanent kontrolliert."

was nicht geht - wie ich schon schrieb.

Karl Joda
01
27.2.2011, 22:05
Zum anderen ist der Kampf gegen Doping aussichtslos

Das würde ja für fast alle Gestze gelten. Siehe Geschwindigkeitsbeschränkung. Mit der im Posting angegebener Logik, könnte man fast alle Gesetze "Abschaffen". Doping ist Sportbetrug. Die Lösung wäre z.B. eine weltweit gültige Antidoping Gesetzgebung.
Um die Glaubwürdigkeit der Profi Sportveranstaltungen zu gewährleisten wird längerfristig kein Weg daran vorbeiführen.
Daran werden schon die Sponsoreninteressiert sein. Nike, Adidas, Puma, ecet... Es geht um sauber erbrachte Leistungen, diese Firmen müssten ein Interesse daran haben, zumindest ein moralisches. Ach ja, auf der "Fuentes Liste" gab es nicht nur Radsportler, angeblich auch Fussballer und Topten Tennisspieler....

Wazn
10
man wird sich die Dopingproblematik überlegen müssen.

Wir haben die Situation, dass in vielen Sportarten flächendeckend gedopt wird. Natürlich nicht nur in "reinen" Ausdauer- u. Kraftsportarten.

Glaubwürdigkeit? Ich glaube dem Großteil der Leute ist es egal. Und wenn es nicht überprüft und veröffentlicht wird, weiß der normale Zuseher auch nix davon.

Die Sponsoren ist es auch weitgehend egal. Für die ist allenfalls die Veröffentlichung des Dopings ein Problem.

Der Punkt ist: man kann nur mit totaler Überwachung der Sportler dem Problem Herr werden - und nicht mal das ist sicher.
Mit Gendoping wird es nicht mehr nachweisbar sein.

Letztlich muß der Sportinteressierte sich selbst fragen warum er Wettkampfsport konsumiert und was
er darin sehen möchte.

Meerwelle
00

Mir z.B. ist das überhaupt nicht egal. Und Radsport ist aus diesem Grund für mich gestorben. Ich klick nicht mal mehr auf Berichte über Radrennen. Obwohl mich das früher sehr interessiert hat.

Wo woar mei Leistung?
01
26.2.2011, 07:34
Problematisch ist nur, wie unterschiedlich Länder mit dem Doping-Problem umgehen

Spanien scheint aus Gründen des National-Stolzes das Ganze ganz locker zu handhaben.

Deutschland stand kurz davor, wegen der "Verschwörung der neidischen Niederländer" wegen der Causa Pechstein in den Niederlanden einzumarschieren.

Trotz intensivster Indizien hat der DSV Frank Ullrich bestätigt, nie etwas mit Doping zu tun gehabt zu haben. Absolute Verlogenheit! Jan Ullrich gab es auch nie zu.

Radsport, Leichtathletik, Schwimmen, Langlauf, Biathlon, Triathlon sind Sportarten, in denen Doping offensichtlich Bestandteil des Erfolges ist.

Die Erfolge österreichischer Langläufer sind wahrscheinlich nicht vom Honigbrot gekommen, genauso wenig wie derjenige der Deutschen. BTW: Sachenbacher dürfte m.E. schon lange nicht mehr laufen.

Karl Joda
00
27.2.2011, 22:10
wegen der Causa Pechstein

.. Die Chuzpe ist, daß der Dt. Eisschnellaufverband jetzt beantragt für Pechstein eine Sondergenehmigung für ihre stark schwankenden Haematokritwerte ;-)) -immer wenn es Wettkämpfe gab, waren diese besonders hoch...- das nur als Scherzerl...- zu erwirken.. Man glaubt es nicht.

donquichotesenior
00
25.2.2011, 21:42
Typisch Österreich !

Bernhard Kohl wurde in Österreich "fertiggemacht" und der bei der Tour viermal positiv getestete und immer noch Radrennen fahrende Alberto Contador muß aufpassen, daß er nicht vor lauter Lachen vom Rennrad fällt.

viet
00
25.2.2011, 17:29
Gut, dass vieles hochkommt!

Ist doch keine Rechtfertigung, dass es ums Geld geht. Soll man dann alles tun dürfen? Womit will man sich messen? Wem muss man sich beweisen?
Also ich unterstütze alles, was SportlerInnen von Drogen fern hält!!

kyselak3
 
00
25.2.2011, 17:48
"Also ich unterstütze alles, was SportlerInnen von Drogen fern hält!!"

warum?

Akka Lightguns
00
26.2.2011, 11:06
damit Tüten wie du daran nix mehr verdienen

ist z.B. schon ein guter Grund

kyselak3
 
00
26.2.2011, 11:14
"damit Tüten wie du daran nix mehr verdienen"

respekt!
für einen sportfan ganz schön messerscharf argumentiert.

aber halt immer noch mehrere hundert km an der sache vorbei.

Akka Lightguns
00
26.2.2011, 11:42
jo, für dich gibt's nur das Thema Doping

und deine wütenden Ausfälle gegen die Verfolgung der Betrüger - schon seit Jahren.
Dein Intersse ist da so eindeutig, deine Verstrickung offensichtlich.

kyselak3
 
00
26.2.2011, 11:52
ich gratuliere zu ihrem durchblick!

"per du" sind wir deswegen aber noch lange nicht.

Akka Lightguns
00
26.2.2011, 12:04
du, mit wem ich per du bin

entscheide ich.

kyselak3
 
00
26.2.2011, 12:14
abgesehen davon,

daß sie sich offenbar ein bisserl überschätzen - sie wollen sich allen ernstes mit einem (zwar nur vermeintlichen, aber immerhin) dopingdealer gemein machen?

das klingt so, als ob sie aus der branche wären und sie fürchten, daß ihnen bei einer freigabe von doping die preise wegbrechen.

Hans Klopek
12
25.2.2011, 15:42
Sport und Ethik

Ohne Mayer hätte es kein Staffel Gold in der Ramsau gegeben.Wer im Ausdauerbereich erfolgreich sein will, muss Grenzen überschreiten,das hat er getan, und war damit sehr erfolgreich.Ethik und Spitzensport sind in der Praxis nicht vereinbar,da es ums liebe Geld geht.

It´s the Economy Stupid!

m g
00
25.2.2011, 15:54

Es ist ein bezahltes Schauspiel. Nicht gesund und jedenfalls nicht "echt". Bin froh, dass diese Erkenntnis langsam durchdringt.
Mich wundert nur, dass sich die Medien durch Art und Intensität der Dopingberichterstattung mittelfristig den eigenen Markt ruinieren. Wer schaut denn noch zu, wenn erst mal alle Profisportler an den Pranger gestellt wurden, nur weil sie das machen was in ihrem Geschäft eine gängige Praxis ist.

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