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25. Februar 2011, 09:05
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Die interventionelle Radiologie ermöglicht ein rasches Eingreifen bei Schlaganfällen und verhindert so bleibende Schäden

Wien - In Österreich erleiden jährlich rund 25.000 Menschen einen Schlaganfall. Die Mortalitätsrate liegt (innerhalb von 30 Tagen nach stationärer Aufnahme) bei sieben Prozent. Zwei Drittel der Überlebenden sind mit langfristigen Beeinträchtigungen ihrer Mobilität und Kommunikation konfrontiert. Gut ein Drittel der Patienten kehrt zu völliger Gesundheit zurück. Zu den klassischen Risikofaktoren eines zerebralen Insults zählen Bluthochdruck, erhöhtes Cholesterin, Übergewicht und Rauchen.

Verschlüsse der Hirnarterien als Hauptursache

Beim Schlaganfall kommt es zu einem akuten Nachlassen beziehungsweise zum kompletten Verlust bestimmter Hirnfunktionen, verursacht durch eine Gefäß-Verstopfung oder Hirnblutung.  Klinisch zeigt sich der zerebrale Insult in Form von Lähmungen, Gefühlsstörungen und/oder Eintrübung des Bewusstseins.

Johannes Trenkler, Leiter des Instituts für Radiologie an der oberösterreichischen Landes-Nervenklinik in Linz, nennt vier Fragen, die für Überleben und Folgeschäden entscheidend sind: "Liegt eine Hirnblutung vor? Besteht ein akuter Gefäßverschluss, der behandelt werden könnte? Ist bereits ein Hirninfarkt - also nicht mehr zu rettendes Gewebe - sichtbar? Ist noch zu rettendes Hirngewebe vorhanden?". Mittels Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) lassen sich diese Fragen binnen kurzer Zeit beantworten. Die Untersuchungsdauer beläuft sich auf maximal 20 Minuten, wobei jene Untersuchungsmethode eingesetzt wird, die am schnellsten verfügbar ist.

Therapie ebenfalls radiologisch gesteuert

Auch bei der Therapie von Schlaganfällen kommen radiologische Methoden standardmäßig zum Einsatz: Unter Bildkontrolle können mit Hilfe eines Katheters, der über die Leistenarterie eingebracht wird, verstopfte Gefäße wieder eröffnet werden. "In den letzten Jahren hat sich das Behandlungsspektrum deutlich erweitert, wobei derzeit die mechanische Rekanalisation der verschlossenen Hirnarterien im Vordergrund steht. Hierbei wird das Blutgerinnsel entweder abgesaugt oder mit geeigneten Instrumenten herausgezogen", so Trenkler. Aufgrund der ständigen Weiterentwicklungen auf dem Gebiet der bildgebenden Diagnostik erhoffen sich Experten zukünftig noch genauere Einblicke in die Abläufe des Gehirns während eines Schlaganfalls - mit dem Ziel einer individuellen und maßgeschneiderten Therapie.

Bei der Behandlung eines akuten Schlaganfalls wird zuerst versucht mittels intravenöser Applikation das verstopfende Gerinnsel medikamentös aufzulösen. Die besten Ergebnisse werden erzielt, wenn die Behandlung innerhalb eines Zeitfensters von maximal 4,5 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome geschieht. Bei Verschlüssen größerer Hirnarterien reicht diese Strategie meist nicht aus. Es erfordert dann eine interventionelle Therapie, um die rasche Rekanalisation der betroffenen Engstellen herbeizuführen und so die Überlebens- und Heilungschancen des Patienten zu erhöhen. Für beide Therapieformen gilt allerdings das Prinzip "time is brain", also je früher desto besser. Je früher ein Schlaganfallpatient behandelt werden kann, desto günstiger zeigt sich der klinische Verlauf.

Bestmögliche Behandlung auf Stroke Units

Auf Schlaganfälle spezialsierte Einheiten, sogenannte "Stroke Units" sorgen für eine schnellstmögliche Behandlung und Diagnose. In Österreich sind derzeit 35 solcher Spezialstationen in Betrieb und gewährleisten somit, dass jeder Patient im Falle eines Schlaganfalls innerhalb von 30-40 Minuten versorgt werden kann. (red)

Europäischen Radiologenkongress 3. bis 7. März 2011 im Austria Center in Wien

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