Der Donnerstag ist fast schon ein Samstag

24. Februar 2011, 13:46
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Die Wiener Einkaufstraßen sind beliebt wie nie zuvor, im Oktober 2010 wurden an zwei Tagen mehr als 1,5 Millionen Menschen gezählt. Die Zahl leerstehender Lokale konnte gesenkt werden

Wien - Alle zwei Jahre lässt die Wiener Wirtschaftskammer (WKW) die Zahl der Passanten in den 35 wichtigsten Wiener Geschäftsstraßen zählen. Die jüngste Zählung im Oktober 2010 (Donnerstag, 7., und Samstag, 9. Oktober) brachte dabei den neuen Rekordwert von 1,504.000 Menschen, was ein Plus von neun Prozent gegenüber 2008 bedeutet. Gewonnen hätten grosso modo sowohl Top-Lagen wie die Mariahilfer Straße, als auch etwas weniger zentral gelegene Einkaufsstraßen. Die größten Zuwächse gab es in der Praterstraße, in der Taborstraße und in der Meidlinger Hauptstraße, gab die WKW-Präsidentin Brigitte Jank am Donnerstag bekannt.

In absoluten Zahlen sieht die Liste der Top-Lagen so aus: Es führt der Graben mit 125.096 Besuchern, gefolgt von der Kärntner Straße (124.565) und der Mariahilfer Straße (113.923). Daran schließen Favoritenstraße, Kohlmarkt, Rotenturmstraße und Meidlinger Hauptstraße an. Weniger Besucher als 2008 gab es dagegen etwa in der Hietzinger Hauptstraße, in der Alser Straße und in der Äußeren Mariahilfer Straße, und zwar um jeweils drei Prozent.

Donnerstag holt auf

Aufgrund der detaillierten Messdaten lassen sich Trends nach Wochentag und Tageszeit erkennen. Am Donnerstag gab es mit einem Gesamtplus von zwölf Prozent die stärksten Zuwächse. Insgesamt liegt der Donnerstag mit 739.000 Passanten gegenüber dem Samstag mit 765.000 beinahe gleich auf. Die großen Geschäftsstraßen werden indes nach wie vor am Samstagnachmittag am stärksten frequentiert - und am Samstag wird schließlich auch mehr gekauft als am Donnerstag.

Die Passantenzählung wird alle zwei Jahre von der WKW in Zusammenarbeit mit der Stadt Wien an einem Donnerstag und einem Samstag im Oktober, während der allgemeinen Ladenöffnungszeiten, durchgeführt.

Vier von fünf sind ohne Auto unterwegs

Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou von den Grünen wies am Donnerstag darauf hin, dass sich eine gute öffentliche Erreichbarkeit unmittelbar auf die Passantenfrequenz in den Einkaufsstraßen auswirkt. "Die stärksten Zuwächse konnten die Praterstraße und die Taborstraße verzeichnen. Diese Einkaufsstraßen sind seit dem Frühjahr 2008 bequem mit der verlängerten U2 erreichbar." Zudem biete der neu gestaltete Bahnhof Praterstern einen attraktiven Zugang zu regionalen Bahnverbindungen. "Die gute Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz ist ein unverzichtbarer Bestandteil für die positive Entwicklung der Wiener Einkaufsstraßen", betonte auch Jank.

Mehr als 80 Prozent der Passanten in den Einkaufsstraßen sind zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, Vassilakou fordert daher weitere Verkehrsberuhigungen in diesen Straßen. "Ein Schwerpunkt ist bereits jetzt die Mariahilfer Straße, wo wir nun Verkehrsanalysen machen", so die Vizebürgermeisterin. Bis zum Sommer soll laut den Plänen der Grünen ein erstes Konzept vorliegen.

Weiters sei die Stadt Wien dabei, eine Strategie für die Erdgeschoßzonen auszuarbeiten. "Wie wir am großen Erfolg des Projektes 'Lebendige Einkaufsstraßen' gesehen haben, können wir mit einer guten Strategie etwas erreichen. Auf diesem Erfolg wollen wir aufbauen."

Weniger Leerstand bei Geschäften

Die Wiener Wirtschaftskammer hat im Vorjahr im Rahmen ihres Einkaufsstraßen-Managements 230 Veranstaltungen in 80 Wiener Geschäftsstraßen organisiert. Auch das "ServiceCenter Geschäftslokale" blicke auf ein erfolgreiches Jahr zurück, so Jank: Die Zahl der leer stehenden Geschäftslokale konnte um 19 Prozent von 770 auf 625 gesenkt werden.

Der Trend im Einzelhandel gehe weiter zu größeren Geschäftslokalen, dies würden Rand- und Nebenlagen besonders spüren, so Jank. Außerdem sei in den größeren Geschäftsstraßen der Filialisierungsgrad gestiegen. Am neuen, "nachhaltigen Geschäftsstraßenmodell" der WKW sollen nationale und internationale Experten mitwirken und in weiterer Folge die Bevölkerung miteinbezogen werden. "Ziele müssen die Erhaltung und Weiterentwicklung des dichten Netzes an Einkaufsstraßen, die Sicherung und Stärkung der Nahversorgung und die wirksame Vermeidung von nicht integrierten Einkaufszentren sowie Fachmarktzentren in Randlagen sein", so die Wirtschaftskammer-Präsidentin. (red)

  • Die Mariahilfer Straße (Bild: Gerngross nach der Wiedereröffnung im vergangenen Oktober), nach Graben und Kärntner Straße die drittmeistfrequentierte Einkaufsstraße Wiens, soll laut Plänen der Grünen verkehrsberuhigt werden.
    foto: gerngross

    Die Mariahilfer Straße (Bild: Gerngross nach der Wiedereröffnung im vergangenen Oktober), nach Graben und Kärntner Straße die drittmeistfrequentierte Einkaufsstraße Wiens, soll laut Plänen der Grünen verkehrsberuhigt werden.

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