Kritik an "Kostenexplosion" beim Bergiselmuseum

24. Februar 2011, 13:29
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Tiroler Opposition: Konzept für Museum fehlt, Exponate sind "Krimskrams"

Innsbruck  - Heftige Kritik an den stark gestiegenen Kosten für den Bau des neuen Museums am Innsbrucker Bergisel übt die Liste Fritz, derzeit die stärkste Oppositionspartei im Tiroler Landtag. Laut Landesrechnungshofbericht (LRH) hätten sich die Baukosten verfünffacht, hieß es bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Innsbruck. "Das Bergiselmuseum ist das teuerste Lügengebäude Tirols", erklärte der Abgeordnete Fritz Dinkhauser von der Liste Fritz, der der Landesregierung vorwirft, die Bevölkerung bei den Kosten bewusst getäuscht zu haben.

Im März 2006 habe die Landesregierung die Baukosten auf 5,56 Millionen Euro geschätzt. Im August 2010 seien dann die Kosten bereits mit über 25 Millionen Euro angegeben worden. Die Kosten hätten sich damit verfünffacht. Auch die geschätzten Besuchereinnahmen seien laut LRH eine reine "Daumen-mal-Pi-Berechnung", betonte Dinkhauser. Er rechne damit, dass sich der Museumsbetrieb nicht selbst finanzieren und daher Zuschüsse des Landes benötigen werde. Ab 2011 prognostizierte der LRH bei normalem Betrieb in der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit ein negatives Ergebnis von 389.100 Euro.

Zudem fehle ein schlüssiges Konzept für das Museum, das am 12. März am Bergisel in Innsbruck eröffnen soll. So sei noch kein Verkehrskonzept vorhanden, ein geplanter Rundwanderweg um das Museum ebenso wenig, und auch das Museumsrestaurant soll bei der Eröffnung noch nicht voll funktionsfähig sein. Die Exponate für das Museum seien "Krimskrams". Dinkhauser befürchtete, dass etwa das "Kappel" von DJ Ötzi ausgestellt werden könnte. Das Riesenrundgemälde, das im Museum gezeigt werde, habe als einziges gewonnen. Er sei dafür, dass ein Querschnitt durch die "außergewöhnliche" Geschichte Tirols gezeigt werde. Die Museumseröffnung solle verschoben werden.

Das Vorgehen der Landesregierung im Fall des Bergiselmuseums ist für Dinkhauser symbolisch. Geld werde bedenkenlos für Prestigeprojekte ausgegeben, während es in anderen Bereichen fehle. "In diesem Land gibt es Menschen, die mit dem Mantel in ihren Wohnungen sitzen, weil sie sich das Heizen nicht leisten können", sagte Dinkhauser. Mit dem Geld müsse daher viel sorgsamer umgegangen werden.  (APA)

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