Musikrundschau mit Shoegazing und Drillbohrersounds

24. Februar 2011, 17:20
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Neue Alben von Seefeel, Asobi Seksu und Earth

SEEFEEL
Seefeel
(Warp)
In den 1990er-Jahren führten die Briten den verwaschenen, verträumten Shoegazer-Pop mit Gitarren-Feedbackschleifen Richtung Elektronik und "Intelligent Techno". Nun führen sie nach 15-jähriger Pause neu formiert die alten Vorgaben ins Heute. Gemeinsam mit Rappelkopf-Schlagzeugerin Iida Kazuhisa von den japanischen Noise-Veteranen Boredoms und DJ Scotch Egg führen Seefeel die alte Tradition auf einer weniger revolutionären denn zeitgemäßen Ebene fort. Noch immer entstehen hier auf der Grundlage von Downtempo-Beats wunderbare Lärmschlieren, aus denen sich mitunter hübsche Melodiefragmente schälen. Noch immer klingt das alles trotz aller Drillbohrersounds immer auch zart verhuscht. Ein wunderbares Comeback, dieses Mal mit verstärktem Wortanteil.

ASOBI SEKSU
Fluorescence
(Polyvinyl/Trost)
Auch die japanisch-amerikanische Band aus Brooklyn werkelt seit zehn Jahren sozusagen spätgeboren an ihrer Vision eines "Dream Pop". Auch hier wird zu verzerrten Lärmgitarren heftig auf die eigenen Schuhspitzen gestarrt, wird das Rockformat hin zu Elektronik gedeutet. Das Alleinstellungsmerkmal der Band bildet zweifellos der kunstvoll naive Kleinmädchengesang der Keyboarderin Yuki Chikudate, die sich und ihre Kollegen zunehmend weg vom Wall of Noise hin zu verträumter Melodieseligkeit treibt. Live im Wiener Wuk gemeinsam mit Mogwai, 8. März.

EARTH
Angels Of Darkness, Demons Of Light
(Southern/Trost)
Dylan Carlson erfand in den frühen 1990er-Jahren den zeitlupenhaften, rein instrumental gehaltenen Doom-Sound im Sinne eines bedrohlichen und schlagzeuglosen Ambient-Metal mit. Er lieferte damit die Vorlage für heute ungleich berühmtere Nachfolger wie Sunn0))). Nach langer Drogensucht und seit der Neuaufstellung der Band als an Ennio Morricones Western-Soundtracks orientierte Gothic-Country-Band und den beiden Meisterwerken Hex und Bees Made Honey ist Carlson seit ein paar Jahren wieder aktiv. Eine aktuelle Tour wird ihn am 1. Mai auch in die Wiener Arena führen. Wie man hört, bewegt sich der Gitarrist jetzt nicht nur ideologisch in komischen Sektengefilden. Er wird die Tour mit einer Frauenband auch rein akustisch bestreiten. Auf dem neuen Album ist alles noch beim Alten. Bedächtiges Tempo, schneidende Leadgitarre. (schach / DER STANDARD, Printausgabe, 25.2.2011)

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