Im Fluss der Zeit - die Geschichte der Donau

Ein Projekt an der Boku Wien erforscht den veränderten Verlauf der Donau von 1500 bis 1890

Wie gingen die Menschen im Raum Wien vor hunderten Jahren mit Überflutungen um, die zumindest alle paar Jahre kamen? Unter anderem dieser Frage geht die Umwelthistorikerin Gertrud Haidvogl seit Mai vergangenen Jahres im Rahmen des Projekts "Umweltgeschichte der Wiener Donau 1500-1890" nach. Ein wesentliches Ziel der ForscherInnen des Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement an der Boku ist es, die Donaulandschaft zu rekonstruieren, inklusive der Maßnahmen, welche die WienerInnen gesetzt haben, um mit dem Fluss umzugehen.

"Wir decken den Zeitraum vom 16. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ab. Uns interessiert also sowohl die Wiener Donau vor der Industrialisierung als auch, wie sich der Prozess ausgewirkt hat", berichtet sie. Die Inseln, Schotterbänke sind ebenso relevant bei der Forschungsarbeit, wie der Gewässerverlauf. Alles was heute zweiter und zwanzigster Bezirk ist, war eine große Insel, die immer wieder von einzelnen Gewässerarmen durchtrennt war.

Erste Siedlungen im 14. Jahrhundert

Man geht davon aus, dass im 14. Jahrhundert die ersten Siedlungen im zweiten Bezirk entstanden sind. Das war in erster Linie vermutlich auf Gewerbebetriebe und kleine Handwerker und Fischer beschränkt, die auf die Lage am Gewässer angewiesen waren. Im 18. Jahrhundert ist es im weiteren Verlauf dazu gekommen, dass sich viele Adelige Villen und kleine Schlösser in den Donauauen gebaut haben. Eine erste Siedlungsausdehnung kann man zu dieser Zeit bereits feststellen.

"Die Forschung geht davon aus, dass die Verlagerung der Donau ein natürlicher Prozess war", erklärt Haidvogl. Denn Flussläufe verlagern sich auch großräumig. "Es gibt bereits seit dem späten Mittelalter das Phänomen, dass sich die Donau nach Norden - weg von der Stadt Wien - verlagert hat. Wien ist ursprünglich durchaus an der Donau gegründet worden", berichtet die Forscherin.

Die Frage der Schiffbarkeit hat die StadtbewohnerInnen deshalb schon seit dem späten Mittelalter beschäftigt. Durch das Verschieben des Hauptarms der Donau nach Norden wurde etwa der jetzige Donaukanal ein schmaler Rinnsal. Man musste ständig Maßnahmen ergreifen, indem man zum Beispiel Teilungsbauwerke errichtete oder die Flusssohle ausbaggerte, um diese Sandablagerungen wieder wegzubringen und den Donaukanal schiffbar zu machen. Im späten 18. Jahrhundert ist man daher schon dazu übergegangen, den Verlauf der Donau regulieren zu wollen, um dadurch auch einen Hochwasserschutz herzustellen. Reguliert wurde für die Schifffahrt zwar vorher auch schon, aber vor allem beim jetzigen Donaukanal.

Auf die Natur reagieren

Die UmwelthistorikerInnen beschäftigen sich auch mit den Wechselwirkungen zwischen Natur und Gesellschaft. "Es geht darum, dass Gesellschaften ihre Lebensräume verändern, um Nutzen aus dem Ökosystem zu ziehen. Zu diesen Eingriffen gehören zum Beispiel die Energiegewinnung, die Schifffahrt, die Fischerei oder der Bau von Sicherheitsdämmen, um am Ufer siedeln zu können", sagt Haidvogl. Gleichzeitig besteht auch immer das Dilemma, dass die Menschen mit den Gefahren, wie Überschwemmungen umgehen müssen. In der Umweltgeschichte wird deshalb auch darauf geschaut, wie das Ökosystem auf oft unbeabsichtigte Eingriffe reagiert.

Diesen Vorgang erläutert Gertrud Haidvogl anhand eines aktuellen Beispiels: "Wenn man einen Kraftwerksdamm baut, will man in erster Linie Energie gewinnen. Aber dadurch entwickelt sich automatisch eine Sedimentablagerung im Stauraum. Und dies führt dazu, dass unterhalb der Staumauer zu wenig Geschiebe vorhanden ist, was wiederum zu einer Flusseintiefung führt." (Julia Schilly, derStandard.at, August 2011)

Weitere Informationen

Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement

Projekt "Umweltgeschichte der Wiener Donau 1500-1890"

Projektleiterin ist Verena Winiwarter, Projektpartner ist die Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung (IFF) der Uni Klagenfurt. Gefördert wird die Forschung durch den FWF.

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"... dass sich viele Adelige Villen und kleine Schlösser in den Donauauen gebaut haben. "

Wie überlebten die Adeligen + Dienerschaft bloß die Gelsen im Sommer?

Was ist dran an dem Gerücht

daß Maria am Gestade einst am Ufer lag, die Stiegen runter ein Flußarm, und unten sogar noch die Eisenringe in der Mauer sind, an denen die Boote um Ausladen festgebunden wurden ?

Märchen ?

stimmt, gestade bedeutet ja soviel wie ufer

die donau, und auch der wiener arm, bewegen sich nach nordosten

Genau! Am Salzgries wurden bis in die Frühneuzeit Boote angelandet, das war eher so ein schräges, flaches Ufer zu der Zeit.

bewegten

der wiener arm - donaukanal- wurde ja reguliert

Ein schönes Beispiel für zu wenig Nachdenken über langfristige Folgen eines Vorhabens

Jahrhundertelang wollte man dem Fluss Raum abtrotzen. Dass die Überschwemmungsflächen neben der offenkundigen Gefahr auch positive Wirkungen haben, fiel nicht auf. Am Grossenzersdorfer Arm hatte die Überschwemmungsfläche ihre grösste Breite: ca. 5 km und von dort führte ursprünglich noch ein Gerinne nach Norden ins Marchfeld: die Lob (daher der Name Lobau) Diese wurde schon recht früh abgetrennt und teilweise zugeschüttet; als in den Jahrzehnten nach der Donauregulierung der verschlechterte Grundwasserhaushalt klar wurde suchte man eine Gegenmassnahme und baute um ein Heidengeld den Marchfeldkanal zur Grundwasserdotierung. Die Lob hatte die Natur gratis gebaut; man hätte sie nur in Ruhe lassen müssen.

ach.. wo sind die zeiten, als kaisermühlen noch auenland hieß...

Ich verstehe das:

Währe sicher ganz, interessant wo Heute das Auto hin geschwommen ist und ob ich mit den Boot zu Arbeit rudere, wenn es noch einen Arbeitsplatz gibt, kann ja sein das auch der unter gegangen ist, :-)

Eine kleine Motoryacht, idealerweise vom Arbeitgeber finanziert (Dienstboot) würde ihnen aber schon gefallen.

Ess Läbeh de,r Duh den.

hm. interessantes thema... bei uns linz hat sich das aehnlich entwickelt - von der wilden donau mit überflutungen bis zu dem heutigen typischen "knick" um linz rum (z.B. die jetzige ludlgasse war ein früherer seitenarm ins "industriegebiet" westl. vom hauptplatz)

btw: kann mir wer den satz im letzten absatz bitte eindeutschen: "[...]- dies führt aber dazu, dass kein Geschiebe unterhalb der Staumauer vorhanden, was zu einer Flusseintiefung führt."[...]!?!

btw. Satz eingedeutscht:

Das Sediment und Geröll, das der Fluss sonst weiterschieben würde (deshalb "Geschiebe") bleibt hinter der Staumauer hängen. Deshalb vertieft sich das Flussbett unterhalb des Damms durch die Strömung stärker, als das ohne Damm der Fall wäre.

"bleibt hinter der Staumauer hängen."

Ich denke DAVOR.

davor, dahinter, daüber, darunter -

alles eine Frage der Perspektive.

hmpf. natuerlich östlich vom hauptplatz.

In Budapest ist die Donau ins Stadtbild integriert. In Wien ist das nicht der Fall

Das war mit ein Ansatz der NS-Planung für Groß-Wien mit einem neuen Gegenschwerpunkt, nicht ganz zufällig heute der Bereich der UN-City ...

die nsler hätten es wohl auch nicht häßlicher hinbekommen

Beschäftigen Sie sich mal mit der Geschichte der Stadtentwicklung entlang der Praterstraße und der des Hochhauses sowie der Flächenwidmungs- und Bebauungsplanung seit ~1938.

Und 1945 wurden alle Wiener Donaubrücken gesprengt

nur bei der Reichsbrücke sind sie gescheitert... http://de.wikipedia.org/wiki/Wien... Geschichte

Was meinen sie mit dem Gegenschwerpunkt?

Das mit der Reichsbrücke hat sich 31 Jahre später von selbst erledigt.

... wenn man an zufall glaubt...

Zufall? Eher nicht.

Da hat wer einen Teil des Zements entwendet u mehr Sand zumischen lassen, wie sich später herausstellen sollte.

In diesem Link

http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%... euen_Stadt

erhalten Sie erste Hinweise im dritten Absatz unter

"Die nationalsozialistischen Stadtbaupläne für Groß-Wien"

Und was willst du jetzt machen? Der Donau-"kanal" ist die Donau, der Hauptarm hat sich (steht im Artikel) nach Norden verlagert.
Also entweder du versenkst jetzt den 2. Bezirk, oder du transportierst den 1. Bezirk zum Handelskai.

Wobei, was heißt nicht integriert? Die Donau am Schwedenplatz ist super integriert. Und Am Handelskai und in Kaisermühlen ebenfalls. Der Rest ist (und das ist auch gut so) Grünfläche zum Erholen.

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