Angeln am Amazonas: Fisch frisst Fleisch

  • Eine Amazonasschleife in Peru vom Flugzeug aus betrachtet. Wer sich 
näher heranwagt, kann auch mit den Einheimischen Piranhas angeln.
    foto: corbis/jai/paul harris

    Eine Amazonasschleife in Peru vom Flugzeug aus betrachtet. Wer sich näher heranwagt, kann auch mit den Einheimischen Piranhas angeln.

  • Die flinken Piranhas zu angeln ist nicht einfach. 


Foto: Tino / pixelio.de
    foto: tino / pixelio.de

    Die flinken Piranhas zu angeln ist nicht einfach.

    Foto: Tino / pixelio.de

  • Anreise & Unterkunft
Lage: Iquitos liegt im Nordosten Perus und ist nur per Flugzeug oder Boot erreichbar. Von dort geht es mit kleinen Taxibooten ins Pacaya-Samiria-Nationalreservat. Für Freunde des Luxus lässt sich das Reservat auf einer Kreuzfahrt entdecken. Besonders mondän und elegant geht es auf den Schiffen von Delfin Amazon Cruises zu.
Allgemeine Informationen: www.peru.info
Anreise: Nach Iquitos ab Wien mit Iberia, mit Lan Peru via Madrid und Lima oder mit KLM und Lan Peru via Amsterdam und Lima.
    grafik: der standard

    Anreise & Unterkunft

    Lage: Iquitos liegt im Nordosten Perus und ist nur per Flugzeug oder Boot erreichbar. Von dort geht es mit kleinen Taxibooten ins Pacaya-Samiria-Nationalreservat. Für Freunde des Luxus lässt sich das Reservat auf einer Kreuzfahrt entdecken. Besonders mondän und elegant geht es auf den Schiffen von Delfin Amazon Cruises zu.

    Allgemeine Informationen: www.peru.info

    Anreise: Nach Iquitos ab Wien mit Iberia, mit Lan Peru via Madrid und Lima oder mit KLM und Lan Peru via Amsterdam und Lima.

Braune Wassermassen bewegen sich durch die grüne Landschaft des Pacaya-Samiria-Nationalreservats. Es ist nicht leicht, hier einen Piranha zu angeln

Eine Stange aus Bambus, eine Nylonschnur, ein Haken. Damit soll der fleischfressende Fisch aus dem Amazonas geholt werden. Keine leichte Aufgabe, denn die Tiere sind flink und zupfen sich den Köder gezielt von der Angel. Erster Versuch. Es ruckelt. Ein sanftes "Zupf" - weg ist das Fleisch. Magdalena aus Spanien zieht mittlerweile ihren dritten Piranha aus dem Wasser: "Fantástico!"

Rund um das kleine Boot ist es ruhig. Ab und an fliegt ein Eisvogel vorbei, kreischt ein Brüllaffe, kommt ein Wels an die Oberfläche und lässt es gluckern. Die gut getarnten Faultiere oder flugfaulen Schopfhühner mit Krallen an den Flügeln sichtet nur das kundige Auge. So wie Jesús Mesia eines hat. Er stammt aus einem kleinen Dorf rund 80 Kilometer nördlich von Iquitos. Seit er elf ist, zeigt er Touristen den Regenwald.

Spürt mit ihnen im braunen bis pechschwarzen Wasser des Amazonas rosa Flussdelfine auf, weist seine Gäste auf die haushohen Kapokbäume und Mangroven hin, erzählt ihnen von den Einheimischen. Den Flussmenschen, die in einfachen und ob der Hitze meist offenen Holzhütten direkt am Amazonas leben, aus ihm ihr Trinkwasser schöpfen und sich ihren Unterhalt mit der Fischerei verdienen. 50 Soles - rund 136 Euro - beträgt ein Monatslohn.

Jesús erzählt von den Indios, die in der Terra Firme, der nichtüberschwemmten Region des Regenwaldes, leben, ihre Kleider aus Baumrinde fertigen, Bananen kultivieren und Dschungelpflanzen als Medizin verwenden. So werden aus den Fasern der Chambira-Palme etwa Taschen, mit dem Harz des Drachenblutbaumes Blutungen gestillt.

Ein Piranha nach dem anderen klaut derweil das Fleisch vom Haken. Nur Magdalena holt einen weiteren Fisch ins Boot. "Ruckartig anziehen", erklärt die grauhaarige Dame ihre Strategie, lässt den Fisch wieder ins Wasser und piekst ein Stück Fleisch auf den Haken. Nächster Versuch.

Jesús ist ein Indio vom Stamm der Bora und hätte ursprünglich Schamane werden sollen. "Ein weißer", sagt er und meint damit einen guten, den Menschen wohlgesinnten Medizinmann - mit Voodoo und der Verhexung liebesunwilliger Partner hat der 32-Jährige nichts am Hut. Sein Großvater brachte ihn mit sieben Jahren in die Wildnis, wo er, nur mit einem Schurz bekleidet und eine strenge Diät einhaltend, knapp sechs Monate blieb. Es galt, seine Zukunft zu ergründen. Dazu trank er den sinneserweiternden Sud der Ayahuasca-Liane. "Ich habe weiße Menschen und große Städte gesehen", erzählt Jesús von seinen Halluzinationen. Und als vier Jahre später eine nahegelegene Lodge einen Guide für den Dschungel sucht, lässt ihn sein Großvater ziehen.

Lässt ihn ziehen, obwohl er seit seiner Geburt einer Frau versprochen war, zweiter Chef des Dorfes werden sollte. Jesús verlässt das Dorf, arbeitet auf einem Schiff, geht mit Anfang 20 in die USA, kehrt wieder, zeigt internationalen Journalisten und Touristen seinen Amazonas. Vor drei Jahren hat er seinen Hauptwohnsitz wieder nach Peru verlegt. Seine Ex-Frau und der gemeinsame Sohn leben in Iquitos. "Ich liebe die Gegend. Müsste ich mich zwischen der westlichen Welt und dieser hier entscheiden, würde ich hier bleiben." Als Reiseführer in Peru und Vortragender im Ausland verbindet er beide Welten.

Ganz und gar nicht natürlich fühlt sich inzwischen der klebrige Mix auf der Haut aus Sonnencreme und Mückenspray an. Er pickt und zwickt und fördert eine dem Piranha-Fischen gar nicht bekömmliche Ungeduld. Wenigstens bleiben die Moskitos fern.

Nicht so während der Dämmerstunde, wie ein Bootsausflug mit Jesús am Vorabend gezeigt hat. Sie sind jedoch nicht die Einzigen, die zu dieser Tageszeit durch die Luft sausen. Fledermäuse flattern knapp über der Wasseroberfläche durch die näherkommende Nacht. Grün schimmernde Glühwürmchen erleuchten den Wald. Am Himmel glitzern silbern die Sterne. In Ufernähe verraten sich Kaimane durch ihre roten Augen, wenn sie in den Lichtkegel von Jesús' Taschenlampe kommen. Gänzlich unsichtbar bei Nacht bleibt der Paiche, einer der größten im Süßwasser lebenden Raubfische der Erde, der ob seines schmackhaften Fleisches auch oft am Teller landet. Ebenso wie der Doncella - etwa als Ceviche, sprich: roh, mit Limettensaft mariniert, vermischt mit rotem Zwiebel und Rocoto; oder schlicht als Steak mit Bohnenpüree. Danach gibt es Schnaps, gebraut aus Wurzeln und Blättern des Regenwaldes. (Maria Schoiswohl/DER STANDARD/Rondo/25.02.2011)

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4 Postings

Wir haben im herrlichen Pantanal als völlige Nicht-Angler einen Piranha nach dem anderen rausgeholt, mit Holzstecken, Schnur und Haken versehen mit ein bisserl Rindfleisch.
Im richtigen Moment anreissen war in der Tat das Geheimnis.
Diese "Technik" bringt es jedoch mit sich das sich der Haken nicht wirklich greift und sich somit gerne wieder löst. Womit nach einigen Versuchen das Boot mit schlecht gelaunten und um sich schnappenden Fischen bevölkert war.
Ausserdem ist man durch die nach erfolglosem Anreissen herumfliegende Angelhaken der Kollegen in ständiger Gefahr selbst geangelt zu werden.

Kross gebraten ausgesprochen wohlschmeckend (der Fisch).
Auch Piranhasuppe muss empfohlen werden.

Mir ist Brasilien im Bereich Manaus und Co bedeutend lieber da es da es fast keine Lodges gibt und viel mehr unerschlossenes Gebiet besteht, da gibts keine 0815 Touristenroute sondern es wird der Weg genommen der passierba ist, außerdem gibt es dort eine sehr angenehme Symbiose von indigenen Stämmen und Zuwanderern die viele tolle Familien produziert haben die beeindruckende Sachen zusammengebracht haben.

Dort findet man dann eben nicht mehr den Pauschaltouristen mit Anhang sondern unberührte Natur und interessante Menschen mit interessanten Geschichten.
Aber was das Angeln betrifft kann ich voll zustimmen, einen Käfer auf den Haken stecken ein Stück Seil ins Wasser lassen und dann einfach nur warten bis es zieht.

136 EUro sind ca 522 peruanische Sol

... da ist eine Kommastelle verrutscht. Der Sol bewegt sich im Bereich von knapp 4 auf einen Euro - in etwa wie der malaysische Ringgit.

thx for the info

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