GNOME 3: Erste Beta bringt viel Neues für "Shell" und Nautilus

24. Februar 2011, 09:49
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Dateimanager schlichter - Shell mit Workspace Handling und optischem Feinschliff

Wenn alles wie geplant läuft, soll mit GNOME 3.0 schon bald eine neue Generation des Linux-Desktops veröffentlicht werden. Entsprechend eifrig arbeitet man beim Open-Source-Projekt derzeit daran die verbliebenen offenen Punkte abzuarbeiten, und die diversen Code-Fäden zusammenzuführen. Als Ergebnis dieser Bemühungen gibt es mit GNOME 2.91.90 nun die erste Beta-Version von GNOME3, eine Release, die noch einmal zentrale Änderungen an einigen Kernkomponenten mit sich bringt - und dabei auch schon einen relativ kompletten Ausblick auf das Kommende gewährt.

Die Shell

Gravitationszentrum von GNOME3 ist die GNOME Shell, mit der man dem Desktop eine neue User-Experience verpasst, sie führt frische Konzepte beim Managen von Anwendungen und Workspaces am Desktop ein. Mit der aktuellen Beta kommt hier einer der wichtigsten bislang fehlenden Teile hinzu: Das Workspace Management.  Konzeptionell sieht das so aus, dass es immer genau eine leere Oberfläche gibt, quasi als verlockendes Ziel für neue Anwendungen. Weitere Desktops werden automatisch geöffnet und geschlossen - je nach Bedarf. Das gezielte Positionieren von Anwendungen lässt sich im Activities Overlay vornehmen, dazu werden im Bedarfsfall Miniaturversionen der Desktops rechts am Bildschimrand eingeblendet.

Authentifizierung

Ebenfalls neu ist, dass die GNOME Shell nun selbst Authentifizierungsaufgaben übernimmt, also etwa wenn eine Anwendung erweiterte Rechte benötigt ein Overlay einblendet. Bisher kamen hierzu klassische GTK+-Dialoge zum Einsatz, die neue Lösung hat - neben der besseren optischen Integration - den Vorteil, dass sie im Gegensatz zu einem Popup-Fenster nicht übersehen werden kann. Dazu kommt noch jede Menge grafischer Feinschliff an der Shell, so wurde die Beschriftung im "Dash" - der Liste der beliebtesten Anwendungen entfernt, wodurch die Icons mehr Raum haben. Auch in der Anwendungsauswahl präsentierten sich die Icons nun wesentlich größer als bisher, was nicht nur hochauflösende Icons besser zur Geltung kommen lässt sondern auch die Auswahl mit der Maus erleichtern soll. Weitere Anpassungen gab es zudem an Cantarell, der offiziellen GNOME3-Schrift, die übrigens von Haus aus mit 11 Punkt nun eine relativ große Default-Font-Size gewählt hat. Auch das Theme des Desktops und die Icons hat man weiter überarbeitet.

Fallback

Da die GNOME Shell funktionstüchtige 3D-Unterstützung benötigt, wird es wohl so manchen Rechner geben, auf dem sie nicht zum Einsatz kommen kann. Entsprechendes Augenmerk legt man darauf, dass es bei entsprechenden Systemen automatisch auf eine "Fallback-Session" gewechselt wird, bei der statt der neuen Shell das gewohnte GNOME Panel zum Einsatz kommt. Mit der Beta lässt sich diese jetzt auch gezielt anwählen, dies entweder über die System-Einstellungen oder den Login-Manager GDM. Eine nicht ganz unumstrittene Änderung: Die Knöpfe für das Minimieren und Maximieren wurden aus den Fensterrahmen entfernt, eine Entscheidung, die Red-Hat-Entwickler Owen Taylor ausführlich in einem Mail an die Entwicklungsliste erläutert. Maximieren sei gleich über mehrere Möglichkeiten auch sonst zu erreichen - etwa über das neue Window Tiling - für Minimieren habe man derzeit einfach noch keine gute Implementation, dies auch im Overlay sichtbarer zu machen, so die verkürzte Version. Da Taylor selbst nicht sehr glücklich mit dieser Lösung ist, könnte zumindest der Minimize-Button - samt zugehörigem Konzept für die Shell - ein Comeback in GNOME 3.2 geben - hier will man auch auf das Feedback der NutzerInnen warten.

Nautilus, abgespeckt

Besonders umfangreiche Änderungen hat man quasi in letzter Minute auch noch dem Dateimanager Nautilus angedeihen lassen, bei dem schon länger in Diskussion stehende Design-Entwürfe implementiert wurden. Konkret bedeutet dies, dass das Interface erheblich abgespeckt wurde und nun deutlich weniger Raum einnimmt: Die Statuszeile wurde ganz entfernt, dort bislang angebotene Informationen werden nun im Bedarfsfall als Overlay im rechten unteren Eck eingeblendet. Ein Großteil der bisherigen Navigation wurde weggenommen, da man hier viel unnötige Dopplung ausgemacht hat, vor allem da ja die "Brotkrummen-Navigation" und der Sidebar ohnehin schneller den Zugriff auf einzelne Verzeichnis erlauben. Die Zoom-Knöpfe werden viel zu selten genutzt um einen fixen Platz im Interface einzunehmen, so die Überlegung für deren Abgang. Dazu sei angemerkt: All die aus dem Toolbar entfernten Funktionen sind weiterhin über das Menü und die entsprechenden Shortcuts zu erreichen.

Kommt noch

Auch wenn nun eigentlich schon seit einigen Tagen der User-Interface-Freeze gilt - nachdem Änderungen an der Oberfläche nur mehr mit expliziter Änderung des Release Teams erlaubt sind - ist zumindest für die GNOME Shell noch eine größere Änderung geplant: Ein integriertes NetworkManager-Applet soll sich künftig um die Netzwerkverwaltung kümmern, dieses ist der letzte Schritt zur Fertigstellung des Statusbereichs der GNOME-Shell.

Download

GNOME 2.91.90 steht wie gewohnt in Form des Source Codes auf der Seite des Projekts zum Download. Wer sich das Selbstkompilieren - oder die Nutzung experimenteller Vorversionen von Fedora 15 - ersparen will, kann die neue Desktop-Generation auch über eine eigene Live-CD ausprobieren. Allerdings sei darauf hingewiesen, dass diese derzeit noch nicht ganz auf dem aktuellen Stand der Beta ist. Die stabile Ausgabe von GNOME 3.0 soll dann am 6. April veröffentlicht werden. (Andreas Proschofsky, derStandard.at, 24.02.11)

  • Das Interface des Dateimanagers Nautilus wurde für die aktuelle Testversion erheblich verschlankt, im Bild mit der Split-Ansicht. Ebenfalls zu sehen: Im Fensterrahmen hat man die Knöpfe für Minimieren und Maximieren entfernt, wer diese vermisst, kann das alte Layout mit dem gconf-editor wieder herstellen.
    screenshot: andreas proschofsky

    Das Interface des Dateimanagers Nautilus wurde für die aktuelle Testversion erheblich verschlankt, im Bild mit der Split-Ansicht. Ebenfalls zu sehen: Im Fensterrahmen hat man die Knöpfe für Minimieren und Maximieren entfernt, wer diese vermisst, kann das alte Layout mit dem gconf-editor wieder herstellen.

  • Das Activities-Overlay der GNOME Shell hat weiteren optischen Feinschliff erhalten, so werden etwa die Icons nun wesentlich größer dargestellt.
    screenshot: andreas proschofsky

    Das Activities-Overlay der GNOME Shell hat weiteren optischen Feinschliff erhalten, so werden etwa die Icons nun wesentlich größer dargestellt.

  • Mit dem Workspace-Handling wurde einer der letzten großen Teile des GNOME-Shell-Konzepts implementiert.
    screenshot: andreas proschofsky

    Mit dem Workspace-Handling wurde einer der letzten großen Teile des GNOME-Shell-Konzepts implementiert.

  • Wer mit der GNOME Shell so gar nicht anfangen kann, dem bietet sich in den Systemeinstellungen nun die Möglichkeit manuell den Fallback-Modus mit altem Panel zu aktivieren.
    screenshot: andreas proschofsky

    Wer mit der GNOME Shell so gar nicht anfangen kann, dem bietet sich in den Systemeinstellungen nun die Möglichkeit manuell den Fallback-Modus mit altem Panel zu aktivieren.

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