Syrien soll weitere Atomanlage bauen

24. Februar 2011, 07:53
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Laut der Süddeutschen Zeitung befindet sich geheimer Reaktor nahe Damaskus - IAEO lehnte Stellungnahme ab

München - Syrien hat nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" offenbar in der Nähe der Hauptstadt Damaskus an einer weiteren geheimen Atomanlage gebaut. Außen- und Innenaufnahmen von zwei Gebäuden ließen zusammen mit anderen Informationen erstmals die Vermutung zu, dass in Mardsch el Sultan eine Anlage zur Urankonversion entstehen sollte, berichtete die "SZ" (Donnerstagsausgabe). Es handele sich um eine Vorstufe zur Produktion von Brennstäben. Die der "SZ" vorliegenden Fotos seien westlichen Geheimdiensten bekannt und zumindest in Teilen auch der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA/IAEO). Die "SZ" habe sich jedoch bereiterklärt, die ihr vorliegenden Aufnahmen nicht zu veröffentlichen, um Rückschlüsse auf mögliche Quellen zu vermeiden.

Die IAEO in Wien habe bereits im Mai 2008 Zugang zu dem Gelände verlangt, den Syrien bislang verweigere, berichtete die "SZ". Die Inspektoren der IAEO wollten den Komplex untersuchen, weil sie Hinweise darauf hätten, dass er in "funktioneller Verbindung" mit einem Gebäude im ostsyrischen el Kibar stand, das Israel im September 2007 bombardiert hatte. Die USA haben Syrien beschuldigt, dort einen Reaktor errichtet zu haben, mit dem Plutonium zum Bau von Atomwaffen produziert werden sollte. Syrien bestreitet dies.

Die Anlagen waren zum Zeitpunkt der Aufnahme laut "SZ" zwar zum Teil installiert, manche Ausrüstungsgegenstände wurden aber gerade erst montiert. Die IAEO, die in den nächsten Tagen ihren neuesten Bericht zu Syrien vorlegen wird, habe eine Stellungnahme abgelehnt. Die Bilder aus den beiden Gebäuden zeigen dem Bericht zufolge chemische Apparaturen, wie man sie nach Aussage eines westlichen Geheimdienstmitarbeiters "in einer Urankonversionsanlage erwarten würde". Ein unabhängiger Experte bewertete die Informationen ähnlich. Zudem soll es nach Angaben eines westlichen Geheimdienstlers "Verbindungen" zwischen El Kibar und Mardsch el Sultan geben. Offenbar wurden dieselben Personen an beiden Orten gesichtet oder Transporte zwischen den Anlagen beobachtet. (APA/AFP)

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