Gaddafi sieht Bin Laden hinter den Protesten

24. Februar 2011, 22:15
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In seiner Rede im staatlichen TV beschudigt Gaddafi die Al Kaida als Organisatoren der Proteste - Frankreich vermutet 2000 Tote

Auch am Donnerstag gingen die Proteste gegen Gaddafi weiter. Weite Teile des Landes, besonders im Osten um die Stadt Bengasi, sind nicht mehr unter der Kontrolle des Diktators. Aber auch rund um die Hauptstadt Tripolis scheint sich das Blatt gegen Gaddafi zu wenden. Dieser meldete sich am Nachmittag via Telefon im Staatsfernsehen zu Wort und präsentierte dort in einer bizarren, wirren Rede wie sich die Aufstände aus seiner Sicht darstellen: Hinter den Demonstranten würde die Al Kaida stecken, die die Jugend mit halluzinogenen Drogen aufwiegele.

Am Abend reagierte die Schweiz mit der Sperrung möglicher Gaddafi Konten. Laut einer Wikileaks vorliegenden US-Depesche, hat Libyens Staatsfonds 32 Milliarden Dollar bei US-Banken angelegt.

Wer kann verlässt derzeit das Land. Tausende Gastarbeiter aus Tunesien und Ägypten kehren in ihre Heimatländer zurück. Italien erwartet eine enorme Flüchtlingswelle aus Nordafrika und fordert von den anderen EU-Mitgliedern Unterstützung bei deren Aufnahme. Die Innenminister der EU-Staaten konnten sich bisher noch auf keine gemeinsame Vorgehensweise einigen.

22:48 Uhr: Wir beenden für heute unseren Livebericht über die Proteste in Libyen und bedanken uns herzlich fürs Dabeibleiben.

22:15 Uhr: Angesichts der anhaltenden Gewalt gegen Demonstranten in Libyen will der UNO-Sicherheitsrat den Druck auf den libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi erhöhen. Das Gremium habe am Donnerstag inoffizielle Gespräche zur Krise in Libyen geführt und könnte innerhalb der nächsten 48 Stunden eine formelle Dringlichkeitssitzung einberufen, verlautete aus Diplomatenkreisen. Angesichts der Tatsache, dass Gaddafi die Forderungen nach einem Ende der Gewalt gegen Demonstranten ignoriert habe, prüfe der Sicherheitsrat Sanktionen. "Wir schließen nichts aus", sagte ein westlicher Diplomat, der anonym bleiben wollte.

21:57 Uhr: Eine wunderbare Timeline der New York Times über Gaddafis Biografie.

21:26 Uhr: Präsident Barack Obama will noch im Laufe des Tages (Ortszeit Washington) mit seinem französischen Kollegen Nicolas Sarkozy und dem britischen Premierminister David Cameron über die Lage in Libyen sprechen. Dabei würden alle Optionen, auch Sanktionen, besprochen, sagte ein Regierungssprecher.

Zudem plädierten die USA für einen Ausschluss des nordafrikanischen Landes aus dem UN-Menschenrechtsrat. Solch ein Schritt würde Libyen international zunehmend isolieren, sagte Außenamtssprecher P.J. Crowley. Libyens Machthaber Muammar Gaddafi versucht derzeit, die zunehmende Umklammerung durch Aufständischen mit Gewalt zu durchbrechen.

20:41 Uhr: Das US-Präsidialamt erklärt, es würden in der Libyen-Krise alle Optionen einschließlich einer Flugverbotszone geprüft.

20:14 Uhr: Auch die österreichische Innenministerin meldet sich aus Brüssel zu Wort: Die Entwicklung im Bürgerkrieg in Libyen sei "überhaupt noch nicht absehbar", erklärte Maria Fekter (ÖVP) am Donnerstagabend. "Wir wollen uns nicht an Spekulationen beteiligen, sondern im Hinblick auf die Fakten unsere Entscheidungen treffen und warten, wie sich die Situation bezüglich der Flüchtlingsströme weiter entwickelt", sagte Fekter nach dem EU-Innenministerrat.

Derzeit könnten die betroffenen Länder wie Italien, Griechenland, Zypern oder Spanien mit den ankommenden Flüchtlingen "umgehen". Die Lage in Nordafrika sei jedenfalls differenziert zu betrachten. Die EU wolle bei Ägypten und Tunesien den Transformationsprozess in Richtung Demokratie unterstützen. Was Tunesien betrifft, gebe es auch bereits wieder Rückkehrer ins Land.

20:01 Uhr: Der Schweizer Bundesrat sperrt allfällige Vermögen des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi und seines Umfeldes in der Schweiz. Damit wolle die Regierung jegliches Risiko einer Veruntreuung von staatlichem libyschem Eigentum vermeiden, teilte das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (Außenministerium/EDA) am Donnerstag mit. Auch der Verkauf und jegliche Veräußerung von Gütern – namentlich von Immobilien – dieser Personen sei ab sofort verboten. Die entsprechende Verordnung tritt am Donnerstag in Kraft und hat eine Gültigkeit von drei Jahren.

Auf der Liste aufgeführt sind neben dem "Revolutionsführer" Gaddafi 28 weitere Personen, darunter Ehefrau Safya Farkash sowie Söhne und Töchter Gaddafis. Auch Gelder von weiteren Verwandten und von libyschen Wirtschaftsführer sind per sofort blockiert.

19:44 Uhr: Die erste Ausgabe von Benghazi Newspaper ist online.

19:42 Uhr: US-Präsident Barack Obama wird im Laufe des Tages (Ortszeit Washington) mit seinem französischen Kollegen Nicolas Sarkozy und dem britischen Premierminister David Cameron über die Lage in Libyen beraten. Dabei würden alle Optionen, auch Sanktionen, besprochen, sagt ein Sprecher des Präsidialamts.

19:02 Uhr: Libyens Staatsfonds hat offenbar 32 Milliarden Dollar bei verschiedenen US-Banken angelegt. Verschiedene Institute verwalteten jeweils bis zu 500 Millionen Dollar, heißt es in einer US-Botschaftsdepesche, die der Enthüllungsplattform Wikileaks vorliegt. Die Depesche bezieht sich auf Inhalte eines Treffens des Staatsfonds-Chefs Mohammed Layas und dem US-Botschafter im Jänner in Tripolis. Der Fonds LIA verwaltet Einnahmen aus dem Ölgeschäft und verfügt Schätzungen zufolge über Vermögenswerte im Volumen von etwa 70 Milliarden Dollar. Er hält Anteile an der italienischen Bank UniCredit und dem britischen Verlagshaus Pearson. Der Depesche zufolge ist LIA auch mit mehreren hundert Millionen Dollar bei der in London ansässigen Beteiligungsgesellschaft FM Capital Partners engagiert.

18:27 Uhr: Die Telefon-Rede von Gaddafi finden Sie hier.

18:00 Uhr: Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind bislang mindestens 30.000 Menschen aus Libyen geflohen. Bei den meisten handle es sich um Gastarbeiter aus Tunesien und Ägypten, sagt eine IOM-Sprecherin der Nachrichtenagentur Reuters.

17:54 Uhr: Ein Video des Guardian-Reporters Martin Chulov aus Bengasi.

17:44 Uhr: Harte Worte findet der deutsche Bundespräsident Christian Wulff: Er hat Libyens Machthaber Muammar Gaddafi einen "Psychopathen" genannt. Nach einem Treffen mit dem italienischen Präsidenten Giorgio Napolitano am Donnerstag in Berlin sprach Wulff von "Staatsterrorismus" gegen die libysche Bevölkerung. Er forderte, dass Europa zusammen stehen müsse, um den Menschen in Libyen zu helfen. Auch Napolitano trat dafür ein, "ganz konsequent und gemeinsam" zu handeln. Die ganze EU müsse den Notstand bekämpfen, der etwa die Gefahr einer Masseneinwanderung und eine sichere Energieversorgung betreffe. Die EU müsse zudem die Entwicklung der Staaten in Nordafrika stärker unterstützen.

17:34 Uhr: Der ORF- und taz-Korrespondent Karim Al-Gawhary beschäftigt sich in seinem Kommentar für die taz mit der Frage, was nach Gaddafis Herrschaft passieren könnte.

17:05 Uhr: Dem französischen Gesandten für Menschenrechte zufolge könnten in Libyen bis zu 2000 Menschen getötet worden sein. "Nach den uns gegenwärtig vorliegenden Zahlen aus Kreisen sind mindestens 1000 gestorben, möglicherweise 2000", sagte Francois Zimeray am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Es gebe Belege dafür, dass Gaddafi Verbrechen gegen die Menschlichkeit verübt habe. "Die Frage ist nicht, ob Gaddafi gestürzt wird, sondern wann und mit welchem Preis für die Menschen."

17:00 Uhr: Der libysche Botschafters in Jordanien Mohammed Hassan Al Barghathihat bei einer Pressekonferenz seinen Rücktritt bekannt gegeben, berichtet CNN.

16:55 Uhr: Gaddafi verglich in seiner heutigen Rede seine Rolle in Libyen mit der von Queen Elisabeth in Großbritannien. Ein Twitter-Nutzer hat sich von diesem Vergleich inspirieren lassen und folgende Fotomontage gebastelt: http://twitpic.com/439408

16:21 Uhr: Die Evakuierung von Österreichern aus Libyen wird – trotz der bisherigen Erfolge – immer schwieriger: "Die Sicherheitslage im Großraum Tripolis ist sehr, sehr angespannt und unübersichtlich, die Kommunikationsmöglichkeiten – wenn überhaupt funktionierend – sehr schwierig", sagte Außenministeriumssprecher Launsky-Tieffenthal. Bemühungen, Österreicher auf dem Landweg in Sicherheit zu bringen, seien aber "sehr weit fortgeschritten".

16.07 Uhr: Bewohner der Stadt Benghasi im Osten Libyens berichten der Nachrichtenagentur Reuters, die Öl-Terminals von Ras Lanuf und Marsa el Brega seien nicht mehr unter der Kontrolle von Gaddafi. Dies hätten ihnen Aufständische vor Ort zugesichert.

16:08 Uhr: Der Österreicher-Konvoi aus Libyen ist sicher in Tunesien angekommen. Außenministeriumssprecher Peter Launsky-Tieffenthal bestätigte APA-Informationen, wonach ein Konvoi von sieben Fahrzeugen mit 15 Österreichern und zwei oder drei weiteren Personen mit fünf Begleitern des Außen-, Innen- und Verteidigungsministeriums "vor wenigen Minuten sicher Tunesien erreicht hat."

16:04 Uhr: Die Gerüchteküche brodelt: ABC News schreibt von möglichen Fluchtplänen Gaddafis und zitiert auch einen ehemaligen nicht namentlich genannten Minister Gaddafis, der behauptet, Gaddafi würde sich eher umbringen, als sein Amt aufzugeben.

16:01 Uhr: In der Stadt Az Zawiyah, 50 Kilometer westlich von Tripolis, soll es gewalttätige Außeinandersetzungen zwischen Gegnern Gaddafis und den Sicherheitskräften geben, berichtet Al Jazeera.

15:35 Uhr: Beep – nach einer knappen Viertelstunde ist die Rede Gaddafis vorbei. In den 15 Minuten beschreibt Gaddafi seine Version der Proteste.

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15:31 Uhr: In seiner Rede konstruiert Gaddafi ein wirres Bedrohungszenario für Libyen. Nicht er, sondern Al Kaida, wären die Ursache für den Aufstand. Er zieht auch Vergeiche zum Irak. Er sei ein Opfer des Terrorismus, der von Bin Laden ausgehe. Gaddafi streitet jegliche Verantwortung für die Proteste ab. Es sei die Verantwortung der Eltern, die Jungen von den Straßen zu bringen. Dann müssten die dahinterstehenden Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Er kondoliert den Hinterbliebenen der Opfer.

In der Stadt Al-Sawiya spiele sich derzeit eine "Komödie" ab. "Wenn ihr einander töten wollt, dann tut das", sagte er an die Adresse der Einwohner der Stadt, aus der am Vormittag heftige Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Gaddafi-Truppen gemeldet worden waren. Der Moderator des libyschen Fernsehens hörte seine wirre Ansprache mit versteinertem Gesicht an.

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15:15 Uhr: Al Jazeera überträgt derzeit die Rede von Gaddafi - allerdings ohne Bild. Nur die Stimme des Diktators ist zu hören. Gaddafi spricht davon, dass die Demonstranten unter dem Einfluss der Al Kaida stehen würden. Bin Laden und seine Ideologie wären an den Aufständen Schuld. Intelligente Menschen würden sich nicht an den Protesten beteiligen. Die Jungen würden Drogen nehmen, die sie dazu bringen, an den Protesten teilzunehmen. Es sei nun offensichtlich, dass die ganze Aufregung von der Al Kaida inszeniert werde.

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15:12 Uhr: Der italienische Innenminister Roberto Maroni hat die EU aufgefordert, bei der Bewältigung von Flüchtlingsströmen aus Nordafrika solidarisch zu sein. Angesichts erster in Lampedusa gestrandeter Flüchtlinge sagte Maroni am Donnerstag vor dem EU-Innenministerrat in Brüssel, "ich hoffe auf Unterstützung". Die Schätzungen von Flüchtlingen aus Libyen gingen bis zu "einer Million".

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14:35 Uhr: Nun meldet sich endlich auch der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer zu Wort. Das Blutvergießen in Libyen müsse gestoppt werden. Vor OSZE-Delegierten mahnt er: "Die Förderung von Demokratie und Menschenrechten ist für uns von höchster Priorität."

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14:16 Uhr: Eh nicht mehr ganz neu, aber im Trubel untergegangen: Einer der engsten Vertrauten Muammar al-Gaddafis hat sich nach eigenen Angaben aus Protest gegen das Vorgehen des Regimes nach Kairo abgesetzt. Ahmed Gadhaf al-Dam: bei der Niederschlagung der Proteste sei es zu "schwerwiegenden Verletzungen von Menschenrechten" gekommen.

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14:05 Uhr: CNN berichtet von der Grenze zu Libyen


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13:56 Uhr: Noch immer keine Spur von Präsident Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi. Er soll "in Kürze" im libyschen Staatsfernsehen sprechen, meldet Al Jazeera.

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13:54 Uhr: Misurata – eine 260.000-Einwohnerstadt an der Großen Syrte, der südlichsten Bucht des Mittelmeeres, hat sich heute zum Zentrum der Kämpfe zwischen Gaddafi-loyalen Einheiten und Aufständischen entwickelt. Die so genannte "Hamza Brigade", eine Eliteeinheit, wurde erst aus der Stadt vertrieben, hat sich dann auf die Region rund um den Flughafen der Stadt konzentriert, um danach erneut das Stadtzentrum anzugreifen. Laut Al Jazeera sind viele Tote zu befürchten.

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13:28 Uhr: In Bengazi haben die Aufständischen einen Gerichtshof eingerichtet, vor dem angebliche Söldner angeklagt werden. Die Männer aus den Süden Libyens und aus anderen afrikanischen Ländern sollen im Auftrag Gaddafis das Feuer auf Demonstranten eröffnet haben, berichtet der Guardian.

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13:00 Uhr: Gaddafi wird demnächst im TV auftreten. Al Jazeera überträgt live.

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12:49 Uhr: 6.000 Europäer müssen nach Angaben der EU-Innenminister, die zurzeit in Brüssel debatieren, nach aus Libyen evakuiert werden. Eventuell, so hofft man, könnte ein chinesisches Militärschiff 500 davon aufnehmen und übersetzen. 6.000: so viele nordafrikanische Flüchtlinge sind übrigens bisher auf der italienischen Insel Lampedusa gelandet. Auf meistens kaum fahrtüchtigen Kuttern, wohlgemerkt.

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12:44 Uhr: Saudi-Arabien, größter Ölproduzent der Welt und bisher jedenfalls noch eine stramme Diktatur ohne allzuviel Widerstand, will einspringen, falls es durch die Ereignisse in Libyen zu Engpässen oder Ausfällen in Sachen schwarzes Gold kommt.

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12:27 Uhr: - Ein Augenzeuge berichtet der Nachrichtenagentur Reuters von Angriffen Gaddafi-treuer Truppen auf Demonstranten in der Stadt Misrata, rund 200 Kilometer östlich von Tripolis. Das Stadtzentrum sei weiter in der Hand der Gaddafi-Gegner, gekämpft werde in der Nähe des Flughafens.

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12:20 Uhr: Die schwedische Boulevardzeitung Expressen hat mit dem übergelaufenen Ex-Justizminister Libyens gesprochen: Mohamed Abdul al-Jeleil erwartet einen baldigen Selbstmord von Staatschef Gaddafi. "Gaddafis Tage sind gezählt. Er wird es wie Hitler machen und sich das Leben nehmen." Al-Jeleil bestätigte in dem am Mittwoch in der libyschen Stadt Al Bayda geführten Interview, dass Gaddafi ausländische Söldner zur Bekämpfung des Volksaufstandes in seinem Land einsetzt.

"Ich weiß davon, dass das Regime schon lange vorher diese Söldner angeheuert hat. Bei mehreren Kabinettssitzungen wurde beschlossen, diesen Leuten aus dem Tschad und Niger die libysche Staatsbürgerschaft zuzuerkennen." Er selbst habe dagegen protestiert und verlangt, stattdessen den Kinder von Libyerinnen mit ausländischen Ehemännern die Staatsbürgerschaft zu geben, sagte Al-Jeleil.

12:15 Uhr: Dem Nachrichtensender Al Arabija zufolge hat der Präsident des Tschad, Idriss Deby, seinem Verbündeten Gaddafi zugesichert, er werde ihm tschadische Truppen zur Bekämpfung des Aufstandes schicken.

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12:15 Uhr: Laut Al Jazeera kursieren in Tripolis SMS-Nachrichten, die zu Großdemonstrationen nach dem Freitagsgebet aufrufen. Ein probates und bekanntes Mittel, wie sich schon bei den Volksaufständen in Tunesien und Ägypten gezeigt hat.

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12:05: Die libysche Regierung fordert ihre Gegner zur Abgabe ihrer Waffen auf. Zugleich ruft das Volkskomitee für die Allgemeine Sicherheit in einer im Staatsfernsehen verlesenen Erklärung zur Denunziation von Anführern der Proteste auf und stellt dafür großzügige Belohnung mit Geld in Aussicht.

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11:55 Uhr: Guardian-Reporter Martin Chulov berichtet von blockierten Ölanlagen.


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11:38 Uhr: Al Jazeera meldet, dass die Stadt Zuwarah, 120 Kilometer westlich (ja, westlich!) der Haupstadt Tripolis, von Aufständischen kontrolliert werde. Von Polizei oder Militär fehle seit Tagen jede Spur, erzählten ägyptische Bauarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters. Polizeiwachen seien niedergebrannt worden. Die Ägypter waren nach eigenen Angaben auf einer Baustelle in Zuwarah tätig, bevor sie sich auf den Weg nach Tunesien machten.


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11:35 Uhr: Ganz Europa (die größere der britischen Inseln ausgenommen) schweigt zum Blutbad in Libyen? Nein, Guido Westerwelle, liberaler Außenminister der Bundesrepublik tanzt aus der Reihe: "Gaddafi ist ein Diktator, der gegen das eigene Volk vorgeht".

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11:32 Uhr: Der britische Premierminister David Cameron schwingt sich erneut zum engagiertesten Sprecher der freien Welt auf. In einem Interview mit Al Jazeera sagte er: "All of our minds are focused on Libya. What we've seen is unacceptable. It must stop – and if it doesn't there will be consequences." Mit der britischen Performance in Sachen Evakuierung der Briten aus Libyen ist er hingegen nicht so happy.

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11:24 Uhr: Guardian-Korrespondent Martin Chulov aus Bengasi: die Demonstranten haben eine verlassene Militärbasis eingenommen und geplündert. Hier der Bericht.

11:22 Uhr: Weiter Presseschau, diesmal blicken wir in Richtung Nordwest, von Libyen aus gesehen. Die Madrider Zeitung El Mundo schreibt: "Die tragischen Ereignisse in Libyen haben ein weiteres Mal beweisen, dass die EU nicht in der Lage ist, auf größere Krisen angemessen zu reagieren. Europa hat keine Antwort auf die Massaker des Gaddafi-Regimes gefunden; die EU weiß nicht, wie sie den drohenden Flüchtlingszustrom bewältigen soll; und sie bleibt tatenlos angesichts des Anstiegs der Ölpreise. Die EU benötigt eine echte gemeinschaftliche Politik, und die ist nur mit einer starken europäischen Regierung möglich. Die Experimente mit dem Ratspräsidenten Van Rompuy und der Außenbeauftragten Ashton funktionieren nicht."

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11:02 Uhr: Deutschlands Innenminister Thomas de Maiziere und seine österreichische Kollegin Maria Fekter blasen – ausnahmsweise – in das selbe Horn: Italien, so beide Ressortchefs, sei mit den nordafrikanischen Flüchtlingen bisher noch nicht ausgelastet, sie über die EU-Länder zu verteilen, kommt nicht in Frage. "Italien ist gefordert, aber bei weitem noch nicht überfordert." Bisher, so der CDU-Politiker in Brüssel, seien auf der italienischen Insel Lampedusa lediglich 6.000 Flüchtlinge angekommen, von denen nur 50 einen Asylantrag gestellt hätten. Fekter: "Die 5.000 (sic!) sind eine Zahl, mit der das große Italien schon noch zurande kommt", so Fekter.

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10:55 Uhr: War unabhängige Berichterstattung schon bisher höchst problematisch, so droht Libyens Vizeaußenminister Khaled Khaim ausländischen Journalisten nun offen mit Gewalt. Man würde sie als "Outlaws" und "Terroristen" behandeln.

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10:53 Uhr: Der Londoner Guardian hat eine – wie zumeist – fabelhafte Grafik gebastelt. Genauer: eine Mindmap zum Thema Libyen. Einen Klick oder zwei wert.

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10:46 Uhr: Die Propagandamaschinerie des Gaddafi-Clans jedenfalls läuft noch. Dessen Statements, sie ähneln jenen von Herrn al-Sahaf, seines Zeichens irakischer Informationsminister: 85 Prozent des Landes seien "sehr ruhig und sehr sicher", sagte al-Saadi den Financial Times. Und: "Mein Vater wird bleiben als großer Vater, der Ratschläge gibt." Brüderchen Saif, anno dazumal bekanntlich Freund des Wiener Opernballes, legt nach und betätigt sich als Leugner: Seit Beginn der Unruhen seien einige wenige Menschen gestorben. "Aber Leute, von Hunderten oder Tausenden zu sprechen und von Luftangriffen, das ist ein Witz selbst vom militärischen Standpunkt aus", sagte Saif al-Islam. "Denn wie kann man mit Flugzeugen Demonstranten angreifen, selbst wenn man töten will?"

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10:40 Uhr: Ein wenig Zeitunglesen: Italiens Ministerpräsident fürchtet sich in der aktuellen Ausgabe der Repubblica vor Gaddafi-Raketen auf das Bel Paese. Hier der Link (italienisch).

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10:36 Uhr: Al Jazeera bringt ein Video, das Feuerwerk in den Straßen der libyschen Hafenstadt Bengasi zeigt.

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Die internationalen Proteste gegen das brutale Vorgehen des Gaddafi-Regimes gegen Demonstranten nahmen am Donnerstagmorgen an Schärfe zu. US-Präsident Barack Obama nannte die Gewalt "skandalös", UN-Generalsekretät Ban Ki-moon will dafür sorgen, dass die Verantwortlichen vor einem internationalen Gericht zur Rechenschaft gezogen werden. EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton kann hingegen nicht von einer gemeinsamen Entscheidung der europäischen Staaten über Sanktionen gegen Libyen berichten. Die EU-Mitgliedstaaten, so Ashton, seien "bereit" zu Sanktionen gegen das Regime von Muammar al-Gaddafi, falls die Gewalt nicht sofort ende.

Der nordafrikanische Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida hat den Demonstranten seine volle Unterstützung zugesichert. "Wir werden unser möglichstes tun, um Euch zu helfen", heißt es in einer Mitteilung von Al-Kaida im islamischen Maghreb, wie das auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisierte US-Unternehmen SITE am Donnerstag mitteilte. "Euer Kampf ist der Kampf eines jeden Muslim", erklärte der Al-Kaida-Ableger demnach. Es sei an der Zeit, dass den "Betrüger, Sünder, hartherzige Bastard" Gaddafi dasselbe Ende ereile wie die gestürzten Staatschefs von Tunesien und Ägypten, Zine El Abidine Ben Ali und Hosni Mubarak. (flon/mka/red/APA/Reuters)

Alle Zeiten beziehen sich auf die Mitteleuropäische Zeitzone (MEZ). In Libyen ist es eine Stunde später als in Österreich.

Nicht alle Informationen in diesem Livebericht können aufgrund der Lage in Libyen mit der gewohnten Gründlichkeit überprüft werden. Dies gilt speziell für Informationen, die uns über Twitter, Facebook und Augenzeugenberichten zugetragen wurden.


Al Jazeera English: Live-Blog

Guardian: Live-Update

Erste unabhängige Radiostation, die illegal aus Libyen sendet

Vcom Freedom

Libyan Youth Movement auf Facebook

Anonymous Press Release

Karim El-Gawhary auf Twitter

BBC-Korrespondent Martin Chulov auf Twitter

Philip Crowley auf Twitter

Libyan Youth Movement auf Twitter

Polit-Kommentator Sultan Al Qassemi auf Twitter

Zusammenstellung von Videos aus Libyen

Human Rights Watch: Libya:
Governments Should Demand End to Unlawful Killings

Flickr-Fotostream von a7fadhomar

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    Der Moderator der libyschen Staatsfernsehens während der Übertragung der Rede Gaddafis. Gaddafi selbst war nicht zu sehen - die Rede wurde scheinbar via Telefon übertragen.

  • Al Jazeera überträgt die Rede Gaddafis im Livestream. Allerdings ist nur die Stimme des Dikators zu hören.
    foto: screenshot

    Al Jazeera überträgt die Rede Gaddafis im Livestream. Allerdings ist nur die Stimme des Dikators zu hören.

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    Die Opposition in Bengasi hat eine neue Zeitung herausgebracht. Das Datum der Veröffentlichung ist der 23. Februar 2011. Der Fotodruck am Zeitungsrand zeigt eine Flagge aus der Ära, bevor Gaddafi an die Macht kam und die Legende Omar al-Mukhtar, der die italienische Kolonialmacht bekämpfte. Darunter ist in arabischen Lettern ist zu lesen: "Wir geben niemals auf, entweder setzen wir uns durch oder wir sterben. Die Revolution ist noch nicht am Ende."

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Bengasi: die Armee hat bei ihrem Abzug Gerät und Fahrzeuge zurückgelassen
    Video

    Bengasi: die Armee hat bei ihrem Abzug Gerät und Fahrzeuge zurückgelassen

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    Siegreiche Aufständische im Osten Libyens, in Shahat. Aus dem Westen des Landes, wo sich derzeit die Hauptkampfhandlungen zutragen, gibt es kaum Bilder. Wir bitten dies zu entschuldigen.

  • Flüchtlingsbild II: Franzosen auf dem Weg nach Hause.
    foto: epa/french air force / sebastien dupont

    Flüchtlingsbild II: Franzosen auf dem Weg nach Hause.

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    Flüchtlingsbild I: Ein Ägypter trägt sein Hab und Gut über die Grenze nach Tunesien.

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    Ein bekanntes Gesicht: Maria Fekter berät sich mit ihren Amtskollegen aus den übrigen EU-Staaten, wie mit der Situation in Libyen - und der drohenden Flüchtlingswelle - umzugehen sein.

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    Ausgebrannte Autos in Tobruk.

  • Guardian-Mindmap.
    foto: screenshot guardian

    Guardian-Mindmap.

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    UN-Generalsekretär Ban Ki-moon verurteilt die Gewalt in Libyen "auf das Schärfste".

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    US-Präsident Obama: Skandalöse Gewalt des Regimes.

  • Dieser Tweet von @ShababLibya zeigt eine Karte des "befreiten Libyens".

    Dieser Tweet von @ShababLibya zeigt eine Karte des "befreiten Libyens".

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    Jugendliche Demonstranten auf einer Brücke in der Stadt Derna, einer 50.000-Einwohnerstadt im Osten Libyens am Mittelmeer.

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    Auch in anderen Teilen Dernas wurde demonstriert.

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    Im Hafen der umkämpften Stadt Bengasi legte eine türkische Fähre an und holte tausende türkische Gastarbeiter ab - unter strenger Bewachung durch türkische Spezialeinheiten.

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    Rauch über den Dächern Dernas.

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    Aufstand auch in Tobruk, einer Stadt, die dem Gaddafi-Regime relativ früh entglitten sein dürfte.

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