Zeit, offen zu diskutieren

23. Februar 2011, 20:28
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Mit einer gut vorbereiteten Umweltverträglichkeitsprüfung kann man die meisten Projekte durchsetzen - Von Conrad Seidl

Sie hatten an alles gedacht. An die technische Machbarkeit. An die Auswirkungen auf die Schifffahrt. An die Wissenschafter, die man rechtzeitig ins Boot geholt hat, um die erwünschten Aussagen über das große Projekt zu bekommen. An politische Unterstützung. Und natürlich an eine gut gesteuerte Öffentlichkeitsarbeit.

Und dann ist doch nichts daraus geworden, aus dem Kraftwerk Hainburg. Im Winter 1984/85 ist der Donaukraftwerke AG das schöne Projekt von ein paar kritischen Wissenschaftern und von einer großen Gruppe noch kritischerer Umweltschützer, die reichlich Rückhalt in den Medien gefunden haben, vermasselt worden.

Ein Vierteljahrhundert später hat die Via Donau, die Nachfolgerin der Wasserstraßendirektion, mit einer ganz ähnlich aufgebauten Strategie versucht, ihr Naturversuchsprojekt bei Bad Deutsch-Altenburg durchzuziehen - ein Vorgriff auf das flussbauliche Gesamtkonzept. Aber das war eben nicht ausreichend, einen Eingriff in die Kernzone des inzwischen als Nationalpark geschützten Augebiets zu rechtfertigen. Zu Recht heißt es daher: zurück an den Start. Denn eines hat man seit der Hainburg-Auseinandersetzung lernen können: Mit einer gut vorbereiteten Umweltverträglichkeitsprüfung kann man die meisten Projekte, auch so einen Großversuch, durchsetzen - vorausgesetzt, man ist bereit, sie offen zu diskutieren und sachgerecht zu adaptieren. (Conrad Seidl/DER STANDARD-Printausgabe, 24.2.2011)

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