Rassistischer Taxler warf­ Sängerin aus dem Auto

Künstlerin geschockt, Taxi-Innung zweifelt

Wien - Auf der Bühne im Theater an der Wien ist Angel Blue ein gefeierter Star. In Benjamin Brittens Rape of Lucretia singt die US-Sopranistin eine der Hauptrollen. In einem Wiener Taxi hingegen musste sie Bekanntschaft mit einem rassistischen Lenker machen: "Get out of my car, I don't drive black women" , soll der heimische Taxler zu der verdutzten Sängerin gesagt haben, wie ihre empörte Kollegin Angelika Kirchschlager dem Standard bestätigte.

Der Vorfall ereignete sich am 10. Februar gegen 21.30 Uhr beim Taxi-Standplatz Oper/Kärntnerstraße in der Wiener Innenstadt. Angel Blue sei wieder ausgestiegen und in Tränen ausgebrochen. Ein westafrikanischer Taxifahrer habe sich um die geschockte Frau gekümmert und den rassistischen Kollegen zur Rede gestellt. Dabei sei es fast zu einer Rauferei gekommen. Der beschuldigte Taxler sei schließlich mit seinem weißen Mercedes davongefahren. Auf das Kennzeichen habe Angel Blue nicht geachtet.

Keine Chance ohne Kennzeichen

In der Taxi-Innung hieß es am Mittwoch, dass es nahezu unmöglich sei, ohne Kennzeichen das Taxi oder den Lenker ausfindig zu machen. Fachgruppengeschäftsführer Andreas Curda äußerte leichte Zweifel an den Vorwürfen: "Dass ein Taxifahrer so perfekt Englisch spricht, würde mich wundern." Stimme der Vorwurf und werde der Taxler erwischt, sei die Lizenz weg und er erhalte eine Geldstrafe. Laut Gleichbehandlungsgesetz kann Diskriminierung aufgrund ethnischer Zugehörigkeit eingeklagt werden. (simo/DER STANDARD-Printausgabe, 24.2.2011)

Reaktionen von Politikern

Toni Mahdalik, freiheitlicher Verkehrssprecher: "Einen ganzen Berufsstand anzupatzen, ohne auch nur den kleinsten Beweis für die Behauptungen zu haben, ist mehr als schäbig."

Senol Akkilic, Integrationssprecher der Grünen Wien: "In einer Großstadt wie Wien darf es nicht sein, dass Menschen mit anderer Hautfarbe kein Taxi mehr benützen können."

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