Mit den Langlaufgöttern an einem Tisch

23. Februar 2011, 17:49
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    foto: reuters/issei kato

    Marit Björgen ist in Norwegen sehr beliebt. Damit sie das bleibt, sollte die 30-Jährige vier Goldmedaillen erlaufen.

Am Holmenkollen steigt der Sprint der Langläufer, und die Gastgeber stehen schwer unter Druck. Vier Österreicher stehen vor einem einmaligen Erlebnis.

Nicht weniger als zwölf Goldmedaillen erwartet der gemeine Norweger bei der Heim-WM von seinen Langläufern. Mehr ist - abgesehen natürlich von in diesem Fall weniger begehrten zweiten und dritten Plätzen - in den herrlichen Loipen am Holmenkollen auch nicht zu holen. Die Beauftragten stehen unter immensem Druck, und die Frage, was passiert, wenn sein sollte, was nicht sein darf, wurde ihnen schon oft gestellt.

Da ist es gar nicht verwunderlich, dass der von Langlauflegende Björn Dhaelie beratene Superstar der Norsker, Petter Northug, einmal ungehalten reagierte. "Was soll passieren?", frug also der 25-jährige zweimalige Olympiasieger und viermalige Weltmeister die Lästigen seinerseits rhetorisch. Und antwortete selbst in typischer Manier: "Dann muss ich zwei Jahre Sozialdienst machen, bekomme einen Genickschuss und muss das Land verlassen."

Northug, wegen seines losen Mundwerks ohnehin nicht rasend beliebt, aber mit 1,5 Millionen Euro jährlich der mit Abstand Bestverdiener unter den Nordischen, könnte sich vollends unbeliebt machen, wenn er nicht die Doppelverfolgung, den abschließenden hier fast 52 Kilometer langen 50er und mit der Staffel gewinnt. Gleich viermal soll Marit Björgen triumphieren, die Northug an Beliebtheit weit überragt. Eine Umfrage dieses Ergebnisses quittierte Northug mit einem knappen "Ich mag sie auch lieber als mich". Björgen, in dieser Saison in 13 Weltcuprennen zehnmal erfolgreich, soll tunlichst den güldenen Anfang gleich im Sprint tun, schließlich war die 30-Jährige in dieser Disziplin im Vorjahr Olympiasiegerin. In Vancouver hat Björgen aber quasi versagt, weil sie ihren insgesamt drei Goldenen über die 30 Kilometer, geschlagen von er Polin Justyna Kowalczyk, nur Silber hinzufügen konnte.

Der druck bei den Gastgebern

Sie schlafe derzeit dennoch gut, gibt Björgen vor. Schließlich haben die Norweger in ihrem Hotel alle Zimmer komplett ausräumen und um mehr als 80.000 Euro nach ihren Bedürfnissen umbauen und einrichten lassen. Die Böden, munkelt man, seien mit Plastikplanen ausgeschlagen, Parkett oder gar Teppich seien nicht infrage gekommen, schließlich soll alles so steril wie möglich sein, auf dass sich keiner erkälte. Händeschütteln spielt es ohnehin nicht. Das wäre auch der reinste Wahnsinn.

Während bei der verwichenen WM in Liberec Norwegens Damen im Sprint völlig leer ausgegangen sind, stellen die Herren in Ola Vigen Hattestad den Titelverteidiger und in Anders Glöersen einen aussichtsreichen Außenseiter. Der 24-Jährige zeigte sich dankbar über Northugs Frontstellung, ihm selbst, sagte Glöersen, werde man nicht den Kopf abhacken, wenn es im Sprint nicht klappe.

Diesbezüglich natürlich vollkommen ungefährdet sind die vier Österreicher, die Sportdirektor Markus Gandler ins Rennen schickt. Schließlich gehe es für Österreichs Langläufer im Land der Langläufer um einen Neustart. "Den Langlauf gibt's noch."

Von den Verwüstungen, die der Turiner Olympiaskandal 2006 anrichtete, sprach Gandler natürlich nicht, schließlich wird in Italien in dieser Causa noch immer gegen ihn und weitere aktuelle oder ehemalige ÖSV-Mitglieder prozessiert. In Oslo ist mit Ausnahme von Routinier Jürgen Pinter (31), der vier Jahre gesperrt war und seit dieser Saison wieder startberechtigt ist, eine neue Generation am Werk. Der älteste Sprinter, Harald Wurm, ist 26 Jahre alt, der jüngste, Max Hauke, ist zarte 18. Dazwischen liegen altersmäßig Bernhard Tritscher und Markus Bader, jeweils 22 Jahre alt.

Sie dürfen nun quasi mit am Tisch der Götter sitzen, gelobten aber, nicht befangen zu sein. Der Salzburger Tritscher sprintete in dieser Saison in Rybinsk, Russland, schon auf Platz zehn. Wie Wurm strebt er in Oslo das Halbfinale, also einen Platz unter den besten zwölf, an.

Und wenn es gar für das Finale reicht, was dann? "Dann könnten ja ein paar vor mir stürzen." Gandler, der trotz ihrer Chancenlosigkeit neun Herren und eine Dame nominiert hat, bat um pflegliche Behandlung des vielleicht jüngsten Langlaufteams bei dieser WM. "Man kann junge Sportler sportlich, physisch, psychisch, aber auch medial ruinieren." Frag nach bei den Norwegern. (Sigi Lützow aus Oslo, DER STANDARD Printausgabe 24.02.2011)

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15 Postings
Helmut Z
01
23.2.2011, 21:09

Ein paar Bilder der Asthmatikerin Marit Björgen:

http://tinyurl.com/yhhqb9b

http://tinyurl.com/6y7wcax

http://tinyurl.com/5s4fgxx

Dieser Artikel ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein Land eine Illusion aufrecht erhalten möchte - nämlich, dass irgendeine Skilanglauf-Medaille (wurscht welche Nation) undrogiert gewonnen werden kann...

Einfach lächerlich - aber da kennen wir Ösis uns eh auch bestens aus... :-(

Karl Joda
00
Ein paar Bilder der Asthmatikerin Marit Björgen:

Da bräuchte man gar nicht zu kontrollieren.
unsere Steffi sah ähnlich aus in ihren "besten" Tagen... Offenbar ist der Nordische Sport genauso korrupt, wie der Profiradsport.

Bekka
 
00
24.2.2011, 10:27
asthmatiker sind die alle :-)

aber offenbar sind muskelpräparate in dieser ausdauersportart doch wichtiger als ich gedacht hatte.

Werner Masslos
02
24.2.2011, 09:07
Huch?

Also erstens: Mia san kane Ösis. Wir sind Österreicher.
Und zweitens: WIR kennen uns damit nicht bestens aus. Einige wenige kennen sich damit aus - der Rest der Österreicher hat keinen blassen Dunst vom Doping.

Wenn einzelne Sportler dopen, so soll es ihr Problem sein und bleiben. Wenn Spitzenleistungen nur über Doping machbar sind, dann gibt es zwei Möglichkeiten:

1.) Doping freigeben. Halte ich für absoluten Mist.
2.) Der Sportler, der dopen muß, um ganz vorne mit dabei zu sein, der soll aufhören. Er ist für den Sport ganz einfach nicht geeignet. Damit löst sich dieses Problem aufgrund akutem Teilnehmermangels auch von alleine.

.. und bitte: Asthma hin und her. Vergessen wir das. Richtig gedopt wird anders.

Joerg A.
00
23.2.2011, 21:49

Wusste gar nicht, dass man von Asthmamedizin Muskeln bekommt. Und dass Langläufer tatsächlich Atemwegsprobleme haben, ist doch nicht verwunderlich, wenn man sich überlegt, unter welchen Bedingungen sie trainieren und welchen Belastungen die Atemwege da ausgesetzt sind. Wettbewerbe bei Temperaturen unter -20 Grad sind aus gutem Grund verboten - Training dagegen nicht.

Ich stimme Ihnen aber zu, dass in Norwegen eine meiner Meinung nach recht naive Sicht auf den norwegischen Langlauf und Doping sehr verbreitet ist. Allerdings glaube ich wiederum nicht, dass dort mehr als in anderen Ländern gedopt wird.

Karl Joda
00
Allerdings glaube ich wiederum nicht, dass dort mehr als in anderen Ländern gedopt wird.

... Ha,ha,ha,... ? Nein, die "Norweger" sind halt genetisch bevorzugt für den Ausdauersport...;-)) und trainieren "besser" . Wie wird eigentlich vom nordischen Verband kotrolliert ? gibz da auch Blutprofile, ecet... ?

Joerg A.
00
23.2.2011, 21:08

"Nicht weniger als zwölf Goldmedaillen erwartet der gemeine Norweger bei der Heim-WM von seinen Langläufern." - So ein Unsinn. Auch sonst strotzt der Artikel von recht eigenartigen Aussagen.

Kein Mensch erwartet "tunlichst" Gold von Marit Bjørgen im Sprint. In der Hälfte der Sprintrennen dieser Saison ist sie nicht einmal im Finale gewesen. Die drei Rennen, die sie in dieser Saison nicht gewonnen hat, waren alle Sprints.

Auch ist Northug nicht wegen seines losen Mundwerks unbeliebt sondern wegen der respektlosen Einstellung zu seinen Gegnern.

Und vieles mehr. In "Osl" hat gewiss niemand Herrn "Lützow aus Osl" so ein Zeug erzählt oder ihn verkohlt, als Ironie ist es für einen Österreicher reichlich dünne. Das könnt Ihr besser.

ÖVP, die abzocker der nation
00
24.2.2011, 13:37

du kennst norwegen schlecht.

Joerg A.
00
24.2.2011, 15:31

Sie schon wieder. Was ist denn falsch?

Hannes Kartnig
00
23.2.2011, 20:33
björgen ist eine göttin.

mountaineer
00
23.2.2011, 21:00

eine Doping-Göttin, die noch nicht erwischt wurde.

Joerg A.
00
23.2.2011, 21:09

Das Schicksal teilt sie aber mit den meisten ihrer Kolleginnen.

Hansi Huber
00

Aber nicht mit Kowalczyk, die saß ihre Sperre wegen Dexamethason 2005 ab.

Joerg A.
00

Da haben Sie Recht. Darüberhinaus sind auch nur wenige "Langlauf-Göttinnen".

samron
10
23.2.2011, 19:08

Da soll noch einer sagen unsere Alpinen würden unter Druck stehen.

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