"True Grit": Der Einäugige und sein Störenfried

23. Februar 2011, 17:48
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Joel und Ethan Coen haben einen Western-Klassiker aus den 60er-Jahren wiederausgegraben: In "True Grit" tritt Jeff Bridges in die großen Fußstapfen von John Wayne - das US-Kinopublikum kam in Scharen

Wien - Der Mann ist unwillig und schlecht gelaunt. Mehrmals weist er Mattie Ross (Hailee Steinfeld) mit ihrem Ansinnen ab. Am Ende setzt sich die forsche, wortgewaltige 14-Jährige mit den straff geflochtenen Zöpfen aber durch. Der alte Marshal, dem sie die notwendige Hartnäckigkeit zutraut, willigt ein, den Mörder von Matties Vater zur Strecke zu bringen.

Der Mann heißt Rooster Cogburn. Was er nicht gleich begreift: dass er Mattie von nun an nicht mehr loswird. Ebenso unerschütterlich, wie sie den selten Nüchternen zuvor engagiert hat, bringt sie ihn auch noch dazu, sie mitzunehmen. Das ungleiche Paar verfolgt den Flüchtenden (Josh Brolin). Ein eitler Texas Ranger (Matt Damon) kommt den beiden dabei immer wieder in die Quere. Viele andere seltsame, unfrisierte Gestalten mit mehr oder weniger friedlichen Absichten kreuzen den Weg, der durch unwirtliche Winterlandschaften führt und den am Ende etliche frische Gräber säumen.

"Dude" folgt "Duke"

Die Rolle des Rooster Cogburn hat Jeff Bridges übernommen. Der hat erst im Vorjahr für seine Darstellung eines versoffenen und schon nüchtern recht ungenierten Countrysängers größte Anerkennung geerntet. Diese Ähnlichkeit der Charaktere lässt einen mitunter mehr Jeff Bridges als Rooster Cogburn sehen. Außerdem folgt Bridges, den die Coens einst zum "Dude" weihten, in dieser Rolle gewichtigen Vorgängern nach:

Rooster Cogburn, das war 1969 John Wayne - der legendäre "Duke" erhielt für die Verkörperung des Marshals in diesem Jahr auch seinen einzigen Oscar. Sechs Jahre später schlüpfte er ein zweites Mal in die Haut des beherzten Säufers mit Augenklappe.

Für eine Fernsehverfilmung von True Grit wurde Wayne 1978 dann immerhin von Warren Oates beerbt. Mit dem vorübergehenden Verschwinden des Westerns aus dem Kinorepertoire verschwand auch diese Figur.

Dass den Coen-Brüdern nun ausgerechnet mit ihrer Neuauflage und in diesem Genre der bisher größte kommerzielle Erfolg ihrer Laufbahn gelang (US-Einspielergebnis: 165 Mio. Dollar bei geschätzten 38 Mio. Budget), ist somit eine Ironie der Filmgeschichte. Außerdem sind sie bei der Oscar-Verleihung kommenden Sonntag mit zehn Nominierungen vertreten.

Für ihre True Grit-Version haben sich die beiden Regisseure und Drehbuchautoren noch einmal die Romanvorlage von Charles Portis vorgenommen - ein hierzulande weitgehend unbekannter US-Schriftsteller, dessen eigenwillige Sprache die Coens nicht zuletzt für die Dialoge verwendet haben.

Maulfaule Helden

Die Männer quetschen diese altertümlich wirkenden Formulierungen immer wieder heraus, als hätte man ihnen den Mund halb verklebt. Die kleine Mattie dagegen setzt Sprache ganz geradlinig und strategisch ein. Sogar ein routinierter Kleinstadtadvokat muss vor ihrem Verhandlungsgeschick und ihrer Kondition kapitulieren.

Zwischendurch wird auch ein bisschen viel geredet. Aber dann reitet wieder einer im Bärenkostüm ins Bild. Oder ein anderer zückt im falschen Augenblick die Waffe. Und der alte Westernheld wird doch noch wach. (Isabella Reicher  / DER STANDARD, Printausgabe, 24.2.2011)

Ab Freitag im Kino

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    foto: paramount / lorey sebastian
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