In Jena werden Reproduktionen einer fast vergessenen Sammlung aus dem 19. Jahrhundert gezeigt
Jena - Der Geologe und Forschungsreisende Moritz Alphons Stübel bereiste
Südamerika auf den Spuren Humboldts und wurde unter anderem dadurch bekannt, dass er zwischen 1874 und 1875 gemeinsam mit Wilhelm Reiss die ersten wissenschaftlichen Ausgrabungen in der Nekropole von Ancón (Peru) durchführte. Ein anderes Erbe Stübels war jedoch lange Zeit in Vergessenheit geraten - fast 40 Jahre lang lag sein Nachlass im Institut für Sprachen und Kulturen
des Vorderen Orients der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Erst seit
dem Beginn der wissenschaftlichen Aufarbeitung 1995 offenbart sich nach
und nach ihr wahrer Wert, gab die Universität bekannt.
Ab März zeigt die Ausstellung "Bilderfund - Frühe Orientphotographie, gesammelt von Alphons Stübel (1835-1904)" bis zu 150 Jahre alte Fotos aus der Sammlung Stübels. "Aus konservatorischen Gründen können wir keine Originale zeigen",
erklärt Kuratorin Babett Forster. "Stattdessen werden wir mit
Reproduktionen und einer Diashow den alten Orient erstrahlen lassen."
Sammlung
Der gebürtige Leipziger Alphons Stübel bereiste in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Arabien und Nordafrika. Wieder zu Hause legte er mit gekauften Fotos eine Art Expeditionstagebuch an. "Die Bilder hat er sowohl auf seinen Reisen als auch in Deutschland, vor allem in Berlin, zusammengekauft", so die Fotografie-Expertin. "Wichtig war ihm dabei, alles so zu dokumentieren, wie er es vorgefunden hatte." Zusammengekommen sind dabei vor allem Architektur- und Landschaftsaufnahmen, die uns heute einen einmaligen Blick in die Vergangenheit bieten.
So finden sich von den Anfängen der Sammlung 1857 bis in die 1890er Jahre Fotos aus Konstantinopel, Kairo, Alexandria und weiteren großen Zentren des Morgenlandes. Nach Jena gelangten die Aufnahmen über einen Neffen Stübels, der sie geerbt hatte. Die Fotos haben neben der historischen Bedeutung auch einen finanziell nicht zu unterschätzenden Wert. Zur Sammlung gehört etwa ein kompletter Satz der ersten jemals in den Heiligtümern Mekka und Medina aufgenommenen Fotos aus dem Jahr 1881. "Ein Pendant dazu wurde im Auktionshaus Sotheby's 1989 für 1,4 Millionen Britische Pfund versteigert", berichtet Forster.
Fotojuwelen
Heute dient die Stübel-Sammlung den WissenschaftlerInnen vor allem als Datenbank für historische und denkmalpflegerische Belange. "Viele Stätten kann man hier noch in nahezu unberührtem Zustand betrachten - ohne Auswirkungen des Massentourismus", erklärt die Kuratorin. Außerdem sind die Bilder von großer fotohistorischer Bedeutung, denn sie stammen aus der Zeit, als die Fotografie noch in den Kinderschuhen steckte. "Wir haben hier ein sehr komplexes Zeugnis darüber, wie ein Zeitgenosse mit dem neuen Medium umgeht", sagt Babett Forster. In der Ausstellung können die BesucherInnen deshalb auch Wissenswertes über die Anfänge der Fotografie erfahren. (red)