"Libysches Öl ist leicht zu ersetzen"

23. Februar 2011, 15:02
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OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer sieht Alternativen, nur noch eine "Handvoll Mitarbeiter" befindet sich in Libyen, den Absturz der Aktie nimmt er gelassen

Der heimische Mineralölkonzern OMV ist seit 25 Jahren in Libyen tätig und förderte zuletzt rund 34.000 Fass Öl täglich, gut ein Zehntel der gesamten Produktion. Die Raffinerie Schwechat bezieht etwa 21 Prozent ihrer Verarbeitungsmenge aus Libyen. Nun droht das Land mit einem temporären Rückgang der Öl-Produktion, die OMV hält sogar einen kompletten Produktionsausfall für möglich. Erstmals seit den blutigen Protesten in dem nordafrikanischen Land nimmt CEO Wolfgang Ruttenstorfer in einer Telefonkonferenz Stellung.

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Angesichts der Lage in Libyen könne sich der OMV-Chef auf derStandard.at-Anfrage durchaus vorstellen, Öl aus anderen Ländern zuzukaufen. "Libysches Öl ist sehr hochwertig, allerdings nicht unersetzbar. Wir können es auch ohne größere Schwierigkeiten aus Kasachstan, Kirgisistan oder Nigeria und einigen anderen Länder beziehen. Vor allem angesichts der weltweiten Überproduktion sollte es kein Problem darstellen, das libysche Öl zu ersetzen." Die weitere Entwicklung des Ölpreises selbst kann er "in diesen turbulenten Zeiten" nicht einschätzen. Die Preissteigerung von mehr als zehn Dollar je Barrel in den letzten zwei, drei Wochen sei eine logische Folge des derzeitigen Umbruchs in der arabischen Welt. Doch mit Beruhigung der Lage sollte es nach Meinung Ruttenstorfers keinen Grund mehr für einen anhaltenden Höhenflug des Ölpreises geben.

Gleichzeitig gesteht er ein, dass dieser für die ölproduzierenden Unternehmen keineswegs von Nachteil ist. Anhaltende Schwankungen des Ölpreises sieht jedoch auch er deutlich negativ und marktbelastend, womit er sein Interesse an einer stabilen Entwicklung des Ölpreises bekundet.

Über die Höhe der Drosselung der Öl-Produktion in Libyen stellt Ruttenstorfer nur Mutmaßungen an. Er stützt sich auf vage Aussagen von heimgekehrten Experten, die bekanntgewordenen Sicherheitsmaßnahmen und Angaben von Arbeitern vor Ort. "Die Produktion wurde gedrosselt, ob um die Hälfte oder um zwei Drittel kann ich nicht sagen. Wir müssen aber damit rechnen, dass ein kompletter Ausfall möglich sein könnte."

Aktienkurs bricht ein

Auch der OMV-Aktienkurs wurde in den letzten Tagen arg gebeutelt. Allein heute verloren die Papiere fast sieben Prozent. Ruttenstorfer sieht es auf Anfrage gelassen: "Ich werde den Verlauf der Aktie nicht kommentieren, denn es ist schwer einzuschätzen, wie sich die Märkte in nächster Zeit allgemein entwickeln. Wir sind aber überzeugt, dass sich die Lage in Nahost in den nächsten Wochen beruhigen wird und es mit der Aktie wieder aufwärts geht."

Sobald sich die Lage beruhige, würden auch die OMV-Mitarbeiter wieder in die Region zurückkehren. "Weniger als eine Handvoll befinden sich noch im Land", so der OMV-Chef zu derStandard.at. (Sigrid Schamall)

Wissen

Revolutionsführer bleibt Revolutionsführer. Obwohl der libysche Diktator Muammar Gaddafi weitgehend die Kontrolle über sein Land verloren hat, denkt er nicht an Rücktritt. Mehr noch: Er will kämpfen bis zu seinem letzten Tropfen Blut. Italien geht mittlerweile von mehr als 1.000 Toten durch die Unruhen aus, ausländische Firmen ziehen ihre Mitarbeiter teils panikartig ab, die Sorge vor Produktionsausfällen in Libyen treibt die Ölpreise explosionsartig in die Höhe.

Libyen hat mit 5,7 Milliarden Tonnen die größten nachgewiesenen Öl-Reserven in ganz Afrika. Es steht weltweit auf dem neunten Platz der Rangliste der Ölreserven. Täglich fördert das Land 1,8 Millionen Barrel des schwarzen Goldes.

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    OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer: "Libysches Öl ist sehr hochwertig, allerdings nicht unersetzbar."

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