"War hochmütig und überlastet"

23. Februar 2011, 18:59
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Verteidigungsminister entschuldigt sich zum zweiten Mal - SPD fordert strafrechtliche Ermittlungen

Berlin - Ein leichter Gang war es nicht, den der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) am Mittwoch anzutreten hatte. Im Bundestag musste er im Rahmen einer Fragestunde Rede und Antwort zu seiner Dissertation stehen, in der an vielen Stellen nicht wissenschaftliche korrekt zitiert worden war.

Guttenberg ist sichtlich angespannt, als er ans Rednerpult tritt. Die Abgeordneten der Opposition warten nur darauf, ihn zu "grillen". Welches Signal senden Sie mit dieser fehlerhaften Arbeit aus? Wer hat die Dissertation verfasst? Wissen Sie, was mit "Schummlern" an der Bundeswehr-Uni passiert? Die Fragen prasseln nur so auf ihn ein.

Noch ein "Mea culpa"

Deutlich demütiger als sonst setzt Guttenberg noch einmal zum "Mea culpa" an. Mit seiner "sehr fehlerhaften" Arbeit habe er "ein schlechtes Signal" ausgesandt, sagt er und erklärt: "Ich war so hochmütig zu glauben, mir gelingt die Quadratur des Kreises", also als junger Familienvater die politische und die wissenschaftliche Arbeit unter einen Hut zu bringen. Er sei überlastet gewesen.

Erneut versichert er, er habe nicht bewusst getäuscht und die Dissertation auch alleine geschrieben. Guttenberg erntet immer wieder demonstrativen Applaus von CDU/CSU, Unmutslaute kommen von SPD, Linken und Grünen. Die SPD fordert strafrechtliche Ermittlungen. (bau, DER STANDARD Printausgabe, 24.2.2011)

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    Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) blättert während einer Fragestunde in der Affäre um seine Doktorarbeit in Unterlagen.

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    Guttenberg räumt Fehler ein, droht dem Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin aber eine Anzeige wegen übler Nachrede. Dieser unterstellt dem Verteidigungsminister vorsätzliche Täuschung.

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