Versicherungen kamen gut durch die Krise

23. Februar 2011, 14:23
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Wien - Die österreichische Versicherungswirtschaft habe die Krise gut gemeistert, zentrale Herausforderung für die kommenden Jahre sei die private Vorsorge für Pensionen und Pflege, erklärte Wolfram Littich, Präsident des Versicherungsverbandes und Allianz-Österreich-Chef, am Mittwoch in einer Pressekonferenz zu den vorläufigen Branchenzahlen. Demnach wuchsen die Prämieneinnahmen der Branche 2010 um 2 Prozent auf 16,75 Mrd. Euro. Die gesamten Leistungen gingen wegen geringerer Schäden aus Naturkatastrophen um 1,7 Prozent auf knapp 12 Mrd. Euro zurück.

Die Schäden aus Naturkatastrophen bezifferte Verbandsgeneralsekretär Louis Norman-Audenhove für 2010 auf rund 260 bis 300 Mio. Euro. Im Jahr 2009 seien es rund 600 Mio. Euro gewesen, davon entfielen allein auf die Sturmnacht 23./24. Juli 360 Mio. Euro. Die Leistungen in der Schaden- und Unfallversicherung waren daher im Vorjahr mit etwas mehr als 5 Mrd. Euro um 6,2 Prozent niedriger als 2009, lagen aber auf dem Niveau von 2008. Der Trend bei den Schäden aus Naturkatastrophen gehe nach oben.

In der Lebensversicherung habe es auch in der Krise stabile Zuflüsse gegeben, die Versicherungen hätten das Vertrauen der Österreicher, so Littich. Kündigungen von Versicherungen seien bereits im zweiten Halbjahr 2009 kein Thema geworden, so Norman-Audenhove. Die Versicherungen stabilisierten auch die Volkswirtschaft und wiesen eine geringere Volatilität auf, etwa auch im Vergleich zu den Banken, betonte Littich. So bringe die Lebensversicherung stabile Auszahlungen und damit Rückflüsse in den Konsum. 2010 stiegen die Lebensversicherungsprämien in Österreich um 1,9 Prozent auf 7,6 Mrd. Euro, für heuer wird ein Plus von rund 1 Prozent erwartet. Die Leistungen erhöhten sich um 1,2 Prozent auf 5,8 Mrd. Euro.

Die Lebensversicherung wird mittel- bis längerfristig angesichts der demografischen Entwicklung und dem Nachholbedarf bei der privaten Altersvorsorge deutlich wachsen, erwartet Littich. Der öffentliche Pensionsaufwand liege in Österreich bei 95 Prozent, in Deutschland seien es nur 85 Prozent. Bis 2020 werde sich das Kapital aus privater und betrieblicher Altersvorsorge von derzeit 82 auf 171 Mrd. Euro mehr als verdoppeln. Die betriebliche Altersvorsorge - Pensionskassen und betriebliche Kollektivversicherung - werde sich bis dahin verdreifachen.

Versingelung

Im Jahr 2030 werde jeder dritte Österreicher älter als 60 Jahre sein, die Lebenserwartung steige. Dazu komme noch der Trend zur Versingelung: "Die zukünftigen Singles sind Rentner", sagte Littich. Im Jahr 2050 würden mehr als 850.000 über 65-Jährige allein im Haushalt leben, 2010 waren es mehr als 450.000. Bis 2030 werde die Zahl der betreuungsbedürftigen Personen um 47 Prozent auf 960.000 Menschen steigen. Das bringe auch Herausforderungen für die Pflegeversicherung mit sich. Versicherungen könnten als einzige biometrische Risiken decken, diese könnten nicht mit einem Sparbuch oder Fonds gecovert werden. Bei der Pflegeversicherung sei eine Bewusstseinsänderung nötig und ein möglichst früher Start wichtig. Es handle sich um kein "sympathisches Thema".

Derzeit fristet die private Pflegeversicherung noch ein Schattendasein: Nach Branchenschätzungen sind einige tausend Verträge abgeschlossen. Bei der staatlich geförderten Altersvorsorge gab es allein bei den Versicherungen 1,4 Millionen Verträge (+7,3 Prozent) mit einem Prämienvolumen von 969 Mio. Euro (+8,6 Prozent), geht aus den vorläufigen Verbandsdaten hervor. Bei der Zukunftsvorsorge dominieren die Versicherungen mit mehr als 90 Prozent, der Rest entfällt auf die Kapitalanlagegesellschaften.

Profitieren könnte die Versicherungsbranche von der Wertpapier-KESt. Genauere Prognosen über positive Auswirkungen auf die Fondsgebundene Lebensversicherung seien zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht möglich, es sei aber damit zu rechnen, hieß es heute. Für die Versicherungsbranche positiv wäre ein langsamer Anstieg der Zinsen. Littich verwies heute aber auf die Langfristigkeit der Branche: Bei der Allianz liege die durchschnittliche Laufzeit in der Lebensversicherung bei 28 Jahren, bei den Aktiva seien es im Schnitt 15 Jahre. Zu den geplanten neuen Eigenkapitalregeln für Versicherungen (Solvency II) erklärte Littich, dass man diese unterstütze. Man brauche aber nicht mehr Kapital. Es sei keine europäische Versicherung in Schieflage geraten und die österreichische Versicherungswirtschaft erst recht nicht.

Die Kapitalanlagen der österreichischen Versicherungen lagen per Ende 2010 bei 97,3 Mrd. Euro, ein Plus von rund 6 Prozent. Davon entfielen 73 Mrd. Euro auf die Lebensversicherung (Deckungsstock). Die Kern-Aktienquote lag bei 4,1 Prozent.

Norman-Audenhove verwies bei der heutigen Pressekonferenz auch auf das Engagement österreichischer Versicherungen im Osten: In der Region seien 2009 weitere 7,3 Mrd. Euro an Prämienvolumen erzielt worden. (APA)

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