Gleichheit der Geschlechter nur am Papier

23. Februar 2011, 14:52
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Stiftung für Weltbevölkerung lud Expertinnen: Lage für Frauen in beiden Ländern noch immer alarmierend - Von Milleniumszielen weit entfernt

Letzte Woche lud die Österreichische Stiftung für Weltbevölkerung und internationale Zusammenarbeit (SWI) zwei Expertinnen für reproduktive Gesundheit und Entwicklung zum Gespräch über den Fortschritt bei den Millennium Entwicklungsziele (MDGs). Yolande Dreihann-Holenia, Honorarkonsulin Haitis in Österreich und Mehru Jaffer, Autorin und Journalistin aus Indien, gaben Einblick in die Situation ihrer Heimatländer und präsentierten Ansätze, die Länder wie Österreich verfolgen könnten, um die Erreichung der MDGs zu unterstützen.

Zahl der ungewollten Schwangerschaften verdreifacht

Dreihann-Yolenia zeichnete ein Bild der Notsituation in Haiti, in dem mehr als ein Jahr nach dem Erdbeben die Situation noch immer verheerend ist. Mehr als eine Million Menschen wurde durch das Erdbeben obdachlos, die meisten leben noch immer in Zeltstädten. Die Zahl der ungewollten Schwangerschaften hat sich in den letzten 13 Monaten verdreifacht, Information und Bewusstseinsbildung zu sexueller Gesundheit ist kaum zugänglich, Verhütungsmittel kann sich die verarmte Bevölkerung nicht leisten. Zudem beherrschen Gangs die Zeltstädte nach Einbruch der Dunkelheit, sie vergewaltigen und schlagen Frauen (dieStandard.at berichtete).

Hilfe nachhaltiger organisieren

Die derzeitige Situation lässt die Erreichung der Millennium Entwicklungsziele, besonders jene, die Gleichheit der Geschlechter, den Kampf gegen HIV/Aids, die Reduzierung von Kindersterblichkeit und die Verbesserung der Müttergesundheit betreffen, in weite Ferne rücken. Unmittelbar nach dem Erdbeben haben die ÖsterreicherInnen 32 Millionen Euro für Haiti gespendet.

Dreihann-Holenia schlug im Gespräch vor, die österreichische Unterstützung spezifisch, nachhaltig, koordiniert und organisiert zu realisieren, um prioritär Frauen und Kinder zu schützen, da sie mehr als die Hälfte der Betroffenen ausmachen. Ein 20-teiliges Radioprogramm soll die Bevölkerung zusätzlich darüber aufklären, wie Frauen geschützt werden können und Gewalt reduziert werden kann. Außerdem sollte Österreich Als führendes Land in Sachen erneuerbare Energien Projekte unterstützen, um solarbetriebene Lampen in den Zeltstädten zu installieren sowie auf die (Aus)Bildung von lokalen PsychologInnen und TraumaexpertInnen fokussieren.

Indische Frauen von systematischer Gewalt betroffen

Mehru Jaffer ging in ihrem Statement auf die Lage in Indien ein, das im letzten Jahrzehnt zwar zur Supermacht avanciert ist, aber dennoch viele soziale Praktiken nach wie vor auf dem Stand sogenannter Entwicklungsländer seien. Der Kampf gegen Analphabetismus, Gewalt gegen Frauen und unzureichende Gesundheitsversorgung sei noch lange nicht gewonnen, Frauen sind in hohem Maße von Kinder- und Müttersterblichkeit betroffen und die Tötung von (weiblichen) Föten ist in vielen Gebieten nach wie vor Gang und Gäbe. In der Region Punjab kommen auf 1000 Buben nur 793 Mädchen. Sie forderte zudem die Beendigung von Gewalt gegen Frauen, zu der auch Sterilisation zähle - die am weitesten verbreitete Verhütungsmethode in Indien. Zusätzlich haben Frauen weniger Chance auf gute Bildung als Männer, da nicht angenommen wird, dass sie eine aktive Rolle in der Gesellschaft spielen können.

Lichtblicke

Aber es gibt Hoffnung, so Jaffer: Ein kürzlich in Kraft getretenes Gesetz deklariert Müttersterblichkeit als Menschenrechtsverletzung und ein Sonderprogramm soll Dorfbewohnerinnen mit gratis Verhütungsmittel versorgen. Indien hat aber auch bereits zugegeben, dass das Land es nicht schaffen wird, die Bevölkerung bis 2045 zu stabilisieren.

Um die MDGs erreichen zu können, müsse laut Jaffer die Verbesserung des Gesundheitssystems gewährleistet werden, um die Tötung von Föten zu beenden und um die Verwendung von Verhütungsmitteln zu forcieren. Auch die Bildung müsse auf allen Levels verbessert werden, um Frauen dieselben ökonomischen und sozialen Möglichkeiten wie Männern zu eröffnen. (red)

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