VKI kritisiert "geschönte" Bausparangebote

23. Februar 2011, 15:17
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Berechnungsmodelle auf Homepages seien unrealistisch, VKI wünscht sich "mehr Kostenwahrheit"

Wien - Trotz des niedrigen Zinsniveaus sind die Österreicher nach wie vor fleißige Bausparer. Allein im Jahr 2010 wurden eine Million Verträge abgeschlossen. Die vier österreichischen Bausparkassen arbeiten aber mit "geschönten" Angeboten, kritisiert der Verein für Konsumenteninformation (VKI). So werde nicht immer deutlich kommuniziert, dass die hohen Einstiegszinsen, mit denen die Kunden gelockt werden, nur für das erste Jahr gelten. Die Berechnungsmodelle auf den Homepages und in Verkaufsprospekten seien oftmals unrealistisch.

Auf den Websites aller Anbieter (ABV, Raiffeisen, s Bausparkasse und Wüstenrot) fänden sich sogenannte Ansparrechner, mit deren Hilfe die Kunden den erwartbaren Betrag ersehen können. Raiffeisen und s Bausparkasse rechneten hier allerdings für die vollen sechs Jahre mit dem Einstiegszinssatz von 2,75 bzw. 3 Prozent. Und das, obwohl der Zinssatz nach dem ersten Jahr sinken würde, so der VKI am Mittwoch in einer Aussendung. "Das verrechnete Endguthaben ist damit um fast 400 Euro höher als die vom VKI errechnete, derzeit realistische Minimalvariante."

"Vergessen"

ABV und Wüstenrot hätten "vergessen", die Kapitalertragsteuer (KESt) zu berücksichtigen. Bei ABV und s Bausparkasse wiederum würden die Kontoführungsgebühren nicht miteingerechnet. Auch in den auf Anfrage zugesandten Verkaufsprospekten hätten sich "geschönte" Angebote gefunden, so die Verbraucherschützer. Bei Wüstenrot sei die anonyme Anfrage überhaupt unbeantwortet geblieben. "Alles in allem wäre hier ein Mehr an Kostenwahrheit seitens der Bausparkassen durchaus wünschenswert", konstatierte VKI-Experte Walter Hager.

Teils liege die Rendite sogar unter der Inflationsrate. Auch wer vorzeitig aussteigt, zahle drauf, da die Kündigungskosten vielfach den Zinsertrag überstiegen. Ein Abschluss via Internet könne die Rendite dagegen ein wenig erhöhen, so die Konsumentenschützer.

Die Raiffeisen Bausparkasse wehrt sich gegen die Kritik gegen den VKI an angeblich "geschönten" Angeboten. Der VKI habe sich bei seinen Berechnungen am absoluten Worst-Case-Szenario orientiert, das nicht der Realität entspreche, hieß es in einer Stellungnahme. So habe der VKI im ersten Jahr mit dem aktuellen Einstiegszinssatz von 2,75 Prozent beim Spartarif gerechnet, für die restlichen fünf Jahre jedoch mit dem Mindestzinssatz von 0,5 Prozent - ein Satz, der bisher noch nie zur Anwendung gekommen sei. Bereits vorige Woche hatten mehrere Bausparkassen-Chefs die Kritik des VKI zurückgewiesen.(APA)

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