Job + Weiterbildung

"Schwierig, wenn der Chef nicht mitspielt"

Oliver Mark, 24. Februar 2011, 17:20
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    Jürgen Schiefer, Autor des Buches "Erfolgreich berufsbegleitend studieren".

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    Jährlich absolvieren 300.000 Österreicher in irgendeiner Form eine berufsbegleitende Weiterbildung.
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300.000 Österreicher bilden sich jährlich neben dem Beruf weiter - Einer davon hat seine Erlebnisse in ein Buch gepackt - Interview

"Erfolgreich berufsbegleitend studieren" heißt das Buch von Jürgen Schiefer: "Ein Absolvent packt aus". Im Interview mit derStandard.at erklärt der FH-Abgänger, was er damit bezwecken will.

***

derStandard.at: Wie viele betreiben in Österreich berufsbegleitende Weiterbildung?

Schiefer: Es sind über 300.000 Menschen, die sich jährlich in irgendeiner Form berufsbegleitend weiterbilden. Ob in Kursen, Seminaren oder auf der Uni.

derStandard.at: Ihr Buch ist ein sehr persönlich gehaltener Ratgeber, quasi ein Erfahrungsbericht. Welche Intention verfolgen Sie damit?

Schiefer: Es war als Ratgeber gedacht, weil das Thema sehr viele Leute betrifft. Vielen fehlt die Erfahrung, was auf einen zukommt und wie man sich organisieren kann, um das zeitlich in den Griff zu bekommen. Bei meinem Studium an der FH in Wiener Neustadt habe ich gemerkt, dass sehr viele in den ersten zwei, drei Monaten ausgestiegen sind. Und zwar aufgrund der gleichen Ursachen.

derStandard.at: Wie sehen Ihrer Meinung nach die Einstiegshürden aus?

Schiefer: Der erste Punkt ist die mangelnde Vorbereitung. Statt naiv einfach ins kalte Wasser zu springen, ist es wichtig, im Beruf Vorkehrmaßnahmen zu treffen. Zum Beispiel vorausschauendes Arbeiten, indem man nicht zu Beginn der Weiterbildung einen Rückstau an Arbeit im Büro hat. So lassen sich die neuen Erfahrungen von beruflicher Seite her gelassener angehen.

derStandard.at: Was sollte man in Bezug auf die Abstimmung mit dem Arbeitgeber beachten?

Schiefer: Ich plädiere sehr für offene Karten. Man sollte vorab mit dem Vorgesetzten das Gespräch suchen und fragen, wie er/sie generell zum Thema berufsbegleitende Weiterbildung der Mitarbeiter steht. Da kann man schnell erkennen, ob es einen positiven oder negativen Zugang gibt. Sollte die Einstellung contra sein, muss man halt schauen, dass der Dienstgeber davon so wenig wie möglich tangiert wird. Natürlich ist es schwierig, wenn der Dienstgeber nicht mitspielt.

derStandard.at: Eine Frage des Urlaubs und des Zeitausgleichs?

Schiefer: Durch ein berufsbegleitendes Studium ist man schon sehr mit Arbeit eingedeckt. Als Dienstgeber erwartet man natürlich, dass die Leistung des Mitarbeiters nicht darunter leidet. Im Jänner und Juni sind dann halt extreme Prüfungsphasen, wo Zeitausgleich oder Urlaub konsumiert werden müssen. Das kann schon mit den Interessen des Dienstgebers kollidieren, da ist ein gewisses Verständnis schon sehr wertvoll.

derStandard.at: Inwiefern sind Sie unterstützt worden?

Schiefer: Die Firma hat ein Befürwortungsschreiben aufgesetzt, damit ich überhaupt auf der FH genommen werde. Das war damals Voraussetzung. Aber prinzipiell muss man gleich gut sein, wenn nicht sogar besser, damit man nicht in Verruf kommt, dass aufgrund der Weiterbildung die Arbeitsleistung abnimmt.

derStandard.at: Sie zitieren in Ihrem Buch eine Studie, wonach 45 Prozent der Arbeitgeber den Abschluss einer berufsbegleitenden Ausbildung mit einer Gehaltserhöhung honorieren, 40 Prozent der Unternehmen bieten den Absolventen einen besseren Posten an. Wie viele beteiligen sich an den Kosten?

Schiefer: Rund 50 Prozent der Betriebe beteiligen sich auch an den Kosten, weil das eine unglaubliche Bereicherung an Wissen bedeutet.

derStandard.at: Welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit sich Unternehmen an den Kosten der Weiterbildung beteiligen?

Schiefer: Sie beteiligen sich gerne, wenn für sie Ersparnisse oder Zufluss von Know-How herausschauen. Gerade in der Industrie steht man dem ganzen sehr positiv gegenüber, die leben von Innovationen. Und Ideen dafür kann man sich gut auf der Uni holen. Solche Mitarbeiter sind unglaublich wertvoll.

derStandard.at: Welche Garantien können Unternehmen einfordern, dass Mitarbeiter nicht nach der von ihnen finanziell unterstützen Ausbildung einen Abgang machen?

Schiefer: Wenn Unternehmen ihren Mitarbeitern finanziell unter die Arme greifen, dann gibt es meistens Verpflichtungserklärungen. Oft für eine Dauer von drei Jahren. Kündigt man davor, muss man aliquot einen Teil des Geldes zurückzahlen. Das ist ein faires Modell für alle Beteiligten.

derStandard.at: Man hat nur bestimmte Ressourcen zur Verfügung. Wie teilt man sich die ein, um alles unter einen Hut zu bekommen?

Schiefer: Wichtig ist, dass man sich trotz dieser beiden Dinge, die sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, zumindest einen Tag in der Woche frei nimmt, um sich mit Sachen zu beschäftigen, die man gerne macht und man Energie rausholen kann. So eine Ausbildung dauert oft bis zu vier Jahre und das hält man nicht aus, wenn man sich nicht auch noch mit anderen Dingen auseinandersetzt. Ein wichtiger Energiefaktor ist zum Beispiel der Schlaf. Elementare Punkte sind für mich auch Sport und Ernährung.

derStandard.at: Gibt es ein Idealmodell in Bezug auf die Lernphasen?

Schiefer: Das ist individuell verschieden. Wichtig ist nur, sich die Leistungskurve anzuschauen. Grundsätzlich beginnt sie ab 7 oder 8 Uhr in der Früh zu steigen, findet gegen Mittag den Höhepunkt und beginnt dann zu sinken und hat gegen 15.00 oder 16.00 Uhr ihren Tiefpunkt. Am Abend beginnt sie noch einmal zu steigen, erreicht allerdings nicht mehr die Höhe, die sie am Vormittag gehabt hat. Das steigt von 17.00 Uhr bis ca. 21.00 Uhr und geht dann wieder bergab. Wenn man es sich einteilen kann, wäre es ideal, in diesen hohen Phasen der Leistungskurve zu lernen.

derStandard.at: Wie sehen die Förderungsmöglichkeiten aus?

Schiefer: Da gibt es sehr viele Möglichkeiten. Angefangen von der Bildungskarenz bis zur Förderung durch Stipendien. Bei einem FH-Studium fallen zum Beispiel bis auf die Studiengebühren keine weiteren Kosten an.

derStandard.at: Ihre Empfehlung in punkto Diplomarbeit?

Schiefer: Idealerweise verbindet man das Schreiben mit einem konkreten Nutzen. Dabei muss man nicht unbedingt den finanziellen Aspekt in den Vordergrund stellen, sondern die Kooperation mit dem eigenen oder einem anderen Unternehmen suchen, um etwas zu erforschen. Aufgrund dessen ergeben sich oft hilfreiche Kontakte oder tolle Jobmöglichkeiten. Im Idealfall erhält man dann für die Arbeit auch noch eine Bezahlung. (om, derStandard.at, 24.2.2011)

Zur Person:

Jürgen Schiefer, geboren 1976 in Fürstenfeld, arbeitet als Unternehmensberater und Coach. Zuvor war er u.a. Personalleiter der Magna Presstec AG.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 32
1 2
living reef
00
"warnung! weiterbildung könnte ihren job gefährden!"

das sollte auf jedem katalog von weiterbildungsinstituten stehen. nicht selten bekommen vorgesetzte auf einmal sesselangst. auf einmal ist man nicht mehr voll leistungsfähig, weil man ja auch lernen muss. auf einmal ist man offenbar im job nicht mehr ausreichend motiviert (daher weiterbildung!?). auf einmal denkt sich die firma, dass diese person demnächst ungehörige gehaltsforderungen stellen könnte bzw. das unternehmen verläßt um einne besser bezahlten job zu bekommen. auf einmal sind diese mitarbeiter nicht mehr "rund um die uhr verfügbar". auf einmal sind diese mitarbeiter - obwohl kurz vorher in einer beurteilung mit bestnote - nicht mehr ausreichend gut. alles selber erlebt...

Bildungshunger
00
31.3.2011, 14:32
Auch wenn der Chef nicht mitspielt,

Fiji 75
00
28.2.2011, 10:40
schade, dass es viele Führungskräfte noch nicht kapieren, wie wichtig die Weiterbildung ist ...

Warum nicht Lernen und Problemlösen miteinander verbinden? Dann besteht auch nicht mehr die Frage, wer für eine solche Qualifizierung finanziell aufkommen soll ...

http://www.facebook.com/GfP.at/po... 0236312352

notanaddict
01
27.2.2011, 18:18

Ich hab mir das nie vorstellen können, dass Chefs gegen Weiterbildung ihrer Mitarbeiter sind, noch dazu wenn sie nicht mal was finanzieren müssen. Aber dass dann noch ein klares NEIN DAS GEHT NICHT kommt, wenn ich jeden Freitag pünktlich gehen müsste und einen zweiten Schwerpunkt hätte, das hat mich umgehauen. War so bei mir.

Herr Plumm
05
25.2.2011, 16:15

ich geh schon lange lieber saufen.

Reich sein muss sich lohnen!
01
26.2.2011, 19:48

Jeder macht was er kann...

geheimer blogger
 
01
25.2.2011, 14:55
also - Sie erinnern sich?

Ich überhol euch alle und mach jetzt den bachelor bei humboldt

Shannara
01
25.2.2011, 15:06
euch hol ich alle ein ...

... mit dem Werkmeister!

living reef
00
undich werde - so wie tausende andere - erfolgreiche webdesignerin...

der putzfraujob hängt mir eh schon zum hals raus...

sljudanka
00
25.2.2011, 13:55
Ist eine hochgestochene Ausbildung immer besser?

Ein Bekannter hat seinen Werkmeisterposten inkl. Schichtleiterfunktion weggeschmissen, weil er meinte, studieren zu müssen.
Bis der fertig ist dürfte er schon einen 4er vorne stehen haben.

Zahlt sich das aus?

Auch wenn eine Hochschulbildung hoch ist, so ist es doch nru eine formale Ausbildung die breit gefächert ist?

Wär es nicht besser gewesen, in seiner Firma sich zu spezialisieren?
Dort hatte er ja Expertenkenntnisse in seinem Gebiet, die so schnell nicht ein anderer von der Strasse erwerben kann...

living reef
00
mit 40 hat er eh nur mehr "läppische" 25-28 berufsjahre vor sich

wqrum also gegen ende des ersten drittels des arbeitslebens noch ein studium - gelle?

Optimistin1951
12
26.2.2011, 09:44
Gründe für ein Studium

Muss sich ein Studium immer in Geld auszahlen? Es gibt Menschen, für die Wissenserweb per se ein Gewinn ist und die nicht alles unter dem Aspekt des Verdienstes betrachten. Ein akademischer Abschluss korreliert nicht automisch mit einem hohen Einkommen.

Menschen, für die Lernen immer negativ besetzt war-entweder weil sie mit den schulischen Anforderungen überfordert waren oder weil ihnen weder Schule noch Elternhaus die Freude daran vermittelt haben, können oft nicht verstehen, dass das Erwerben von neuem Wissen- auch wenn es mitunter mit Anstrengung verbunden ist- ungeheuer viel Spass machen kann.

Haben Sie Ihren Bekannten nach seinen Motiven für das Studium gefragt?

Phryx Sodalis
00
27.2.2011, 15:21

Gut, wenn man in Pension ist, bietet sich auch ein Studium just for fun an. Bis dahin muss man aber von irgendwas leben. Weiterbilden kann man sich auch selbst, gerade wenn es aus privaten Motiven heraus erfolgt.

RS69
 
02
25.2.2011, 14:11

Wenn er dann 45 ist, und zu teuer - freut er sich, weil er durch das Studium mehr Optionen hat.

Und - ich nehme an - er wollte isch einfach intellektuell betätigen. Die Möglichkeit ist auch viel Wert.

Feles
01
25.2.2011, 14:05
andererseits

könnt es gut sein, dass dieses Expertenwissen nur in der aktuellen Firma was wert ist - wodurch eine gewisse Abhängigkeit entsteht bzw. das Wissen wertlos wird, falls man mal kündigt oder gekündigt wird.

heinzi23
121
24.2.2011, 18:50
FH-Abgänger

...und schon selbst disqualifiziert. Auf der TU werden FHs ja immer schlecht gemacht, ich wollte das eigentlich nie glauben, bis ich im Job selbst mit (Auszeichnung bestandenen!) FH-Abgängern azu tun hatte. Auweh. Wie das HTUInfo-Magazin es mit einer Todesanzeige so schön ausdrückt: Bildung in Österreich ist tot. Wir trauern. Die die noch wissen was Bildung eigentlich ist.

Ein berufsbegeitendes (anspruchsvolles) Studium ist, meiner Erfahrung nach und denen meiner Arbeits- und Unikollegen, nicht möglich. Entweder die Eltern zahlen oder man studiert bis 35. Klar bei Soziologie mag das gehn, oder auf einer FH, sonst nicht.

Bildung ist sowieso overrated, braucht eh kein Mensch.

Grammelschmalzbrot
00
28.2.2011, 09:10
Bildung ist sowieso overrated, braucht eh kein Mensch.

und von und zu Guttenberg macht es vor!

;-)

living reef
00
mittlerweile ist er ein "auf und davon" ;-)

Sids Logopäde
01
26.2.2011, 19:18

wissen Sie wie viele Uni-Absolventen ich kenne, bei denen ich mich ernsthaft frage wie die ihr Studium geschafft haben? z.T. bin ich über fehlende Intelligenz dieser Personen direkt fassungslos.(hab selbst einen Uniabschluß, ist also kein Neid falls Sie vielleicht meinen) Z.T. absolut unfähig in ihrem Job
Es gibt sowohl bei FH-wie auch bei Uni-Absolventen fähige und unfähige Personen. Dies von einer Uni-oder FH-Ausbildung abhängig zu machen halte ich für falsch.

politflüchtling
11
25.2.2011, 14:07

mimimimimimimimimi

Loxoceles
02
25.2.2011, 21:20

Sie haben anscheinend Sprachwissenschaften studiert, Schwerpunkt Afrikanistik?

notanaddict
00
27.2.2011, 18:14

Ich fand die Antwort ganz passend.

Verbatim
03
25.2.2011, 10:58

...der FH Abgänger mit Auszeichnung war jetzt aber nicht ihr Chef oder? klingt nämlich so... ;-)

Auch lustig
10
25.2.2011, 05:12
Frage der Prioritäten

Ein "normaler" Student kommt rasch zu dem Schluss: neben dem Studium ein Beruf? Unmöglich.

Ein berufstätiger Mensch, der dann auch noch studiert? Da sieht die Welt anders aus.

Sicherlich studienabhängig aber auf der WU war ein Studium neben dem Beruf in Mindeststudienzeit machbar. Herausfordernd und ohne Zeit für Parties und Co mit jedem Wochenende verplant und sehr früh Aufstehen, um sich vorzubereiten aber es war wirklich machbar und machte viel Spaß. Mein Abschluß war aber prä-Bologna vor 12 Jahren.

RS69
 
00
26.2.2011, 11:32

Ob's geht oder nicht hängt stark vom Studium ab.

Wenn's ein technisches Studium mit immer wieder mal 1-2 Monaten durchgehendem ganztägigem Pflichtpraktikum haben, wird's schwierig, das mit einem normalen Job zu vereinbaren.

Ein Lernstudium, wo's zu ein paar Vorlesungen und Seminaren gehen, lässt sich leicher vereinbaren.

Ein berufsbegleitendes FH-Studium mit allen Veranstaltungen ABends und am Wochenende ist noch einfacher machbar. Das ist auch dafür ausgelegt.

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