Über 450.000 Ausländer arbeiten in Österreich

23. Februar 2011, 13:53
18 Postings

Knapp 90.000 Beschäftigte aus neuen EU-Mitgliedstaaten - Gewerkschaft erwartet keinen "Arbeitsmarkt-Tsunami"

Wien - Am 1. Mai 2011 gehen auch für die Bürger jener acht EU-Länder, die erst 2004 der Union beigetreten sind, die Schranken für den österreichischen Arbeitsmarkt auf. Dann können Polen, Ungarn, Tschechen, Slowaken, Slowenen, Esten, Letten und Litauer unbeschränkt in Österreich arbeiten. Im vergangenem Jahr haben 89.472 Arbeitskräfte aus den neuen EU-Staaten inklusive Bulgaren und Rumänen über Sonderbestimmungen wie Facharbeiterbewilligungen und Saisonnier-Regelungen in Österreich gearbeitet, ein Plus von rund 10 Prozent im Jahresvergleich.

Über Sonderregelungen

Aus Rumänien und Bulgarien, die erst Anfang 2007 der EU beigetreten sind, kommen bereits 17.238 bzw. 3.219 Beschäftigte über Sonderregelungen nach Österreich. Die Übergangsbestimmung für die beiden Länder laufen per Ende 2013 aus.

Sozialministerium und Arbeitsmarktservice (AMS) schätzen, dass mit dem Ende der Übergangsfristen zwischen 20.000 bis 25.000 zusätzliche Arbeitskräfte auf den heimischen Arbeitsmarkt drängen werden.

Insgesamt gab es in Österreich 2010 im Jahresschnitt 451.278 ausländische Beschäftigte, davon kamen 409.020 Personen aus Europa und davon wieder 101.246 Personen aus den alten EU-Staaten, die bis 1995 der Union beigetreten sind. 2009 waren im Schnitt 431.756 Ausländer beschäftigt.

Fast ein Viertel aus Osteuropa

Fast ein Viertel der aus Europa stammenden Arbeitskräfte kommt aus den neuen osteuropäischen EU-Mitgliedstaaten. Am stärksten vertreten sind die Ungarn mit 25.999 ausländischen Beschäftigten und die Polen mit 17.321 unselbstständig Beschäftigten. Es folgen 17.238 Rumänen, die wie die 3.219 Bulgaren die kommenden beiden Jahre nur über Sonderregelungen in Österreich arbeiten dürfen. Weiters stark vertreten sind mit 10.295 Personen die Slowaken und mit 6.087 die Slowenen. Aus den Baltenstaaten Estland, Lettland und Litauen kamen 2010 lediglich 71, 180 bzw. 228 Arbeitskräfte.

Die meisten ausländischen Beschäftigten in Österreich kommen nach wie vor aus den Ländern des ehemaligen Jugoslawien. Und zwar insgesamt fast 155.000 Personen. Dahinter folgen die Deutschen (80.000 Arbeitnehmer) und die Türken (54.000 Arbeitnehmer). 

Gewerkschaft erwartet keinen "Arbeitsmarkt-Tsunami"

Die Gewerkschaft sieht dem 1. Mai, dem Stichtag für die Arbeitsmarktöffnung jedenfalls gelassen entgegen. "Es wird sicherlich nicht zu einem Arbeitsmarkt-Tsunami kommen", ist der Vorsitzende der Gewerkschaft vida, Rudolf Kaske, überzeugt. "Von der Zahl her wird es überschaubar bleiben", sagte er am Mittwoch in einer Pressekonferenz.

2011 dürften infolge der Öffnung 15.000 bis 25.000 Personen zusätzlich nach Österreich arbeiten kommen, so die Schätzungen der Wirtschaftsforscher . "Derzeit haben wir im Durchschnitt über alle Branchen 3,4 Millionen Arbeitnehmer", relativierte Kaske. Einer Imas-Umfrage zufolge befürchten allerdings 71 Prozent der Österreicher negative Auswirkungen.

Im Hilfskräftebereich werde sich der Wettbewerb möglicherweise verschärfen. "Es wird also eher zu einem Austausch von Ausländern gegen Ausländer kommen", so der Gewerkschaftschef. Der österreichische Küchenchef werde nicht Konkurrenz vom ungarischen Küchenchef bekommen. Die Ostregion wird laut Kaske wahrscheinlich stärker betroffen sein als zum Beispiel der Süden Österreichs, räumte Kaske ein.

Jetzt gelte es halt, zu informieren und die Öffnung gut vorzubereiten, sagte Kaske und verwies auf das Gesetz gegen Lohn- und Sozialdumping, das Sozialminister Rudolf Hundstorfer (S), gestern, Dienstag, im Ministerrat einbrachte. "Wir sind das einzige Land in Europa, das so ein Gesetz in Vorbereitung hat und in dem Arbeitgeber, die zu wenig zahlen, wie im Fußball mit der Roten Karte zu rechnen haben."

Saisonniers

Weiters hätten sich die Sozialpartner für die Tourismusbranche auf ein Stammsaisonnierkontingent geeinigt, das am Dienstag ebenfalls im Ministerrat eingebracht wurde und ab 1. Mai in Kraft treten sollte. "Dadurch können auch Arbeitskräfte aus Drittstaaten, die schon seit Jahren kommen, dem Tourismus weiterhin zur Verfügung stehen", so der vida-Chef. Der Fokus liege dabei auf Menschen aus Ex-Jugoslawien, die schon seit Jahren nach Österreich kommen. Aber zum Teil sind auch Arbeitskräfte aus der Türkei von dieser Regelung erfasst. Im Wintertourismus arbeiten knapp 2.000 Stammsaisonniers, im Sommertourismus sind es knapp 1.200.

Wie berichtet haben innerhalb der EU lediglich Deutschland und Österreich die Übergangsfrist für Arbeitskräfte aus den acht EU-Ländern bis Ende April dieses Jahres ausgedehnt; für Bürger aus Rumänien und Bulgarien haben sie die Frist um zwei Jahre bis 2013 verlängert. Diese Übergangsfristen zur Einschränkung der Freizügigkeit von Arbeitnehmern aus Mittel- und Osteuropa waren Teil der EU-Beitrittsverträge. Danach durften die 15 "alten" EU-Mitglieder ab dem Beitritt der zehn "neuen" Länder im Jahr 2004 ihre Arbeitsmärkte für Mitarbeiter aus dem Osten in drei Etappen von insgesamt sieben Jahren einschränken. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.