OMV: Kompletter Produktionsausfall in Libyen möglich

23. Februar 2011, 12:27
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Wien - Die OMV erwartet aufgrund der aktuellen politischen Unruhen einen temporären Rückgang der libyschen Produktion. Auch ein kompletter Ausfall könne "nicht ausgeschlossen werden", teilte der Mineralölkonzen in einer Ad-Hoc-Aussendung am Dienstagabend mit. Derzeit würden die konkreten Auswirkungen evaluiert. Der Personalstand der OMV in Libyen wurde bereits auf das Notwendigste reduziert. 

Libyen hat 2010 mit rund 33.000 boe/d etwa 10 Prozent zur Gesamtproduktion des OMV-Konzerns beigetragen. Für Österreich war Libyen zuletzt nach Kasachstan der zweitwichtigste Öllieferant, mit immerhin einem Fünftel der gesamten Rohölimporte.

Die Ölpreise haben sich am Mittwoch auf einem hohen Niveau gehalten. Grund ist die Sorge um die Versorgungslage insbesondere in Europa nach den Unruhen in Nordafrika. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur April-Lieferung kostete im frühen Handel 106,47 US-Dollar (77,90 Euro). Das waren 69 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) legte um 16 Cent auf 95,58 Dollar (69,93 Euro) zu.

Mit den Unruhen in Libyen stellen immer mehr internationale Öl- und Gaskonzerne ihre Förderung in diesem Land ein. Am Markt herrscht zudem die Sorge, dass die Konflikte auf weitere Förderländer übergreifen könnten. Deutschland verfügt laut Wirtschaftsminister Rainer Brüderle über Ölreserven für 90 Tage. Ein Problem sei eher, dass es "Preisauftriebstendenzen" gebe.

"Tod von Menschen inakzeptabel"

Den vorübergehenden Ausfall der eigenen Öl-Produktion in Libyen kann der OMV-Konzern ohne Probleme und im Wesentlichen ohne Mehrkosten durch Zukauf aus anderen Quellen ersetzen, erklärte das Management. Jedoch sei es "für uns nicht akzeptabel, dass in Libyen derzeit Menschen sterben", sagte OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer: "Wir hoffen, dass das bald zu einem Ende kommt."

Die Öl-Industrie habe die Risiken in Libyen nicht unterschätzt, meinte Ruttenstorfer auf eine entsprechende Frage. Seit 1985 sei die OMV dort tätig, das seien "fünfundzwanzig gute Jahre" gewesen, jetzt sei es zweifellos "eine sehr schwierige Situation". "Auch in Zukunft kann das aber wieder sehr positiv sein", so der OMV-Chef. Die dortigen Lizenzen des Ölkonzerns laufen über das Jahr 2030 hinaus. Mehr als drei Viertel ihrer Mengen fördert die OMV im EU- und OECD-Raum, zwei Drittel in Österreich und Rumänien.

Die eigenen Mitarbeiter habe man aus Sicherheitsgründen aus Libyen weitgehend abgezogen, und die Bürger des Landes selbst hätten jetzt auch "anderes" im Sinn, so der OMV-Chef. Vor allem die Verschiffung des geförderten Öls sei derzeit unklar. Derzeit gehe die Produktion in Libyen stark zurück. "Wir schließen nicht aus, dass sie ganz ausfällt", sagte Ruttenstorfer. Zum Ersatz der Schwechat-Verarbeitung könne man auf gut zwei Dutzend verschiedene Öl-Sorten zurückgreifen, sagte Roiss, der Anfang April Ruttenstorfer als Generaldirektor nachfolgt: "Wir kaufen am Markt leichtes Öl zu. Wir können das im Wesentlichen ohne Mehrkosten ersetzen." (APA)

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