Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen

23. Februar 2011, 16:55
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Nobler Allradler im Test: BMW 740d xDrive. Der mit dem prächtigen 6-Zylinder, der den V8-Top-Diesel ablöst

Willkommen in der automobilen Oberklasse, in der Liga der außergewöhnlichen Gentlemen. Drüber geht nicht mehr viel, da ist man dann bald einmal bei Bentley, Maybach und Rolls-Royce, allerdings um ein Vielfaches des Preises, der für den 7er-BMW mit dem feinen 6-Zylinder-Diesel schon bei erfrischenden 100.000 Euro liegt. Das Umfeld des 7er-BMW: Die S-Klasse von Mercedes, der A8 von Audi, der XJ von Jaguar, der LS von Lexus. Die Business-Limousine für den Herrn Direktor oder, wenn man das Leben entspannter sehen will, die Reise-Limousine für die betuchte Familie.

Um alle Qualitäten unserer Testanordnung ausspielen zu können, böte sich ein Wintersporturlaub an, St. Moritz würde sich aufdrängen, auch Lech natürlich, wenn es etwas bodenständiger sein darf auch Kitzbühel. Aber ein wenig Schnee und Eis auf der Fahrbahn wäre nicht schlecht, dann könnte der 7er seine Überlegenheit auf vier Reifen ausspielen: xDrive nämlich, der Allradantrieb von BMW, intelligent, permanent und variabel, je nach Fahrsituation wird bedarfsgerecht die Leistung zwischen den Achsen verteilt. Dazu muss man freilich nicht nach St. Moritz fahren, auch zivilisierte Großstädte wie Wien boten im heurigen Winter erstaunlich viele Tage mit Rutsch und Schleuder - in diesem Fall der anderen natürlich.

Was der große BMW sonst noch kann: kleiner sein, in der Diesel-Motorisierung nämlich. Der Mann von Welt, auch die Frau von Welt, greift ja gerne zu einem Acht-Zylinder, wenn es um die adäquate Motorisierung in einer Limousine (auch im Sportwagen) geht. Anstatt des mächtigen Achtzylinders bietet BMW in der Top-Dieselmotorisierung einen Sechszylinder an mit schlankeren 306 PS - und siehe da: Nichts geht uns ab.

Der Diesel gurrt ein wenig, macht aber keinen Krach. Und er geht fantastisch, ohne dass uns der Turbo ins Kreuz schnalzt. Dabei bleibt der Verbrauch in erträglichen Regionen: Die durchschnittlich sieben Liter auf dem Papier sind natürlich eine Illusion, aber jeder Wert unter zehn Litern ist in einer Limousine mit fünf Metern Länge, fast zwei Tonnen Gewicht und doch mehr als 300 PS ein Achtungserfolg - und den fuhren wir ein, ohne dass es uns an etwas mangelte. Die acht Gänge des Automatikgetriebes erweisen sich dabei als hilfreiche Gesellen, man könnte über Steptronic auch selbst Hand an das Getriebe anlegen, aber wer will das schon. Auch bei sportlicher Fahrweise werden die Gänge zügig eingeordnet.

Und man ist nicht allein, niemals. Es gibt eine Legion technischer Helferlein, das fängt bei Spurverlassenswarnung an, geht über die aktive Geschwindigkeitsregelung, zeigt sich im Head-up- Display oder im Surround-View - die Kamera sieht alles ums Auto herum, nicht nur hinten hinaus.

Die Technik und ihre Anwendung kann einen schon einmal überfordern, aber das Auto nimmt einen mit, nicht nur physisch, sondern auch mental, wenn's sein muss auch emotional. (Michael Völker/DER STANDARD/Automobil/18.02.2011)

Sportiv, komfortabel, ernst: Der 7er BMW ist eine Limousine, die eine Limousine ist. Keine Schnörksel, kein unnötiger Zierrat.
Helles Leder empfiehlt sich erst, wenn die Kinder aus dem Gröbsten heraus sind und das Wesentliche bei sich behalten. Fotos: Christian Fischer

 

  • Sportiv, komfortabel, ernst: Der 7er BMW ist eine Limousine, die eine Limousine ist. Keine Schnörksel, kein unnötiger Zierrat.
    foto: christian fischer

    Sportiv, komfortabel, ernst: Der 7er BMW ist eine Limousine, die eine Limousine ist. Keine Schnörksel, kein unnötiger Zierrat.

  • Helles Leder empfiehlt sich erst, wenn die Kinder aus dem Gröbsten heraus sind und das Wesentliche bei sich behalten.
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    Helles Leder empfiehlt sich erst, wenn die Kinder aus dem Gröbsten heraus sind und das Wesentliche bei sich behalten.

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