Shangri-La sagt Hotelstart in Wien kurzfristig ab

23. Februar 2011, 11:18
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Am Freitag wäre die Übergabe gewesen, am Montag kam die Kündigung - Bauträger BAI hofft noch auf eine Einigung

Wien - Die Hotelkette Shangri-La, die am Wiener Schubertring ein Fünf-Sterne-Hotel betreiben wollte, ist völlig überraschend abgesprungen. Das bestätigte Thomas Jakoubek, Chef der BAI - ein Bauträger, der zur Immobilienstiftung der früheren Bank Austria gehört - dem STANDARD. Die BAI hat das Objekt entwickelt und einen 30 Jahre laufenden Pachtvertrag mit Shangri-La unterzeichnet.

Vergangenen Freitag wäre der Übergabetermin für das Hotel gewesen, in zwei Monaten sollte eröffnet werden. Doch die Vertreter von Shangri-La kamen nicht nach Wien. Am Montag schickten die Hongkonger Hotelbetreiber dann ein Kündigungsschreiben. Das ist auch insofern erstaunlich, als Shangri-La bereits mehr als 100 Mitarbeiter aufgenommen hat. Bis auf acht sind nun alle gekündigt.

Haus ist betriebsfertig

Während des aufwändigen Umbaus war immer wieder von statischen Problemen zu hören. Man hätte das Hotel (mit 207 Zimmern plus Präsidentensuite) am Freitag eröffnen können, alles war fertig, sagt dagegen Jakoubek. Die BAI habe sich jedenfalls abgesichert: Nachdem von Shangri-La niemand kam, wurden Gutachter beauftragt, die feststellten, dass das Haus betriebsfertig sei.

Jakoubek hofft, dass mit Verhandlungen noch eine Einigung erzielt werden kann. Schließlich gebe es aufrechte Verträge. Über ein Worst-Case-Szenario will er nicht spekulieren. Branchenexperten sagen, in solchen Fällen treffe man sich üblicherweise vor Gericht. Wenn kein Kündigungsgrund vorliegt, folge zumeist ein Schadenersatzprozess.

BAI bleibt vorerst Eigentümer

Interessantes Detail: Mit der Übergabe an Shangri-La wäre die Immobilie in das Eigentum der Privatstiftung der Familie Flick übergegangen. Mehr als hundert Millionen Euro hätte die 2001 vom inzwischen verstorbenen Industriellen Friedrich Karl Flick und seiner Frau Ingrid gegründete Stiftung für das Palais-Hotel gezahlt. Nun bleibt die BAI Eigentümer.

Auch Spitzenkoch Joachim Gradwohl (Ex-Graben-Meinl) muss sich mit dem Platzen des Deals neu orientieren. Er hätte das Gourmetrestaurant des Hotels führen sollen und war zuvor monatelang in Asien unterwegs gewesen, um den Stil von Shangri-La vorab zu studieren.

Schon einmal hat sich die asiatische Kette in Europa verspekuliert, ist aus Branchenkreisen zu hören: Die Filiale in Paris sei mit nur 70 Zimmern für ein Hotel dieser Kategorie "um ein Eckhaus zu klein" geraten, habe nach jahrelangem Umbau aber um "hunderte Millionen" zuviel gekostet. (Claudia Ruff, Severin Corti, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.2.2011)


UPDATE: Personalvermittler übernimmt

Laut eigenen Angaben will sich nun der international tätige Personalvermittler BlackRock der 180 gekündigten Shangri-La-Mitarbeiter annehmen. Geschäftsführer Christian Schweinzer gibt sich zuversichtlich, ihnen noch im Februar gleichwertige Stellen anbieten zu können. Mit Shangri-La stehe man bereits in Kontakt, so Schweinzer in einer Aussendung. (red)

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