Der Griff in die Gülle bringt die bessere Quote

23. Februar 2011, 08:04
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Wieso Lugner ein Callgirl zum Opernball holen muss

Richard Lugner geht eben mit der Zeit. Denn dass er heuer mit dem mutmaßlichen Berlusconi-Callgirl (es gilt die Unschuldsvermutung) Karima al-Mahroug alias Ruby Rubacuori zum Opernball kommt, ist bezeichnend. Der Hohn über "verlorene" Gäste (2010 Lindsay Lohan, 2011 Bo Derek) lenkt da nur vom Wesentlichen ab.

Lugners Weg von Hollywoodstars (Sophia Loren) zu Party- (Paris Hilton) und nun Callgirls zeigt, wie sich die Adabei-Gülle-Schraube dreht: Um aufzufallen, greife man in tiefe Schubladen.

Lugner weiß das. Als er Lohan ankündigte oder Hilton und "Desperate Housewife" Nicolette Sheridan holte, schimpfte er noch über Halbweltsverquickungen anderer Gäste: Dolly Buster oder Katie Price ließen ihn die moralische Integrität seiner Gäste betonen. Und als er im Vorjahr zu einer Buchpräsentation über den Gürtel kam und sich "unversehens" in einem Puff fand, kam die große Ich-bin-ein-Familienvater-Empörung - samt schnaubendem Abgang.

Doch mittlerweile passt "Bunga Bunga" ins Media-Konzept: Große Quote macht schließlich nicht mehr die "gute" Gesellschaft, sondern Trash-Prominenz: TV-Blondine Daniela Katzenberger soll pro Auftritt 25. 000 Euro kassieren. Sie ist in Deutschland bekannter als mancher Minister. Das ist die Szene, in der Lugner und Co heute um Leiberl und Quote laufen.

Bo Derek ist in dieser Welt, in der (angeblich) 36.000 Jugendliche Bewerbungen für ATVs Saturday Night Fever-Schausaufen schicken, vergessen. Ruby Rubacuori nicht: Sie gilt als echte Heldin von morgen. Weil sie "es geschafft" hat - auf das Wie kommt es längst nicht mehr an. (rott, DER STANDARD, Printausgabe, 23.2.2011)

 

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