Forscher glauben, dass ein Zaun rund um künstliche Wasserstellen die ungeliebten Einwanderer abhalten könnte
Sydney/London - Zäune um künstliche Wasserstellen sollen die
Riesenkröten-Plage in Australien effektiv eindämmen. Schon eine 60 Zentimeter
hohe Sperre um Tränken oder aufgestautes Wasser herum genüge, um die giftigen
Kröten vom lebenswichtigen Nass abzuhalten, schreiben Forscher um Tim Dempster
von der Universität Melbourne.
Die Riesenkröte, auch Aga-Kröte oder Bufo marinus genannt, wurde in den
1930er Jahren zur Bekämpfung von Ungeziefer auf Zuckerrohrplantagen nach
Australien gebracht. Der Versuch schlug jedoch fehl. Stattdessen breitete sich
die giftige Kröte explosionsartig im Nordosten Australiens aus und bedroht die
heimische Tierwelt. Die künstlichen Wasserstellen, insbesondere für das Vieh
erleichtern den Kröten die Ausbreitung. Die Fluten in Australien verhalfen den
Kröten nun zusätzlich, in normalerweise trockene Gebiete vorzudringen.
Eine künstliche Wasserstelle ziehe die Kröten in weitem Umkreis an, schreibt
Dempster in den Proceedings B der britischen Royal Society. Die Tiere seien
schon an Wasserstellen gesehen worden, die 9,5 Kilometer vom nächsten
natürlichen Gewässer entfernt gewesen seien. Die Forscher umzäunten künstliche
Wasserstellen, sammelten die Tiere jeden Morgen ein und zählten sie.
Schrumpfendes Verbreitungsgebiet
Wenn Australien die Kröten systematisch von allen künstlichen Wasserstellen
fernhalte, könnte das prognostizierte Verbreitungsgebiet in trockenen Regionen
des Landes um mehr als ein Drittel verringert werden - von 2,2 auf 1,4 Millionen
Quadratkilometer. Das wäre allerdings immer noch rund die vierfache Fläche
Deutschlands.
Die Methode sei keine Wunderwaffe gegen Kröten, schreiben die Forscher, aber
sie "kann die Zahl der Kröten effektiv reduzieren und sie davon abhalten sich in
trockenen Regionen übers große Strecken auszubreiten".
Praktische Erfahrung hat der Bürgermeister der Stadt Darwin, Graeme Sawyer.
Seine Organisation Frogwatch hat schon einige Wasserlöcher eingezäunt - am Abend
sitzen die Kröten dann zu hunderten dürstend am Zaun. Das Einsammeln ist ein
Kinderspiel. "Innerhalb von vier, fünf Tagen kann man so praktisch die gesamte
Population aus einer Gegend entfernen", hatte der Bürgermeister 2010 der
Nachrichtenagentur dpa gesagt. In Bridge Creek Station - rund 120 Kilometer
südlich von Darwin - wurden so vor rund einem Jahr in einem 110 Quadratkilometer
großen Areal 23.000 Kröten entfernt. (red/APA)