Finis Partei zerbröckelt

22. Februar 2011, 18:59
43 Postings

Berlusconi fischt erfolgreich nach Parlamentariern

Sie trägt den stolzen Namen Futuro e Libertà (Zukunft und Freiheit). Doch diese Zukunft ist trügerisch. Bereits in der Woche nach dem Gründungskongress wurde Gianfranco Finis neue Partei durch den Abgang von drei Senatoren geschwächt, weitere sollen folgen. Fini war mit überwältigender Mehrheit zum Parteichef gewählt worden, doch da dieses Amt mit seiner Rolle als Parlamentspräsident unvereinbar ist, ernannte er seinen Vertrauensmann Italo Bocchino zum Stellvertreter. Der gemäßigte Parteiflügel protestierte: Bocchino sei zu regierungsfeindlich, zu Anti-Berlusconi.

Die Vergabe weiterer Parteiämter löste ebenso neues Gezänk aus wie Finis Bereitschaft, einer Allianz aller Berlusconi-feindlichen Kräfte zuzustimmen. "Wir sind nicht die nützlichen Idioten der Linken", erregte sich Ex-Europa-Minister Andrea Ronchi.

Als vorläufig Letzter verließ der exzentrische Schauspieler und Abgeordnete Luca Barbareschi die Partei, um das "Überleben der Regierung zu sichern". Drei weitere Senatoren könnten noch vor Mittwoch abspringen. Sichtlich genervt von den zahlreichen Überläufern machte Fini "die Finanzkraft des Premiers" für den Exodus verantwortlich. Berlusconi mache sich die Parlamentarier ebenso mit Geld gefügig wie die Showgirls in seiner Villa.

In drei Ausschüssen hat Berlusconi die Mehrheit zurückerobert. Im Senat, wo Finis Partei den Fraktionsstatus verloren hat, wollen zwei weitere Parlamentarier das Lager wechseln. Noch in dieser Woche könnte der Premier mit 320 Abgeordneten eine Kammer-Mehrheit erreichen, die ihm das politische Überleben sichert.

Für die Politologin Sofia Ventura gleicht die FLI einer "Kleinpartei der ersten Republik", ihr Kollege Piero Ignazi wift Fini "schwere Strategiefehler" vor. So habe er nicht den Mut besessen, Berlusconi schon im vergangenen Dezember zu stürzen.

Mit sichtlicher Genugtuung verfolgt der Cavaliere den Misserfolg seines Rivalen. Demnächst peilt er eine Regierungsumbildung an, und die könnte sein Trumpf sein: In den kommenden Wochen sind nämlich gleich zwölf Regierungsämter zu vergeben. (Gerhard Mumelter aus Ro, DER STANDARD, Printausgabe, 23. 2. 2011)

  • Fini kommen die Abgeordneten abhanden.

Share if you care.