Handkuss-Amico

22. Februar 2011, 18:57
19 Postings

Einst küsste Silvio Berlusconi noch Muammar Gaddafis Hand, nun rückt er von ihm ab

Berlusconi-Basher haben jenen Videoclip wieder ausgegraben, der zeigt, wie Italiens Ministerpräsident bei einer Konferenz in Gaddafis Wüstenhauptstadt Sirte im Jahr 2010 den libyschen Obersten nicht nur freundlich begrüßt, sondern ihm in einer spontanen Eingebung auch noch die Hand küsst. Ersteres ist üblich unter Staatsmännern, die sich's ja auch nicht immer aussuchen können. Die Geste des Händeküssens jedoch ist unter erwachsenen Männern im Kulturkreis, aus dem Silvio Berlusconi kommt, eher für den Papst - und den Mafiaboss - reserviert. Berlusconi schaut auch, nachdem er den Akt vollzogen hat, selbst irgendwie g'schreckt drein, als wüsste er nicht recht, was da über ihn gekommen ist.

Gaddafi wird sich kränken, dass sein Handibussi-Amico nun doch noch von ihm abgerückt ist, nachdem er zuerst meinte, man könne den Revolutionsführer nicht am Wochenende durch Kritik daran stören, dass dieser seine Leute über den Haufen schießen lässt.

Nordafrika macht ihm so schon genug zu schaffen. Bei der kleinen Marokkanerin Karima alias Ruby Rubacuori - die den Opernball zieren wird, womit haben wir uns diese Ehre verdient? - war er zu Interventionen ja besser aufgelegt. Der Geniestreich, die minderjährige Prostitutierte zu "Mubaraks Nichte" zu machen, um sie aus den Fängen der Polizei zu befreien, hat durch die ägyptische Revolution geradezu historische Dimensionen bekommen. (guha, STANDARD-Printausgabe, 23.02.2011)

Share if you care.