Vorratsdaten

Beispiele für Datensammlung

22. Februar 2011, 18:47

SMS, Telefon, Surfen, Web

Vielen Menschen ist vielleicht gar nicht bewusst, wie häufig sie an einem ganz normalen Arbeitstag Spuren in elektronischen Kommunikationsnetzen hinterlassen. Mit der Vorratsdatenspeicherung wird das systematische Sammeln und Speichern solcher Spuren nun gesetzlich festgeschrieben. Im folgenden einige Fallbeispiele, welche Daten davon erfasst sind, dargestellt anhand fiktiver User.

MAILS: Herr A. loggt sich in seinen Computer ein, checkt seine E-Mails und schreibt selbst ein paar. Diese Nachrichten werden über Postserver des Betreibers zugestellt bzw. verschickt.. Gespeichert wird dabei einiges: Nämlich die E-Mail-Adresse von Herrn A., die Mailadressen der Absender bzw. Empfänger sowie jene IP-Adresse, die für das Routing der E-Mail zuletzt verwendet wurde.

Außerdem muss der Zeitpunkt der Anmeldung bei einem E-Mail-Dienst sowie die IP-Adresse des "Anmelders" registriert werden. Damit ist sowohl das Login z.B. in Webmail-Portale gemeint als auch einfach der Zugriff auf die Postfächer bzw. -Server. Der Inhalt von Mails darf nicht gespeichert werden.

Die Provider müssen sogar jede Menge Spam-Mails aufheben. Wenn diese im Postfach der einzelnen User landen, gelten sie als normale Mails und sind der Vorratsdatenspeicherung unterworfen. Nur wenn die Betreiber auf ihren Server wirksame Spam-Filter errichten und die User die Werbemails gar nicht erst zu Gesicht bekommen, dürfen sie ignoriert werden.

SMS: Teenager B. kommuniziert mit seinen Freunden vornehmlich via SMS. Einiges zu speichern für seinen Handy-Provider: Bei jeder Textnachricht müssen beide - bzw. bei "Massen-SMS" alle - betroffenen Telefonnummern gespeichert werden, inklusive Name und Anschrift der Teilnehmer und Zeitpunkt der SMS. Gilt natürlich auch für MMS, also Multimedia-Kurznachrichten. Auch hier gilt: Inhalte dürfen nicht gespeichert werden.

INTERNET bzw. "SURFEN": Frau C. recherchiert im Internet, genauer gesagt im World Wide Web (WWW). Von ihrem Provider wird ihr eine IP-Adresse zugeteilt, mittels derer sie im Netz verbunden ist. Wann immer sie mit dieser Adresse im Web unterwegs ist, hat das Telekom-Unternehmen ihren Namen, ihre Anschrift sowie die Teilnehmerkennung zu speichern. Gilt natürlich auch für Chat-Dienste etc. Vor allem, wenn Frau C. eine so genannte dynamische IP-Adresse hat, stellt das einiges an Speicheraufwand dar: Dynamisch sind IP-Adressen, wenn Provider ihren Kunden wechselnde Adressen zuweisen. Das Gegenteil wäre eine sogenannte statische IP-Adresse, die immer dem gleichen User zuordenbar ist.

Ausdrücklich nicht gespeichert werden die Web-Adressen ("URLs"), die Frau C. ansurft, da die Vorratsdatenspeicherung ja generell keine Inhalte berücksichtigen darf. Allerdings: Auf jenen Servern, deren Sites Frau C. besucht, wird ihre IP-Adresse gespeichert. Und wenn die Behörden diese Server sozusagen ausheben, ist ihre IP-Adresse künftig eindeutig ihrer Teilnehmerkennung zuzuordnen.

TELEFONIEREN: Frau D. telefoniert mit ihrem Arbeitgeber - egal ob via Handy oder Festnetz. Gespeichert werden die betreffende Telefonnummer, Name und Anschrift der Teilnehmer, Datum, Uhrzeit und Dauer des Telefonats. Bei Handys (gilt auch für SMS) werden überdies internationale Geräte- und Teilnehmerkennungen (IMEI/IMSI) erfasst. Bei Anrufweiterleitungen wird natürlich auch jene Nummer, bei der der Anruf schließlich landet, registriert. Gesprächsinhalte dürfen nicht gespeichert werden.

WERTKARTENHANDY: Herr E. hat kein Vertragshandy, sondern telefoniert mit einer nicht auf seinen Namen registrierten Wertkarte. Es gelten die Speichervorschriften wie oben, allerdings sind sein Name und seine Anschrift naturgemäß nicht verfügbar. Dafür muss aber der Zeitpunkt der erstmaligen Aktivierung der Wertkarte gespeichert werden sowie, an welchem Standort dies passiert ist (Cell-ID).

INTERNET-TELEFONIE: Frau F. glaubt, der Datenspeicherung bei Telefonaten ausweichen zu können, indem sie z.B. Skype oder andere sogenannte "Voice over Internet Protocol"-Dienste (VoIP) verwendet. Aber sie täuscht sich: Die oben ausgeführten Regeln für Telefonate gelten auch für diesen Kommunikationskanal.

PROVIDER: Nicht alle österreichischen Provider müssen sich an das Gesetz für die Vorratsdatenspeicherung halten. Für sehr kleine Anbieter wäre die Verpflichtung nicht wirklich verhältnismäßig, wird argumentiert. Und auch private Betreiber sind ausgenommen - also zum Beispiel User, die einen eigenen kleinen Mailserver aufgesetzt haben. Als "Private" gelten überdies Universitäten und ihre Netzwerke.

(APA)

 

 

Kommentar posten
24 Postings
Atlas Shrugged
 
00
24.2.2011, 18:39

und so kann das in der Praxis ausschaun - http://www.zeit.de/datenschu... rratsdaten - sehr interessant und gut gemacht

Zitronenbaum
00
24.2.2011, 08:02

Aha, wenn ich jetzt also zB für einen Roman Foltermethoden aus dem Mittelalter recherchiere, bin ich dann gleich ein Terrorist?
Oder sonst irgendwelche "verdächtigen" Themen in einem Internetforum diskutiere? Na das ist ja lustig.

Ad Provider:
Ab wann gilt ein Provider als groß? Dass die Telekom wohl speichern wird müssen ist ja mal klar, UPC/Chello vermutlich auch. Aber was ist mit den Vertragspartnern von Wienstrom für ihr blizznet-Paket? Sind ja soweit ich weiß mehrere kleine Firmen.

iohui
00
23.2.2011, 23:58
jaja, sammeln. die unersättliche gier ist euer problem.

ich für mein teil werde euch mit dreck füttern bis ihr euch bis übers kreuz anspeibts.

Freiheitsliebender
00
23.2.2011, 21:29
Jeder Europäer sollte sich vor Augen führen...

dass das Einzige was ihn derzeit vor Missbrauch schützt, auf Papier geschriebene Gesetze sind...

http://derstandard.at/plink/129... 5/20022057
http://derstandard.at/plink/129... 5/20016516

Sulaweyo
00
23.2.2011, 12:16

Schöne neue Welt!

STiAT
01
23.2.2011, 11:43
Boah..

Dass so etwas tatsächlich durchsetzbar ist, ist absoluter Wahnsinn.

Echt, mit dem 11. September hat die US-Regierung mit der Sprengung ihres eigenen WTC der restlichen Weltpolitik einen Gefallen getan, um jetzt, genau wie in den USA übrigens, einen Grund haben alles zu überwachen.

Bald werden wir in Verhältnissen wie in China leben, weil keiner schreit.

slacker
00
23.2.2011, 10:01

Skype to Skype Gespräche könnten doch nicht vom Provider mitprotokolliert werden, oder? Klar, wenn man ins Fest/Mobilnetz telefoniert, aber doch nicht wenn man einen anderen Skype Teilnehmer kontaktiert

Birger Jarl II
00
22.2.2011, 23:46

Aha. Bei e-mails werden also Sender und Empfänger "gespeichert". Das wird bei yahoo, hotmail, gmx etc sicher sehr effektiv sein.

Solche Deppen, und zwar auf EU-Ebene. Jeder drittklassige IT-Mensch weiß das - wahrscheinlich nur "Dienst nach Vorschrift", auch wenn es nichts bringt.

neomailbox is your friend.

gogosch der Grosse
11
22.2.2011, 20:11
für GEMA, IFPI, RIAA und Konsorten wird eine Backdoor eingerichtet.

steter_tropfen_hoehlt_den_stein
00
23.2.2011, 09:27
mir fällt dazu folgendes ein

https://www.torproject.org/

@ Standard: die machen es wie alle anderen, scheint eine "geheime" Übereinkunft zu sein, man redet/informiert eben nicht darüber, da das ein kleiner Teil des EU-1984-Projektes INDECT ist (mal schauen, ob der BB-bigbrother post mit dem wort indect durchläßt ;-)
http://tinyurl.com/3a4kpjw
http://tvthek.orf.at/programs/... 310-Report
@ report:Beitrag "durchleutete Bürger" und hier sehr wichtig das Interview mit Trojanow!!

keinname
00
22.2.2011, 19:58

Bin grade am VPN testen

Zur Zeit:
http://www.linkideo.com/sign-up
2€/Monat im billigsten Tarif. Server in Frankreich, England, USA, Niederlande
Um 5 bzw 10 Euro gibts auch OpenVPN.
Speed sehrt gut, hin und wieder Verbindungsabbrüche.

Hat jemand alternative Vorschläge für mich?

Ach ja das wär doch einen/oder mehrere Standard Artikel wert - Gegenüberstellung der besten Proxys, VPNs, Möglichkeiten zur Anonymisierung etc.

es_gilt_die_Unschuldsvermutung
 
00

und was genau sollte eine VPN verbindung , an deinem Profil ändern?

es gibt dann noch immer, einige dienste die sich zur gleichenzeit auf die selben IP adressen verbindet (die source adresse wurde zwar geändert, alles andere bleibt aber gleich.)

glauben sie allen ernstes dass das "Profiling" in diesem Szenario nicht funktioniert?

keinname
00

"es gibt dann noch immer, einige dienste die sich zur gleichenzeit auf die selben IP adressen verbindet (die source adresse wurde zwar geändert, alles andere bleibt aber gleich.)"

Tut mir leid, bitte was ist damit gemeint?

es_gilt_die_Unschuldsvermutung
 
00

z.b. jede software die im fixen interval nach Updates sucht.

Allein aus dieser Tatsache raus, kann man schon sehr zugeschnittene Profile erstellen:

Hier der link zu einem Vortrag zu diesem Thema von der 27c3: http://goo.gl/O7DOj (250mb gross)

keinname
00

Ach ja... ich denke aber das geht gerade in die flasche Richtung. Wenn ich mit jemandem "kommuniziere" so weiß der bestimmte Dinge über micht. Das ist Online genauso wie Offline. Habe ich eine EMailAdresse, so weiß mein Mail Provider mit wem und worüber ich schreibe etc.

Hier geht es aber darum, dass Fremde (in dem Fall eben der ISP, nach Aufforderung der Regierung bzw des Staates) ebenfalls darüber Bescheid wissen mit wem ich mich verbinde und das lässt sich eben durch einen VPN Provider unterbinden.

keinname
00

Ich kann mir das Video leider gerade nicht anschauen.

Aber es stimmt natürlich, dass es nichts bringt bloß einen VPN Provider zu besitzen. Man muss natürlich auch den Rest anpassen. Dafür gibts zb Firewalls - bei mir gibts kein Programm bei dem ein AutoUpdate aktiviert ist.

Wie gesagt kann mir das Video gerade nicht ansehen, vielleicht kommt ja noch etwas anderes vor - werde es mir am Abend ansehen.

es_gilt_die_Unschuldsvermutung
 
00

na dann viel spass (oder grosses schaudern, je nach dem) mit dem Video.

PS: Der Vortag heißt: " How the Internet sees you"

tunguska
00
22.2.2011, 22:23
Bitteschön.

https://www.goldenfrog.com/vyprvpn/v... e-provider

Wenn du einen Giganews Diamondaccount hast, ist es kostenlos dabei ;)

keinname
00
22.2.2011, 22:58

Danke, aber ich weiß nicht: http://board.gulli.com/thread/16... erfahrung/

Und mit 20 euro bin ich schon im perfect privacy Bereich.

Paolo64
00
22.2.2011, 19:55
wer trägt die verantwortung wenn Missbrauch ...

mit den daten betrieben wird? Die Frau Minister Bures?

keinname
01
22.2.2011, 20:04

Ich denke Bures hat Schlimmeres verhindert. Bei Fekter und BO darf man sich bedanken.

Aber es stimmt schon, bin auch auf das erste Datenleck gespannt. Bzw das erste, das in der Öffentlichekeit bekannt wird.

thomas1231
02
22.2.2011, 19:35

na prack
viel aufwand mit wenig sinn .... eine staatsanwaltschaft die nicht ermittelt und kein personal hat weil alle tierschützer verfolgen braucht eine vorratsdatenspeicherung...

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