Tiger aus Fernost häufiger am Sprung nach Westen

22. Februar 2011, 18:40
1 Posting

Studie: Unternehmen aus China stärker denn je auf Einkaufstour in Industrieländern unterwegs

München/Wien - Das Übernahme-Ringelspiel dreht sich wieder schneller. War der Markt für grenzüberschreitende Akquisitionen wegen der Wirtschafts- und Finanzkrise zuletzt stark ausgetrocknet, steigt die Zahl der Deals jetzt erneut stark an, geht aus einer Studie des Beratungsunternehmens A.T. Kearney hervor.

Vor allem Unternehmen aus Schwellenländern begeben sich immer häufiger auf Einkaufstour in Industrieländer. Im Vorjahr ist dieses Segment fast dreimal so schnell gewachsen wie der Gesamtmarkt für Mergers & Acquisitions (M&A). "Treibende Kraft ist die hohe Liquidität. Die Kriegskassen der Unternehmen sind wieder gut gefüllt", sagte der deutsche Studienautor Joachim von Hoyningen-Huene dem Standard.

Während die Gesamtzahl der grenzüberschreitenden Transaktionen im Berichtsjahr um zehn Prozent auf gut 25.000 gestiegen ist, hat sich die Zahl der Deals, bei denen ein Konzern aus einem Schwellenland der Übernehmer war, von 1705 auf 2145 erhöht. Das ist eine Zunahme um 26 Prozent.

Am aggressivsten gehen laut der Studie Käufer aus China vor. Zwar liege Indien im Untersuchungszeitraum 2002 bis 2010 mit 774 Mehrheitsakquisitionen noch vor China mit 520. Während aber Indien stagniere, hole China kräftig auf. Allein zwischen 2006 und 2010 hätten die Transaktionen unter chinesischer Flagge um jährlich 42 Prozent zugelegt. "Der Trend ist ungebrochen. Chinesische Käufer haben noch immer einen Nachholbedarf. Sie haben viel später als ihre indischen Nachbarn begonnen, sich in Industrieländern einzukaufen", sagte Hoyningen-Huene, der im Münchner Büro von A.T. Kearney sitzt.

Ein immer stärkeres Motiv hinter grenzüberschreitenden Transaktionen sei die Rohstoffsicherung. Davon zeuge auch der im Vorjahr erfolgte Einstieg von Sinopec bei Repsol Brasilia. Der chinesische Öl- und Gaskonzern zahlte für die 40-Prozent-Beteiligung 7,1 Milliarden Dollar (5,2 Mrd. Euro).

Während die USA bei Käufern aus Schwellenländern das Lieblingszielgebiet sind, steht China bei der Expansion von Konzernen aus Industriestaaten ganz oben. "Das ist ein großes und tolles Land, die Fokussierung auf China allein ist aber nicht zweckmäßig", sagte Hoyningen-Huene.

Die zweite Liga unterhalb der Bric-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China; Anm.) mit Ländern wie Mexiko, Korea, Türkei, Polen oder Indonesien sei auch so groß wie China und weise ähnliche Wachstumsraten auf. Dort sei der Wettbewerb nicht gar so stark ausgeprägt und die Märkte um einiges freier als in China. (Günther Strobl, DER STANDARD, Printausgabe, 23.2.2011)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.