EU lockert Gen-Import­verbot bei Futtermitteln

András Szigetvari, 22. Februar 2011, 18:20
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    foto: reuters

    Dem Schwein wird's wahrscheinlich so oder so schmecken: Leichte Verunreinigungen mit nicht zugelassenen Genpflanzen sind im Futtermittel erlaubt.

Künftig sollen bei importierten Futtermitteln 0,1 Prozent gentechnisch veränderte Pflanzen zugelassen werden. Zu viel, sagen Kritiker

Wien - Ein kleiner Tropfen kann manchmal viel auslösen. Ein Teelöffel Öl reicht zum Beispiel aus, um bis zu 1000 Liter Wasser zu verschmutzen. Um die Wirkungen kleinster Verunreinigungen schwelt seit Monaten auch in der EU ein Streit, der am Dienstag vorerst entschieden wurde.

Das Thema ist denkbar heikel, es geht um Gentechnik. In der EU gilt derzeit eine Null-Toleranzpolitik beim Import gentechnisch veränderter Pflanzen, die in der Union nicht zugelassen sind. Noch. Denn die EU-Kommission hat eine Lockerung dieser Regelung auf die Schiene gebracht und wird dabei ausgerechnet von Österreich, einem ansonsten besonders Gentechnik skeptischen Land, unterstützt.

Konkret haben sich am Dienstag EU-Staaten und Kommission auf die Aufweichung des Verbotes bei Futtermittelimporten geeinigt. Bisher galt, dass zum Beispiel Mais oder Soja aus den USA oder Argentinien zurückgeschickt werden mussten, sofern sich darin auch nur geringste Mengen nicht zugelassener gentechnisch veränderter Pflanzen befanden. Der zuständige Agrarausschuss in Brüssel hat nun Kontaminationen dieser Art bis 0,1 Prozent erlaubt. Die Regelung gilt, sofern die Zulassung der Pflanze in der EU beantragt wurde. Eine Genehmigung ist nicht nötig. Laut Website Trans Gen läuft in der EU bei 100 gentechnisch manipulierten Pflanzen ein Zulassungsverfahren.

Obwohl es nur um geringe Mengen geht, sehen Kritiker in der Lockerung des Verbots einen wichtigen symbolischen Schritt. "Das ist ein Türöffner dafür, dass weitere gentechnisch veränderte Produkte in die EU, und damit letztlich auf unsere Teller kommen", meint die Grüne EU-Parlamentarierin Eva Lichtenberger. Auch bei Greenpeace-Österreich gehen die Wogen hoch: "Die EU gibt dem Druck der Agrar-Lobby nach", so Philipp Strohm. "Es darf nicht sein, dass gentechnisch veränderte Futtermittel ohne Risikoanalyse in der EU zugelassen werden."

Im Büro des zuständigen EU-Verbraucherschutzkommissars John Dalli versteht man die Neuregelung ganz anders. Mit der Verordnung würden erst europaweit einheitliche Standards dafür geschaffen, wie Futtermittelproben auszuwerten sind. Die Kommission wollte ursprünglich sogar weitergehen und auch für Lebensmittel ähnliche Minimalausnahmen. Nun wird die EU abwarten und zunächst die Futtermittellösung evaluieren.

Die Agrarindustrie drängt ihrerseits seit Jahren auf die Lockerung und begrüßte daher den Entschluss. "Das Retourschicken von Futtermitteln kostet viel Geld", meint Alexander Döring, Chef des europäischen Verbandes der Mischfutterindustrie. Die Zulassung in der EU dauere im Schnitt doppelt so lange wie etwa in den USA, weswegen Europa von Märkten ausgeschlossen bleibe.

Österreichs Umschwung

Er nennt als Beispiel Maiskleberschrot: Das eiweißhaltige Produkt wird bei der Milch-Vieh-Fütterung eingesetzt. Jährlich wurden davon vier bis fünf Millionen Tonnen in die EU importiert. Seitdem 2007 die strikte Nulltoleranzpolitik bei Gentechnik-Pflanzen gilt, gebe es den Rohstoff in der Union so gut wie gar nicht. In der EU werden jährlich 50 Millionen Tonnen Futtermittel importiert.

Kritik gibt es aber auch an der Haltung des zuständigen Lebensmittelministeriums in Wien. Österreich habe bei den Diskussionen die Seiten gewechselt, und damit den Weg für die Einigung mitgeebnet. "Wir haben unter der Bedingung zugestimmt, dass strenge Messmethoden angewendet werden und ein Verfahren zur Zulassung bereits laufen muss", heißt es im Ministerium. Die 0,1 Prozentgrenze sei scharf genug, "0,0 Prozent ist praktisch nicht umsetzbar". Sofern das EU-Parlament die Verordnung nicht ablehnt, tritt sie in drei Monaten in Kraft. (András Szigetvari, DER STANDARD, Printausgabe, 23.2.2011)

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annea
01
23.2.2011, 18:51

Lecker, Kühe fressen in Zukunft also Futter aus Pflanzen, die gentechnisch so manipuliert wurden, dass sie ihre eigenen Unkraut- und Insektenvernichtungsmittel gleich "serienmäßig miteingebaut" haben. Toll. Wenn die Kühe das fressen, braucht mir niemand sagen, dass diese Gifte nicht in Milchprodukten und Fleisch landen. Monsanto ist ein gefährliches Unternehmen, einfach mal über die Geschäfttpolitik erkundigen (Nutzungsrechte der Ernte von Landwirten bleibt bei Monsanto usw. Ein Alptraum!!! Anfangen werden wir mit Futtermittel, bis es dann hier angebaut werden darf ist dann nur mehr eine Frage der Zeit. Das Problem dann: Bio-Bauern können einpacken, weil ihre Felder mit Streusaatgut kontaminiert wird und damit wertlos ist.

Jadzia Dax1
00
24.2.2011, 10:07

Das tun sie jetzt schon- auch in Österreich.

Rudine Karell
00
24.2.2011, 00:39

Und?
Was machen wir jetzt?

Hinnehmen, oder vielleicht finden sich mal ein paar Leute die ein Transparent hochhalten in Wien vorm Parlament?

Ich wäre dabei.

annea
00
25.2.2011, 14:06

ich auch, klar!

sirnicha
04
23.2.2011, 13:09
langsam

verstehe ich die eu skeptiker, wenn man von den eigenen leuten so verraten und verarscht wird. eine zweite sauerei ist, dass wir ein sogenanntes lebensmittelministerium haben, dessen name alleine schon ein witz ist.

radioactif
80
23.2.2011, 12:54
wir

essen salat, schnitzel, schokolade, fisch ... ja manche von uns essen sogar schnecken, schlangen, ameisen ... und ohne es zu wissen nehmen wir auch noch mit jeder mahrlzeit (und auch ausserhalb der mahlzeiten) jede menge mikroorganismen zu uns. abgesehen von den offensichtlichen unterschieden unterscheiden sich diese nahrungsmittel auch in ihre dna zum teil ganz erheblich voneinander.

und jetzt kommen ein paar verkorkste grüne daher und behaupten, dass veränderte gene schlecht für die gesundheit sein könnten ? ich meine wer kann so einen schwachsinn glauben ???

den grünen gehts doch überhaupt nicht um uns sondern um die zwangsumsetzung ihrer dummen ideologie !

nie wieder faschismus und schon gar keinen ökofaschismus !

cum civibus
 
00
23.2.2011, 21:59
fühlen Sie sich bedroht, radioactif?

Wir haben im Laufe der Zeit (teils sehr schmerzvoll) gelernt welche Organismen uns schaden und welche nicht. Bzgl. Gentechnik wird uns mehr Wissen vorgespielt als gewusst und wir werden dazu mehr genötigt als notwendig. Warum Sie sich dabei mehr von "Ökof..." (etwas extrem finde ich) als von der Gentechnik- und Pestizid-Industrie bedroht fühlen verstehe ich nicht.

jogil
03
23.2.2011, 15:26

überprüf SOFORT deinen durchlauferhitzer. ich glaub bei dir hats was in der richtung

Der langen Rede kurzer Sinn.
01
23.2.2011, 12:52

Wer sich weiterbilden möchte muss sich Zeit nehmen....

....und schaut sich den Film an! "Food, Inc."

http://www.youtube.com/watch?v=6eBpPc89Hbs

Das die EU die Gen-Import­verbot bei Futtermitteln lockert ist eine Katastrophe!

Film ansehen, dann mitreden!

M. Stahr
00
24.2.2011, 09:48
Danke für den Link,

ein gut gemachter Film. Immer wieder sieht man neue Seiten dieser rundum grässlichen Medaille.

Was mich wundert: Warum findet man diesen Artikel nach 2 Tagen nur noch via Suchfunktion?

sophale vom sirius
00
23.2.2011, 14:27
danke

für den link

radioactif
40
23.2.2011, 13:15

zum thema passendes zitat aus der sarrazin debatte:

i was a ohne dass is glesn hett, dass des a schmorrn is ;)

sophale vom sirius
01
23.2.2011, 12:48
"food, inc."

kommt ab und zu am ARTE:
In den USA wurde das Futter der Kühe auf Gentech-Mais umgestellt, daraufhin veränderte sich eins der E-Coli Bakterien. Jene wollen dann auch in den Hamburgern bleiben. Das ganze Chlor-Ammoniak-Gewasche des rohen Fleischs hilft auch nix. Und dann sterben jedes Jahr ein paar Leute am E-Coli in den Hamburgern, und dann gibt es wieder mal eine Rückrufaktion.

radioactif
41
23.2.2011, 13:19

ja beeindruckend dieser nun wirklich nicht von der hand zu weisende kausale zusammenhang !

doch begonnen hat es schon viel früher: die russen haben in den 80ern mit ogm kartoffeln experimentiert, die gleich direkt am acker vergären und wo der wodka anschliessend nur noch ausgepresst werden muss wie aus einer orange. und prompt ist tschernobyl explodiert !

nie wieder gene !

Prian Alb
02
23.2.2011, 13:03

Allerdings ging es dabei generell um die Verfütterung von Mais und nicht ausschließlich von Gen-Mais.

Viel schlimmer habe ich den Teil gefunden in denen gezeigt wird wie Monsanto das Leben von Bauern, die keine Gen-manipulierten Produkte züchten wollen, zerstört.

fertigprodukt
01
23.2.2011, 13:03
die "wissenschaftlichen" studie mit den tieren waren auch manipuliert.

man hat zuchttiere in die studien genommen - wie wir aber wissen, sterben zuchttiere spätestens nach 4 jahren (milchkühe - alle anderen sterben früher). langzeitstudien zur gesundheit sind damit unmöglich.

unabhängige studien ergaben, dass die natürliche lebenserwartung der tiere drastisch sank und die zahl der krebserkrankungen extrem zunahm.

pei mei
00
23.2.2011, 12:45
Mahlzeit .... es ist angerichtet

scriptingguy
00
23.2.2011, 12:44
"Denn die EU-Kommission hat eine Lockerung dieser Regelung auf die Schiene gebracht und wird dabei ausgerechnet von Österreich, einem ansonsten besonders Gentechnik skeptischen Land, unterstützt. "

Wer genau? Namen der Personen bitte! Ich würde gerne den/die Volksverr... ups .. treter kennen, die in unser aller Bürger Namen für eine Lockerung der Bestimmungen eintritt/eintreten.

"Jährlich wurden davon vier bis fünf Millionen Tonnen in die EU importiert. Seitdem 2007 die strikte Nulltoleranzpolitik bei Gentechnik-Pflanzen gilt, gebe es den Rohstoff in der Union so gut wie gar nicht."

Also seit 2007 kommen heimische Tiere ohne dieses Genzeugs aus, da es diesen "Rohstoff" (sic) ja so gut wie gar nicht gibt....
...
......
Und warum brauchen wir den jetzt doch?!?

Ich will weg :-(

fertigprodukt
01
23.2.2011, 13:04

raus aus der EU! volksbegehren jetzt!

Peter_23
01
23.2.2011, 12:43
Mit anderen Worten: Bio-Lebensmittel werden in Zukunft in der EU einen bestimmten Anteil an genetisch veränderten Lebensmitteln beinhalten dürfen.

Toll. Ohne massiver Propaganda (=Werbung) wird das nur schwer zu vermitteln sein.

Da sind offen deklaierte genetisch veränderte Lebensmittel besser als wie Bio: Sind billiger, und, ist eh fast das gleiche drinnen.

01052004
00
23.2.2011, 12:37
da hätt er cholerisch werden swollen,

unser burgenländischer großbauer

aber nein: hat sich billig von der gen-mafia kaufen lassen (wie billig möcht ich gar nicht wissen)...

Kontrahent1
12
23.2.2011, 12:23
DANKE EU !

Besonders dafür, daß es in Produkten erlaubt wird, welche über Umwege an den Menschen gelangen. Oder steht uf dem Schnitzel demnächst: Mit genmanipuliertem Futter gemästet ?

Prian Alb
00
23.2.2011, 13:05

Wir alle sind EU. - Insbesondere unsere Politiker, denen die Welt in Austria offenbar too small is.

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