STANDARD-Interview

"Man kann diese Leute dingfest machen"

23. Februar 2011, 09:35
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    foto: privat

    "In der Szene pfeifen es die Spatzen von den Dächern: Rechte ermitteln gegen Rechte."

Der von der FPÖ bekämpfte Polizist Uwe Sailer sagt, dass die Neonazi-Seite Alpen-Donau.Info längst abgeschaltet sein könnte

Linz - Der Linzer Polizist Uwe Sailer, dessen von der FPÖ geforderte Suspendierung nun aufgehoben wurde, kritisiert im Standard-Interview, dass man die Neonazi-Seite Alpen-Donau.Info längst vom Netz hätte nehmen können. Der Täterkreis sei bekannt, doch in der Polizei gebe es Neonazi-Sympathisanten. Rund um Sailer und den Grünen-Parlamentarier Karl Öllinger hatte die FPÖ 2010 einen "Spitzelskandal" gewittert.

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Standard: Sie haben die Neonazi-Homepage Alpen-Donau.Info von Anfang an, als sie im März 2009 online ging, beobachtet?

Sailer: Ich habe im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen den neonazistischen Bund Freier Jugend (BFJ) eine Assistenzdienstleistung für das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) erbracht. Durch den BFJ wurde ich bedroht, sodass ich auch aus Gründen der Eigensicherung die Szene beobachten musste. Alle meine Ermittlungen waren mit dem Leiter des LVT Oberösterreich abgesprochen: Sollte ich auf etwas stoßen, sollte ich das weitergeben.

Standard: Worauf stießen Sie?

Sailer: Es gab zwar seit 2007 eine massive Zunahme an Neonazi-Aktivitäten im Netz, aber eher auf dem Niveau von Ehrenbeleidigungen. Aber diese Seite fiel uns gleich durch extreme Aggression und Hetze auf, sodass wir bald wussten: Das kommt aus dem Hardcore-Bereich der Neonazis.

Standard: Konnten Sie als Datenforensiker auch Spuren zu einzelnen Personen sichern?

Sailer: Ja, da stecken ehemalige Aktivisten der Volkstreuen Außerparlamentarischen Opposition (VAPO) und der Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik (AFP) dahinter. Und in einem einschlägigen Forum wurde der unter dem Pseudonym Dr. Brandt schreibende Funktionär der NPD Chemnitz identifiziert.

Standard: Der Verfassungsschutz sagt seit 2009, nichts gegen die Neonazi-Seite, die Einzelpersonen öffentlich bedroht, tun zu können, weil der Server in den USA liegt.

Sailer: Es ist ziemlich unerheblich, wo Server liegen. Behörden greifen oft - etwa in Fällen von Kinderpornografie - auf sie zu.

Standard: Es heißt auch, man sei machtlos, weil es in den USA kein NS-Verbotsgesetz gibt.

Sailer: Für die beteiligten Österreicher gilt im In- und Ausland das österreichische Strafrecht. Man kann diese Leute mit ihren Zugangsdaten dingfest machen.

Standard: Die kriegt man leicht?

Sailer: Wenn man ernsthaft ermittelt, relativ leicht.

Standard: NS-Opferverbände und die Israelitische Kultusgemeinde kritisieren "Laxheit" bei der Aufklärung rechtsextremer Straftaten. Ist die Polizei am rechten Auge blind?

Sailer: So etwas kann politische oder geheimdienstliche Gründe haben. Oder man will einen zusammenhängenden Fall, der strafrechtlich schwerer wiegt, zuerst aufklären. Aber ich kann nicht leugnen, dass es bei der Polizei Leute gibt, die sympathisierende Kontakte zu neonazistischem Gedankengut haben. Und es gibt massive politische Einflussnahme. In den letzten Jahren verschärfte man die Gangart: Früher kam man mit guter Arbeit weiter, nun gibt es politische Besetzungen bis hinunter zum Torposten.

Standard: Ist es wahr, dass Größen aus der Neonazi-Szene als Informanten arbeiten?

Sailer: Ja, in der Szene pfeifen es die Spatzen von den Dächern: Rechte ermitteln gegen Rechte.

Standard: Gibt es in Österreich linksextremistische Bedrohungen?

Sailer: Abgesehen vom Anzünden von Mülltonnen, nein. Das wird, aus meiner Sicht, herbeirezitiert.

Standard: Die FPÖ hat per Aussendung bestätigt, dass sie Ihre - vor wenigen Tagen aufgehobene - Suspendierung betrieben hatte. Wie waren die 18 Monate, in denen Sie nicht arbeiten durften?

Sailer: Als Kripobeamter muss man immer damit rechnen, dass etwas passiert. Da ich mit Daten arbeite, habe ich mich immer gut abgesichert. Aber dann fällt man in ein riesengroßes Loch, und das ist mit Jauche gefüllt. Selbst schriftlich beweisbare Abkommen mit dem LVT waren nichts mehr wert, meine Ansprechpartner nicht mehr erreichbar.

Standard: FPÖ-Chef Strache und der FPÖ-Abgeordnete Neubauer haben Sie wegen Amtsmissbrauchs, Datenfälschung und Urkundenunterdrückung angezeigt, weil Sie mit dem Grünen-Politiker Karl Öllinger Informationen in Sachen Alpen-Donau.Info austauschten. Werden Sie weiter ermitteln?

Sailer: Nein, nie wieder. Das hält man psychisch nicht durch. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, Printausgabe, 23.2.2011)

UWE SAILER (54) ist seit 1974 Polizist, seit 1983 Kripobeamter und Datenforensik-Spezialist. Alle Anzeigen der FPÖ gegen Sailer erwiesen sich als haltlos, er gilt seit letzter Woche als rehabilitiert.

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aVoX
00
25.3.2011, 19:43
Dreck am Stecken

>> "FPÖ-Chef Strache und der FPÖ-Abgeordnete Neubauer haben Sie wegen Amtsmissbrauchs, Datenfälschung und Urkundenunterdrückung angezeigt."
Das kommt ja genau von den richtigen!

ökolaus nicht nikolaus
01
24.3.2011, 15:21
UWE Sailer

hören sie nicht auf !!!! Männer wie Sie braucht das Land ! Kämpfen sie wofür sie Kripobeamter geworden sind !!!

Johnny Brainstorm
00
18.3.2011, 09:57

Ich schäme mich hiermit für jedes Mal, wo ich alle Kieberer in einen Topf geworfen habe...
Klasse Interview und es bestätigt Vieles, das ich schon länger vermutet habe...

sebastian toifl
 
08
uwe sailer ist ein tapferer mann

und hat ein bedeutendes interview gegeben. es dokumentiert von innen die oft geleugnete blindheit des staatsschutzes am rechten auge.

und: .... was für politische gründe könnten das sein?

Mein Vater war kein NAZI!
02
Ja wer will das schon, wenn sie schon überall drinnen stecken?

der wanderfalke
 
117
Ein mutiger Mann,

der erfolgreich gegen braune Recken ermittelt(e), wurde aufs Abstellgleis geschoben. Die BraunBlauen haben ihre Vertrauensleute in den Sicherheitsapparat eingeschleust. Dank Strasser & Schüssel.

emanze c
00
16.3.2011, 20:43

Ach, die waren vorher schon dort, in Dt und in Ö war eine ganze Generation "nazifiziert" und hat neue Generationen sozialisiert.

2Puma
111
Man Kann sich auch in die Hose machen

FalscherProphet
016
Ja, kann man -

und wenn man dafür in der Kindheit ausgelacht und erniedrigt wird,
mutiert man später zum rechstextremen FPÖ-ler -
Du sprichst diesbezüglich aus Erfahrung - stimmt's?

gulasch sepperl
05
24.2.2011, 20:47

passend zum artikel:
http://orf.at/stories/2044041/

(...)"244 Verfahren wurden abgebrochen und 78 Verfahren auf sonstige Weise beendet."(...)

suboptimal
 
326
24.2.2011, 15:05
Diesem tapferen Polizisten widme ich mit Bedacht

und großer Freude mein 10.000stes Posting.
Salute! Auf die nächsten 10.000 ....

Es ist mir eine besondere Ehre, Herr Uwe Sailer, solche Polizisten braucht das Land!

*verbeug*

salzstreuerIn
192
25.2.2011, 10:57
diesem tapferen polizisten wurde gestern

während eines verfahrens in münchen inkompetenz nachgewiesen

Grad Messer
07
27.2.2011, 00:17
Richter war

der mittlerweile berühmt berüchtigte Manfred Götz;l einfach nach seinem Namen googeln; ein link von vielen:

http://www.merkur-online.de/nachricht... 82941.html

rosentod
10

Na servus... empfehle jedem/jeder diesen Link zu lesen!
Sehr interessant, Danke!

Bunter
08
26.2.2011, 19:57
schwere Ermittlungsfehler

wies der "tapfere Polizist" aber auch andere bestellte Sachverständige den Beamten des österr. Verfassungsschutzes in München nach. Das LG Wien leitete daher ein Strafverfahren ein.

Gernot Schandl
86
24.2.2011, 08:43
Sehr intertessant...

Im Standard-Forum darf man offenbar nicht einmal aus den OÖ Nachrichten zitieren. Dieser Zeitung entnimmt man nämlich Informationen über Beweismittelmanipulation durch einen Sachverständigen. Wer der Sachhverständige war? Wie man hört, ein "Datenforensiker"...

skip it
113
24.2.2011, 11:14
und? war des der obige? net?...

...verleumdung als prinzip: genau davon spricht ja der seidl in seinem interview, wenn s' um die braunen geht.

wenn s' nach dem geht, g'hoeren uebrigens alle braunwaehler wegen wiederbetaetigung ins haefen. weil: es soll schon braunwaehler gegeben haben, die deswegen schon verurteilt wurden.

nachzulesen in allen tageszeitungen.

Kremser
38
24.2.2011, 14:52

skip it schreibt wie immer - blödsinn!

skip it
43
25.2.2011, 07:27
das sie nix kapieren ist nicht meine schuld...

Kremser
22
25.2.2011, 10:57

sie verlangen viel! ihre verqueren ansichten soll ich "kapieren"? wenns wenigstens ein körnchen wahrheit, ein fünkchen weisheit enthielten! aber so?

skip it
23
28.2.2011, 09:28
alles muss man den strache-juengern vorkauen:...

...ich folge nur der vorgegebenen logik des ursprungs-postings.

ich sag ja: dass sie nix kapieren ist anscheinend artentypisch fuer ihresgleichen, aber net meine schuld.

Mynnia
00
15.3.2011, 18:54

Um mal auf Ihren nicht veröffentlichten, mir dennoch zugestellten Kommentar zu antworten:

Mangels Nichtunterscheidung von "Sie" und "sie" habe ich erstmal große Probleme, den Sinn Ihrer Antwort zu entschlüsseln. Ich bin mir nicht sicher, ob Sie *mir* etwas unterschieben wollen oder einfach nur über eine für Sie als "Gossenmob" bezeichnete Gruppe reden. Normalerweise wäre mir die Groß- und Kleinschreiberei relativ egal, nur machts hier kontextuell in beide Richtungen Sinn.

Vorsichtshalber klarifiziere ich meine eigene Aussage mal Richtung Aufforderung: Geben Sie den Menschen eine Chance! Beleidigen Sie sie nicht von vornherein, wenn Sie sich unverstanden fühlen, erklären Sie sich, oder es ist sinnlos, dass Sie überhaupt was gesagt haben.

skip it
02
16.3.2011, 09:01
zur Klarstellung: enttaeuschten und hilfsbeduerftigen gehoert ohne zoegern unter die arme gegriffen...

...boesartigem, hinterfotzigem arschlochtum gehoert hingegen auf dessem niveau begegnet, die glacéhandschuhe sind da voellig unangebracht.

ich kenn' etliche enttaeuschte, denen es nie und nimmer einfiele, braun zu waehlen.

dem zur rudelbildung tendierenden, unstrukturierten, charakterdefizitaeren, großteils hoechst quersubventionierten und daher sozialschmarotzenden, strache waehlenden gossenmob begegne ich daher prinzipiell mit seiner hoechsteigenen diktion. damit's keine semantischen verstaendniskomplikationen gibt.

der versuch, grundlegende charakterliche und persoenliche defizite mit zuwendung und liebe zu kurieren ist zum scheitern verurteilt: das boesartige existiert ganz real.

und gehoert ausgegrenzt.

auf allen ebenen.

Mynnia
00
17.3.2011, 02:31

*zuck* OK, wie Sie meinen. Ich verstehe den Frust - nur nicht die Abverurteilung vor allem aus der Ferne.

skip it
03
17.3.2011, 08:18
"frust" waer zuviel des guten...

...dazu fehlt dem g'sindel die demokratisch-menschliche und republikanisch-gesellschaftliche relevanz zur gaenze.

belaestigung oder beleidigung meiner spaerlichen intelligenz trifft's eher.

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