Die Nordischen sind an ihrer Wiege

22. Februar 2011, 18:22
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Oslo ist bereit für die 48. nordische Ski-WM. Sportlich spielt die Musik bis 6. März ausschließlich ober­halb der Stadt am legendären Holmenkollen. Der spielt alle Stückerln

Die Schweden haben schon einmal gewonnen, aber vorerst nur, weil die Norweger so gute Gastgeber sind. Lediglich Silber und Bronze sprachen die sich auf dem Universitätsplatz im Zentrum von Oslo anlässlich der Generalprobe für die insgesamt 21 bis zum 6. März hier fälligen Siegerehrungen zu. Die Goldmedaille für einen imaginären Langlauf, so wurde verkündet, ging aber an eine imaginäre Schwedin. Die, von einer freiwilligen, vermutlich norwegischen Helferin gemimt, hat herzlich gelacht. Vielleicht auch, weil die zuvor genannten Platzierten Norweger, also Männer waren. Beim Abspielen der schwedischen Hymne war der nötige Ernst wieder gegeben.

Es hat, wie nicht anders zu erwarten, alles tadellos funktioniert. Norwegen ist geübt in der Ausrichtung wintersportlicher Feste. Lillehammer 1994 gilt punkto Flair, Zuschauerzuspruch und Organisation noch heute als Vorbild für Olympische Winterspiele. Oslo hat neben Olympia 1952 schon drei nordische Weltmeisterschaften (1930, 1966 und 1982) gesehen, Trondheim war 1997 Ausrichter. Damals dominierte Russland zum zweiten Mal in Folge die Medaillenwertung. Die sechs Weltmeisterschaften seither haben aber die Norweger beherrscht. Zuletzt 2009 in Liberec mit fünfmal Gold, viermal Silber und dreimal Bronze.

Ob die Ausbeute diesmal größer wird, interessiert Asne Havnelid, die Chefin des Exekutivkomitees, dem je fünf Frauen und Männer angehören, nur in zweiter Linie. Liberec, das weltmeisterliche Missverständnis in Tschechien, soll und wird sich nicht wiederholen. 4,6 Millionen Euro Verlust schrieben dort die Veranstalter, vor allem weil die Zuseher ausgeblieben waren. 82,5 Millionen hatte der Staat investiert, die Schulden gedenkt er nicht mehr abzudecken. Wenigstens wurde die bereitgestellte Infrastruktur in den vergangenen Tagen für das Skifest der olympischen Jugend Europas genützt.

Die Stadt Oslo hat 350 Millionen in ihre vierten Weltmeisterschaften investiert, vor allem in die Anlagen am Holmenkollen, einem Hügel acht Kilometer nordwestlich des Stadtzentrums, bequem mit der U-Bahn zu erreichen und von jeher gerne Wiege des nordischen Skisports genannt.

1892 wurde hier die erste Sprungschanze errichtet. Insgesamt 18-mal, für Olympia 1952 besonders ausführlich, wurde die Anlage um- und ausgebaut. 2009, infolge des Zuschlags für die WM, wurde die Schanze zur Gänze demontiert. Der im Vorjahr mit einem Sieg des Schweizers Simon Ammann eröffnete neue Holmenkollenbakken, vom dänischen Architekten Julien de Smedt entworfen, gilt zusammen mit dem kleineren Midtstubakken als weltweit schönste Skisprunganlage. Die großzügig adaptierte Holmenkollen-Arena, in der auch die verbreiterten Wettkampf-Loipen enden, bietet 30.000 Zusehern Platz. Events wie die Langlaufstaffel der Männer am 4. März waren innert weniger Stunden nach Freigabe der Tickets ausverkauft. Insgesamt werden 350.000 Zuseher erwartet. Es können aber leicht auch mehr werden.

Dem Anlass entsprechend hat sich auch der österreichische Skiverband (ÖSV) nicht lumpen lassen und ein Rekordaufgebot von 24 Athleten nach Oslo entsandt. Auch für den ÖSV darf Oslo nicht Liberec werden. In Nordböhmen errangen einzig die Skispringer Medaillen, zweimal Gold, einmal Silber. Das reichte im Medaillenspiegel immer noch zu Rang vier.

Das bisher beste ÖSV-Ergebnis - dreimal Gold sowie je einmal Silber und Bronze 1991 in Val di Fiemme - könnte in Oslo durchaus übertroffen werden. Schließlich gibt es für die Skispringer einen zusätzlichen Teambewerb auf der Normalschanze. Und die Kombinierer, ohne Felix Gottwald in Liberec maßlos enttäuschend, haben Gottwald zurück und ebenfalls vier Bewerbe. Ernst Vettori, der zuständige Sportdirektor, wollte einerseits nicht "nicht tiefstapeln", andererseits seine Erwartungen nicht beziffern.

Österreichs Langläufer, die Vettori nicht verantwortet, haben nichts zu gewinnen außer Erfahrungen. Weshalb von Sportchef Markus Gandler auch neun Männer und die ohnehin erfahrene Katerina Smutna nominiert wurden. Hätten sie auf dem Universitätsplatz anlässlich der Generalprobe einen österreichischen Langlaufsieg verkündet, der Heiterkeit wäre auch von der Hymne keine Grenzen gesetzt worden. Denn die Norweger sind nicht nur begeisterte Gastgeber, sie kennen sich auch gut aus in der Szene. (DER STANDARD PRINTAUSGABE 23.2. 2011)

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    Der neue Holmenkollenbakken im Hintergrund ist sehenswert, aber nicht alle haben Zeit und Luft fürs Sightseeing.

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