Entfernter Verwandter

22. Februar 2011, 17:29
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Lustvoll schräger ZDF-Krimi - Das war alles zusammen ein bisschen wie "Pulp Fiction" am Land

Schaut man deutsche Krimis, braucht es eine gewisse Leidensfähigkeit. Schon deshalb, weil man nach zehn, zwölf "Tatort"-Folgen die Besetzungsliste der Guten, der Bösen, der Gemeinen, der frühen Opfer und ewigen Witwen schon einmal rauf und runter erlebt hat.

Ein entsprechendes Déjà-vu gab es am Montagabend im ZDF-Krimi "Mörderisches Wespennest". Thomas Thieme, Uwe Bohm, der ewige Fiesling Karl Kranzkowski sowie Hinnerk Schönemann als Hauptdarsteller Finn Zehender sind leidlich bekannt, der Rest der Besetzung fiel nicht weit vom Stamm.

Aber: Selten sah man einen so lustvoll schrägen deutschen Krimi, in dem der Begriff "entfernter Verwandter" mit der an einem Familienmitglied vorgenommenen Abtreibung in Zusammenhang gebracht wurde.

Das war nur der Anfang einer in der deutschen Provinz angesiedelten Geschichte, in der ein ehemaliger Polizist, der sich nun als mäßig begabter Privatdetektiv verdingt, einen vermeintlichen Selbstmord als gemeinen Mord aufdecken soll.

Bis das unter Beihilfe einer Jus-Studentin, die sich als Staatsanwältin ausgibt, gelingt, wird Uwe Bohm in einer Rangelei gemein in den Fuß geschossen, verhaut ein Dorfpolizist seinen Selbstmord, verhindert eine Polizei-Anfängerin an ihrem neunten Tag im Dienst einen mehrfachen Mord.

Das war alles zusammen ein bisschen wie "Pulp Fiction" am Land - was natürlich nichts Neues ist. Aber der Lauf der Geschichte kaschierte das wacker, und die durchwegs großartigen Darsteller verkörperten den Geist der korrupten Provinz bis zum dümmsten Gesichtsausdruck. Sex, Crime und Memory (das Kinderspielchen) wurden noch nie besser in einem Drehbuch verarbeitet als hier. (Karl Fluch/DER STANDARD; Printausgabe, 23.2.2011)

  • Hinnerk Schönemann als Hauptdarsteller.
    foto: ard

    Hinnerk Schönemann als Hauptdarsteller.

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