Hoffen auf Vorstandsfrauen bei BIG und Verbund

22. Februar 2011, 18:00
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Mitterlehner will mehr Frauen in den Aufsichtsräten - Sein (männlicher) Kabinettschef sitzt im Verbund

Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner will bis 2013 ein Viertel aller Aufsichtsräte von staatsnahen Betrieben mittels Selbstverpflichtung mit Frauen besetzen - und stößt damit beim Koalitionspartner erwartungsgemäß auf Zustimmung. Bei der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) hat er das Ziel schon erreicht, beim Verbund, das ebenfalls direkt dem Wirtschaftsministerium unterstellt ist, könnte Mitterlehner selbst aktiv werden.

Beispiel BIG: Von vier Aufsichtsräten ist einer weiblich. Die Immobilienexpertin Michaela Steinacker (Vorstand Raiffeisen Holding) führt den Vorsitz. Durch das plötzliche Ausscheiden von BIG-Vorstand Christoph Stadlhuber (über seine künftige Tätigkeit hüllt er sich noch in Schweigen) wird derzeit ein Nachfolger gesucht. Käme eine Frau zum Zug, wäre der Vorstand sogar zu 50 Prozent weiblich.

Beim Verbund hätte Mitterlehner Handlungsbedarf. Im zehnköpfigen Aufsichtsrat ist lediglich eine Frau: Christa Wagner, Chefin von Josko-Fenster. Und so rasch dürfte sich dort nichts ändern, weil die Mandate erst im Vorjahr um fünf Jahre verlängert wurden. Allerdings könnte auch hier der Aufsichtsrat bei der aktuellen Suche nach einem neuen Vorstand mit gutem Beispiel vorangehen und einer Frau den Vorzug geben. Derzeit ist im Verbund-Vorstand mit Ulrike Baumgartner-Gabitzer lediglich eine Frau vertreten.

Interessant in diesem Zusammenhang ist der zum Infrastrukturministerium ressortierende Straßenbetreiber Asfinag: Ministerin Doris Bures hat im Sommer des Vorjahres die Verfassungsrichterin Claudia Kahr an die Aufsichtsratsspitze gesetzt. Dabei war man politisch schon jemand anderem im Wort: Dem künftigen ÖIAG-Chef und derzeitigen Generalsekretär der Industriellenvereinigung, Markus Beyrer. Gemeinsam mit der neuen Kabinettschefin von Bures, Maria Kubitschek (seit Februar 2011 im Amt, bisher Arbeiterkammer), sind bei der Asfinag zwei von fünf Aufsichtsratmandaten mit Frauen besetzt.
Kubitschek ist übrigens die einzige Frau im sechsköpfigen ÖBB-Holding-Aufsichtsrat, und es ist noch nicht sicher, ob sie als Kabinettschefin von Bures in der ÖBB und Asfinag bleiben wird. Intern wird auf einen Parallelfall verwiesen: Im Verbund-Aufsichtsrat sitzt seit dem Vorjahr mit Harald Kaszanits ebenfalls der Kabinettchef von Mitterlehner. (Claudia Ruff, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 23.2.2011)

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