Neue Technik misst genauer

  • Derzeit noch Standard: Blutdruckmessung nach Riva-Rocci
    foto: apa/thomas kienzle

    Derzeit noch Standard: Blutdruckmessung nach Riva-Rocci

Nicht-invasive Blutdruckmessung ermittelt Blutdruck in Herznähe - System wird laut Experten die Einschätzung des Infarktrisikos erleichtern

Leicester - Eine neue Technologie verspricht eine Revolution der Blutdruckmessung und der medizinischen Vorsorge. Denn Forscher an der University of Leicester haben in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen HealthSTATS ein Gerät entwickelt, das mittels einer Messung am Arm den zentralen arteriellen Blutdruck nahe am Herzen abschätzt. Dieser war bislang nur mit invasiven Methoden messbar.

"Das wird aktuelle Methoden nicht über Nacht ablösen, ist aber ein gewaltiger Fortschritt", meint Bryan Williams, Professor für Medizin in Leicester. Denn sein Team ist der Ansicht, dass dank der neuen Messmethode eine bessere Abschätzung von Herzinfarkt- oder Schlaganfallrisiken möglich wird.

Echter Blutdruck

Um den systolischen Blutdruck in Herznähe zu messen, war es bislang nötig, einen Drucksensor in die Blutbahn einzubringen. Daher erfolgen Routinemessungen derzeit am Arm, weil das bequem möglich ist. Doch der so erhaltene Wert liegt höher, als das bei einer Messung direkt an der Aorta der Fall wäre. Gerade bei jungen Menschen mit gesunden Blutgefäßen fällt der Unterschied oft deutlich aus, betont man an der University of Leicester.

Das neue System ist nun dazu gedacht, den tatsächlichen Blutdruck in Herznähe nicht-invasiv abzuschätzen. Die Lösung umfasst einen Sensor, der wie eine Uhr am Handgelenk getragen wird. Das ist Testpersonen zufolge einfach und bequem zu handhaben. Das Gerät misst die Pulswelle des Trägers. Mithilfe mathematischer Modelle erlaubt das Wissenschaftlern, den Blutdruck in Herznähe zu ermitteln.

Risikoeinschätzung

Williams ist davon überzeugt, dass das neue Gerät von großer Bedeutung für die medizinische Risikoeinschätzung sein wird. "Man kann kaum gegen die Annahme argumentieren, dass der Blutdruck nahe Herz und Gehirn wohl mehr über das Risiko eines Schlaganfalls oder von Herzerkrankungen aussagt als jener im Arm", erklärt der Mediziner. Noch ist aber offen, ob die Methode in Zukunft routinemäßig zum Einsatz kommt. Williams zufolge muss erst genauer untersucht werden, ob das Messverfahren wirklich bei allen Patienten und Erkrankungen zu bevorzugen ist.

HealthSTATS geht ebenfalls davon aus, dass das Gerät große Bedeutung haben wird. Denn Ärzte und Patienten werden den zentralen arteriellen Blutdruck selbst daheim ermitteln können. Das kann die Behandlung von blutdruckbedingten Erkrankungen revolutionieren, so HealthSTATS-CEO Choon Meng Ting. Ferner sei das Messgerät für klinische Studien von Pharmafirmen interessant. "All das wird letztendlich Kosteneinsparungen für Patienten bedeuten, die Zahl an Schlaganfällen und Herzinfarkten reduzieren und mehr Leben retten", meint Ting.  (pte)

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