Von wegen "Gleichheit"

23. Februar 2011, 07:00
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Depressionen, Populärkultur und Politisches sind die Themen der prämierten Blogs 2010 und was es sonst noch Wichtiges in der Blogosphäre gab

Vor ein paar Wochen haben wir sie angekündigt (Bloggerin 2010: Wer bastelte kritisierte und analysierte ambesten), die Wahl der Bloggerin 2010 auf Mädchenmannschaft.net. Und seit Anfang Februar steht sie fest: Gewonnen hat den Run auf die Trophäe der Blog drüberleben. Autorin Kathrin schreibt dort über ihr Leben mit Depressionen, an denen sie seit neun Jahren leidet, das soll sich aber bald ändern. Denn sie kündigt Neuerungen für ihren Blog an, was weniger mit der Auszeichnung zu tun hat, sondern mit der Absetzung jeglicher Medikamente. Das bedeutet für die Autorin einen derartig großen Einschnitt, dass sie sogar überlegte, den Blog zu löschen. Schließlich entschloss sie dennoch, weiterhin auf drüberleben zu schreiben, die Themen sollen aber nicht wie bisher auf die Erkrankung Depressionen fokussieren, sondern sollen sich auch um Dinge drehen, "die mich unabhängig von einer Erkrankung beschäftigen". Wir können also gespannt sein, wie sich die Seite des Bloggermädchens 2010 in den nächsten Monaten entwickelt

Lesenswerte Geschmacksnote

Auf dem zweiten Platz landete knapp vor Antje Schrupp Anke Groener. Die Zweitplatzierte schreibt über eine erstaunliche Anzahl von Filmen und über eine beachtliche Menge von Serien. Auch bei kulinarischen Fragen hilft Anke Grönner weiter - in allen drei Kategorien beweist sie eine interessante und vor allem lesenswerte Geschmacksnote.

Antje Schrupp bekam für ihre Sammlung "rund um die Arbeit der sexuellen Differenz" den dritten Platz. Sie ärgert sich in ihrem aktuellen Blogeintrag gerade über den Slogan des Deutschen Frauenrats zum 100. Jubiläum des Internationalen Frauentages. "Zur Sonne zur Gleichheit" steht da auf einem Flyer. Keine sinnvolle Forderung ist das für Antje Schrupp, Gleichheit könne, wenn überhaupt, "nur in konkreten Kontexten eine sinnvolle Forderung sein", schreibt sie. Eine historische Bedeutung will sie dem Begriff "Gleichheit" aber dann doch nicht streitig machen. 

Politische/feministische Kommentare, Populärkultur samt Menü und das Schreiben über Krankheit - das sind also die Blog-Themen, mit denen sich Preise gewinnen lassen.

Und noch feministische Kunst

Kunst fehlt in dieser Themen-Liste vielleicht noch. Dazu kann aber der Beitrag von Annalist wärmstens empfohlen werden. Der Blog berichtet von der Europapremiere von Lynn Hershman Leesons Film "Woman Art Revolution - A Secret History" bei der diesjährigen Berlinale.

 

 

Die 70-jährige Künstlerin und Filmemacherin präsentiert darin gesammelte Künstlerinnen-Interviews, wichtige Performances, Installationen und Reaktionen wie etwa die des Republikaners Robert K. Dornan, der in den auf Tellern gemalten Vaginas vielmehr Pornographie denn Kunst verstehen will. Mit diesen Materialen aus 40 Jahren gibt Lynn Hershman Leeson einen spannenden und längst überfälligen Ein- und Überblick in das feministische Kunstschaffen. Und weil in Sachen Sichtbarkeit und Anerkennung noch einiges zu tun bleibt, ist auch die Idee eines umfangreichen Archivs interessant, das durch die Seite RAW WAR entstehen soll, wie Annalist berichtet. Dort können die Künstlerinnen ihre Arbeiten selbst hochladen und so einen neuen Kanon erschaffen. (beaha, dieStandard.at, 23.2.2011)

  • Annalist berichtet von der Europapremiere von Lynn Hershman Leesons Film 
"Woman Art Revolution - A Secret History" bei der diesjährigen 
Berlinale.
    screenshot youtube "woman art revolution - a secret history"

    Annalist berichtet von der Europapremiere von Lynn Hershman Leesons Film "Woman Art Revolution - A Secret History" bei der diesjährigen Berlinale.

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