Holzgruppe Egger holt sich Geld vom Kapitalmarkt

22. Februar 2011, 13:47
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Wien - Der Tiroler Holzwerkstofferzeuger Egger holt sich 100 bis 175 Mio. Euro vom Kapitalmarkt. Zu diesem Zweck legt das Unternehmen eine Anleihe mit einer Laufzeit von 7 Jahren und einem endfälligen Zins von circa 5,75 Prozent auf. Mit einer Stückelung von 500 Euro sei die Anleihe gut für Privatanleger geeignet, sagte Bank Austria-Vorstand Helmut Bernkopf am Dienstag vor Journalisten. Die Erste Bank und die Bank Austria sind die Lead Manager der Emission. Der endgültige Zinssatz, der Emissionskurs und das genaue Emissionsvolumen werden erst kurz vor Beginn der Zeichnungsfrist (25. Februar bis 2. März) festgelegt und veröffentlicht.

Ein Teil des Geldes soll zur Tilgung von Verbindlichkeiten genutzt werden. Mit dem Rest werde man die Wachstumsstrategie des vor allem für seine Spanplatten bekannten Holzwerkstoffherstellers finanzieren. Besonders in Russland und der Türkei sehe man "großes Potenzial" für Wachstum über Akquisitionen und den Bau neuer Werke, sagte Finanzchef Thomas Leissing. In der Türkei würden sehr viele junge Menschen leben, "die in den nächsten Jahren viele Wohnungen bauen werden". Bisher sei man vor Ort mit einem zugekauften Hersteller von Plastikkanten präsent, bald soll ein eigenes Werk für Holzprodukte folgen.

Mit den letzten zwei Anleihen in den Jahren 2005 und 2010 habe das Unternehmen "sehr gute Erfahrungen gemacht", sagte Leissing. Bei der vorletzten Emission hätten noch hauptsächlich institutionelle Anleger das Papier gezeichnet, man habe aber im Vorjahr auch viele private Sparer angelockt. "Das freut uns natürlich sehr." Die Erste Bank gibt sich als einer der "Lead Manager" optimistisch: "Die Egger-Anleihe wird vom weiterhin attraktiven Zinsniveau und der guten Bonität des bekannten Holzwerkstoffherstellers profitieren", so Erste Vize-Chef Franz Hochstrasser.

Die familiäre Eigentümerstruktur durch die Brüder Michael und Fritz Egger bezeichnet die Unternehmensleitung als Vorteil. "Der Anleger braucht keine Angst haben, dass wir übernommen werden", versicherte Leissing. Anders als ein börsenotiertes Unternehmen stehe man nicht unter dem Druck, Dividende ausschütten zu müssen. "Dadurch können wir uns auf das operative Geschäft konzentrieren." Egger produziert an 16 Standorten in ganz Europa verschiedene Holzwerkstoffe (Span-, OSB- und MDF-Platten) und beschäftigt nach eigenen Angaben rund 6.000 Mitarbeiter.

Auch in Zukunft will sich die Gruppe mit Sitz in St. Johann in Tirol auf den europäischen Markt konzentrieren: "Natürlich ist das Wachstum in Südamerika reizvoll, wir wollen aber lieber als Einheit in Europa bleiben", berichtete Leissing. Neue Märkte sieht Egger in Osteuropa ("inklusive Russland und Türkei"), in Westeuropa wolle man vor allem über Marktanteile und Innovationen wachsen. Nach eigenen Angaben macht das Unternehmen 70 Prozent seines Umsatzes in Westeuropa, 25 Prozent in Osteuropa und rund 5 Prozent in Übersee. Zuletzt hat die Holzgruppe einen Hersteller von Plastikkanten in der Türkei zugekauft und investiert dort auch in eine neue Anlage.

Im Geschäftsjahr 2009/2010 erzielte das Unternehmen mit einem Umsatz von rund 1,5 Mrd. Euro einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 236 Mio. Euro. Im ersten Geschäftshalbjahr 2010/11 seien die Margen wegen steigender Rohstoffpreise allerdings von 17,2 auf 13,9 Prozent zurückgegangen, das Ergebnis trotz steigenden Umsatzes (plus 18 Prozent) leicht gesunken. Die Weitergabe der höheren Preise an die Kunden könne nur zeitversetzt erfolgen, sagte Leissing.

Neben dem Holzwerkstofferzeuger gehört zu den Egger-Brüdern auch eine Getränkesparte mit Sitz im niederösterreichischen Unterradlberg. "Die beiden Geschäftsbereiche sind aber klar getrennt.", sagte Egger-Vertriebsleiter Ulrich Bühler. (APA)

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