Agrana expandiert in Russland

22. Februar 2011, 13:14
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Fruchtsegment als Wachstumstreiber

Moskau - Der börsenotierte Zucker-, Stärke- und Fruchtkonzern Agrana will am russischen Markt weiter expandieren und vom starken Wachstum bei Milchprodukten profitieren. Der Konzern investiert dafür in den nächsten fünf Jahren 27,6 Mio. Euro in den Ausbau des im Jahr 2005 gestarteten Fruchtzubereitungswerkes in Serpuchow, rund 100 Kilometer südlich von Moskau. Agrana veredelt in diesem Werk Obst und Beeren zu Fruchtzubereitungen, vor allem für Molkereien. "Fruchtjoghurts erfreuen sich in Russland und den angrenzenden Nachbarstaaten mit zunehmenden Wohlstand und Gesundheitsbewusstsein wachsender Beliebtheit", sagte Agrana-Vorstandsvorsitzender, Johann Marihart, vor Journalisten in Moskau. Russland kann seinen stark steigenden Bedarf nach Milch und Milchprodukten aber nicht selbst decken und ist auf Importe unter anderem aus Weißrussland angewiesen. Die schlechte Versorgung hat auch den Milchpreis in die Höhe getrieben. Ein Liter Frischmilch kostet derzeit im Supermarkt in Moskau rund 35 Rubel (0,87 Euro). Zum Vergleich: Für einen Liter Benzin bezahlt man rund 25 Rubel (0,62 Euro). Am russischen Milch-Produkte Markt gibt es noch großes Wachstumspotenzial: Der russische Joghurtkonsum pro Kopf ist derzeit mit 3,5 Kilogramm pro Jahr im Vergleich zu 16,5 kg/Jahr in Westeuropa noch sehr niedrig. Der Markt für Joghurts wächst laut dem russischen Milchverband jedes Jahr um 40 bis 50 Prozent, besonders stark entwickelt sich der Markt für Joghurts mit Fruchtstücken. Die Agrana will deswegen die Produktionskapazität in Serpuchow für Fruchtzubereitungen mit dem Ausbau des Werks von derzeit 38.000 Tonnen auf 62.000 Tonnen steigern. Derzeit hält die Agrana in Russland mit einem Jahresumsatz von rund 55 Mio. Euro einen Anteil von 48 Prozent am Fruchtzubereitungsmarkt. Ziel sei es, in Russland mindestens den Marktanteil zu halten und mit dem Markt mitzuwachsen, so Alfred Marchler, verantwortlich bei Agrana für Russland. Der Marktanteil von Agrana bei Fruchtzubereitungen beträgt beispielsweise in Österreich schon rund 75 Prozent und in den USA 60 Prozent. Die schlecht entwickelte russische Molkerei-Industrie hat ausländische Konzerne wie PepsiCo, Danone und Campina in den vergangenen Jahren nach Russland gelockt. Der US-Konzern PepsiCo zahlte im Dezember 2010 rund 3,8 Mrd. US-Dollar (2,78 Mrd. Euro) für die Zwei-Drittelmehrheit an Wimm-Bill-Dann. Das Unternehmen ist mit einem Marktanteil von 38 Prozent der größten Milchprodukte-Hersteller Russlands. Die Agrana ist in den vergangenen Jahren mit der Expansion der Milch-Konzerne mitgewachsen. Bei Danone liefert Agrana in Russland rund 90 Prozent der Fruchtzubereitungen. Für das Geschäftsjahr 2010/11 erwartet Marihart im Konzern ein Umsatzwachstum im Vergleich zum Vorjahr von 5,5 Prozent auf 2,1 Mrd. Euro und "ein ganz gutes Ergebnis". Weiters peilt der Agrana-Chef für 2011/12 einen Konzernumsatz von 2,2 Mrd. Euro an. Das Frucht- und Stärkesegment werde deutlich wachsen und das Zuckergeschäft stabil bleiben. Im anhängigen Verfahren beim Kartellgericht gegen Agrana wegen eines angeblichen Zuckerkartells erwartet Marihart in einem "halben Jahr" eine Entscheidung. Er sehe aber keine ausreichenden Gründe für Rückstellungen. (APA)

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