Tumulte in Libyen befeuern Ölpreise und sichere Häfen

22. Februar 2011, 18:42
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Industriestaaten könnten Lieferprobleme mit ihren Reserven ausgleichen

Wien - Die politischen Unruhen in Nordafrika haben in den vergangenen Tagen voll auf den Ölmarkt durchgeschlagen. Ein Fass Rohöl der Marke Brent hat sich in den vergangenen Tagen von knapp 100 auf knapp 107 Dollar je Fass verteuert, und ist damit so teuer wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Auch ein Barrel der Marke Western Texas Intermediate stieg am Dienstag um knapp acht Prozent, bleibt aber deutlich unter dem vergleichbaren Wert für ein Fass Brent-Rohöl (siehe Grafik).

Die hohen Ölpreise belasten die Kapitalmärkte weltweit. Aktien in den asiatischen Schwellenländern, die zuletzt hohes, energieintensives Wachstum verzeichneten, sind zum Teil stark gefallen. Der Leitindex in Hong Kong, der Hang Seng, schlitterte mehr als zwei Prozent ins Minus, der chinesische Aktienindex in Shanghai um 2,6 Prozent. Analysten des Hong Konger Finanzunternehmens Gavekal warnen in einem aktuellen Papier:"Asiatische Unternehmen sind anfälliger für Ölschocks, weil das Wachstum in Asien Energie-intensiver ist und Energie auch einen größeren Anteil am Verbraucherpreisindex hat." Die höheren Energiepreise dürften daher den Druck auf asiatische Zentralbanken deutlich erhöhen.

Die US-Ratingagentur Standard &Poor‘s sieht aber eine ähnliche Herausforderung für die Notenbanken in Europa. "Die Inflation in der Eurozone folgt eng den Bewegungen der internationalen Ölpreise, mit ein paar Monaten Verzögerung," betont Jean-Michel Six, S&P-Ökonom. Doch der Anstieg der Teuerung sei nicht nur auf den Ölpreis zurückzuführen, sondern auch auf einen Strukturbruch. In den vergangenen zehn Jahren hätten Schwellenländern mit billigeren Exportgütern die Inflation in den Industrienationen niedrig gehalten. Doch auf diese "Disinflation" könnten die entwickelten Staaten nicht mehr hoffen, "weil die Inputkosten in Schwellenländern steigen."

Ökonomen warnen zudem, dass die höheren Ölpreise den Aufschwung abwürgen könnten. Die Preise für das Industriemetall Kupfer, dessen Preis sensibel auf Konjunkturerwartungen reagiert, ist in den vergangenen acht Tagen um über 5,5 Prozent gefallen.

Gefragt bleiben hingegen die Krisenmetalle Gold und Silber. Die Unze Gold konnte die 1400 Dollar Marke verteidigen. Silber verteuerte sich auf 33 Dollar je Unze. Auch der Preis für Kakao stieg um drei Prozent, auf den höchsten Stand seit Juli 2010.

Mailänder Börse geschlossen

Ein technisches Gebrechen hat den Handel an der Mailänder Börse am Dienstag zum Erliegen gebracht. Der Grund für den vollständigen Handelsstopp wurde nicht bekannt, aber italienische Händler verwiesen auf das hohe Umsatzvolumen am Montag. An dem Tag stürzte die italienische Börse wegen der Unruhe in Libyen mehr als 3,6 Prozent ab. Besonders jene Aktien wurden verkauft, die eng mit Libyen verflechtet sind, etwa die Großbank Unicredit oder der Energiekonzern Eni. (Lukas Sustala, DER STANDARD; Printausgabe, 23.2.2011)

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