Klimawandel nicht alleinige Ursache für Gletscherschmelze

22. Februar 2011, 22:03
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Studie: Ruß leistet erheblichen Beitrag zum Rückgang der Himalaya-Gletscher

Villigen - Ob Alpen oder Himalaya: Die Klimaerwärmung ist nicht alleinige Ursache für den Zurückgang der Hochgebirgs-Gletscher. Einen nicht unerheblichen Beitrag leisten Rußablagerungen, wie das Schweizer Paul Scherrer Institut (PSI) in Villigen mitteilte. Ruß entsteht, wenn Brennstoffe wie Kohle, Öl oder Holz unvollständig verbrannt werden.

Die Teilchen werden von Winden weggetragen und gelangen bis auf höchste Gipfel. Setzen sie sich auf hellen Oberflächen wie Gletschern ab, werden diese dunkler. Das führt dazu, dass diese weniger Sonnenstrahlung reflektieren und sich so stärker aufheizen. Wie viel dies zur Gletscherschmelze beiträgt, war bisher nicht klar.

Rußspuren zwischen 1860 und heute

Ein Forschungsteam um Margit Schwikowski vom PSI hat die Frage nun im Himalaya-Gebirge untersucht. Dazu entnahmen die Wissenschafter an der Nordflanke des Mount Everests auf 6.500 Metern Höhe einen 108 Meter langen Eisbohrkern. Darin ließ sich detailliert verfolgen, welche Spurenstoffe vom Jahr 1860 bis heute im Schnee enthalten waren.

Unter anderem bestimmten die Forscher mit einem Lasergerät, wie viel schwarzen Ruß die Schneeschichten enthielten. Wie sie im Fachmagazin Geophysical Research Letters berichten, waren die Messungen so genau, dass sich sogar Schwankungen innerhalb einzelner Jahre ausmachen ließen.

Es zeigte sich, dass die Menge der Rußablagerungen während des Jahres stark schwankt. Sie ist im Winter und Frühjahr am größten, wenn Winde aus Südwest den Ruß aus Südasien und dem Nahen Osten in den Himalaya transportieren. Im Sommer ist die Rußmenge deutlich geringer - der Monsunregen wäscht die Partikel aus der Atmosphäre.

In den Wintermonaten trage der Ruß etwa gleich stark zur Schmelze der Gletscher bei wie die Klimaerwärmung, wird Margit Schwikowski im Communique zitiert. Weil der Großteil des Rußes wohl vom Menschen in die Atmosphäre entlassen wird, würde eine Senkung der Emissionen zur Verlangsamung der Gletscherschmelze beitragen.

Seit 1975 verdreifachte Wirkung

Insgesamt trägt Ruß seit 1975 dreimal mehr zur Gletscherschmelze im Himalaya bei als in vorindustrieller Zeit. Bis 1990 beobachteten die Forscher einen Anstieg, seither bleibt der Rußgehalt etwa konstant. Das dürfte darauf zurückzuführen sein, dass der Schadstoffausstoß in Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion gesunken ist.

Wind trägt aber nicht nur Russ in die Berge, sondern auch Gesteinsstaub aus den umliegenden trockenen Regionen. Dabei konnten die Forschenden zeigen, dass Russ deutlich stärker zur Erwärmung des Gletschers beiträgt als der Staub und dass sich die Staubmenge im Himalaya seit 1860 nicht verändert hat, so dass der Russ wohl menschengemacht ist, der Staub aber nicht.

Nun wollen die PSI-Forscher um Margit Schwikowski abklären, welche Rolle der Ruß für die Gletscher in der Schweiz spielt. Untersucht wird in dem bereits laufenden Projekt auch, inwieweit Algen dazu beitragen, dass die Gletscheroberfläche im Spätsommer dunkler wird und sich dadurch rascher aufheizt. (red/APA/sda)

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    Ruß, der sich auf den Gletschern des Hochgebiurges absetzt, kann zum Abschmelzen der Eismassen erheblich beitragen.

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