Schöner Rücken, große Klappe

22. Februar 2011, 17:00
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Der A7 Sportback ist nicht nur ein Coupé mit vier Türen, sondern sogar mit praktischer Heckklappe. Und, in diesem Fall, mit Allrad. Also quattro

Ganz so leicht wie das A5-Coupé macht es uns der A7 stilistisch nicht. Er fährt nicht einfach so ins Auge und bleibt dann, wie der A5, für immer als Boah-Reflex haften. Nein, der A7 will ästhetisch erarbeitet werden, erobert, wie eine spröde Schöne, wenn das Bild heute noch erlaubt ist. Ist diese Arbeit geleistet, zeigt sich der Neuling als das, was er ist: ein Audi in Bestform - in fast jeder Hinsicht.

Zur Testwagen-Konfiguration. 3,0 TDI quattro. Die nicht nur winters optimale Wahl, wenn es um souveränen Vortrieb bei vernünftigen Verbrauchswerten geht, inklusive Entfaltung der firmentypischen spurtreuen Traktionsphilosophie namens quattro, fragen Sie den Eskimo-Opa.

Die Verantwortung über die Weiterreichung der 500 Newtonmeter Drehmoment des 245-PS-Diesels an besagtes Gripkompetenzzentrum quattro, also an alle vier Räder, übernimmt ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe - die noch um ein Stück fantastischere 8-Gang-Wandlerautomatik von ZF bleibt einstweilen dem Flaggschiff A8 vorbehalten, ein bisserl Unterschied muss sein.

Aufgefallen ist im Fahrbetrieb, dass das Start-Stopp-System nicht ganz so rigoros eingreift wie bei anderen Konzernprodukten, etwa VW Touareg (mit 6-Gang-Automatik). Der Selbstzünder, der den Sprit für sechs Häferln nach Common-Rail-Art anrichtet, ist ein kultivierter Geselle. Beim Testwagen machte sich jedoch im Leerlauf - sofern da der Motor nicht mittels Start-Stopp in den temporären Ruhestand geschickt worden war, "tacet" sagt der Musiker dazu - mitunter ein deutliches Vibrato bemerkbar, ein unerwarteter Kontrapunkt zur sonstigen wohltemperierten Laufharmonie.

Apropos Ruhe: Der A7 ist innen generell leise - im neuen A6, behaupten wir einmal, geht's aber noch einen Hauch stiller zu. Weil, nämlich. Die Auslegung als 4-türiges Coupé bedingt gesteigerte Ästhetik auch in Form rahmenloser Seitenscheiben. Was dann dazu führen kann, dass man meint, die Tür nicht ganz geschlossen zu haben. Rührt aber eben daher, dass die Scheiben akustisch nicht ganz so perfekt abzudichten sind wie bei Türen mit Rahmen (A6).

Zum Fahrwerk. Luftfederung, deren Können der Erwartungshaltung angemessen, also kon- bis grenzgenial ist, von komfortabel bis dynamisch, mehr ist dazu echt nicht zu sagen. Auch beim Interieur beschränken wir uns auf das oben gesagte: Audi in Bestform.

Platzverhältnisse? Der A7 bietet (laut Typisierung leider nur) vier Erwachsenen standesgemäß Unterkunft. Beim Kofferraum entpuppt sich, klar, die Heckklappe als besonders schlaue, praktische Lösung, wie schon beim A5 Sportback. Anders als dort (480 bis 980 l) steckt der im A7 aber auch schon im Basiszustand (535 l) wirklich was weg und überbietet trotz des flotten Hecks den entsprechenden Wert im neuen A6 um fünf Liter.

Noch ein letztes Wort. Nachtschicht-, pardon: Nachtsichtgerät. So was hätte sich mancher seinerzeit bei der Ausbildung beim Bundesheer, Jagdpanzer, gewunschen (jetzt aber eh egal, weil Panzerwaffe vom Verteidigungsverhinderungsminister quasi abgeschafft). Jedenfalls, da sehen wir nächtens zwischen Tacho und Drehzahlmesser Gestalten lustwandeln, von merkwürdigen grünen Rähmchen markiert. Wären diese rot, bestünde höchste Bremsbereitschaftsstufe - was während der Testfahrten natürlich nicht passierte. Aber man kann ja nie wissen. Besser (nachtsichtig) sein als (Unfall mit Personenschaden) haben. Sagte schon der Erich Fromm. Feine Sache, feines Auto. (Andreas Stockinger/DER STANDARD/Automobil/18.02.2011)

Link: Audi

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  • Er gewinnt Designpreise am laufenden Band, der A7, der sich zwischen A6 
und A8 schiebt.
    foto: fischer

    Er gewinnt Designpreise am laufenden Band, der A7, der sich zwischen A6 und A8 schiebt.

  • Beim Interieur durften die Innenausstatter auditypisch 
loslegen, im Testwagen gefiel besonders das "Nussbaumwurzelholz 
dunkelbraun".
    foto: fischer

    Beim Interieur durften die Innenausstatter auditypisch loslegen, im Testwagen gefiel besonders das "Nussbaumwurzelholz dunkelbraun".

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    foto: fischer
  • Dank großer Klappe ist das Fließheckcoupé auch noch 
richtig alltagstauglich.
    foto: fischer

    Dank großer Klappe ist das Fließheckcoupé auch noch richtig alltagstauglich.

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