Elastizität, von außen nicht sichtbar, aufwendig messbar

22. Februar 2011, 11:35
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Skieigenschaften bloß über die Geometrie zu reglementieren, ist zu kurz gegriffen

"Man tut nichts, dabei wäre es eigentlich sehr einfach. Die Skier sind zu aggressiv und zu breit, die Skier müssen schmäler und länger werden", sagte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel. Dear Mr. President, this is too short sighted, even for the public opinion of a too small country. Hier geht es nicht darum einen Schuldigen zu finden, sondern die tieferen Ursachen. Skieigenschaften bloß über die Geometrie zu reglementieren, hat bereits zu zahlreichen schmerzhaften Folgen geführt. Und der FIS den schwarzen Peter umzuhängen, mag zwar die eigene Weste kurzfristig sauber erscheinen lassen, am Ende des Spiels muss allerdings mit Fakten und umfassenden Lösungen gestochen werden.

Fakt ist, dass man bei Materialveränderungen das ganze System betrachten muss. Mensch, Ski, Bindung, Schuh, Schneebeschaffenheit und Kurssetzung sind ein untrennbares Gefüge im Rennlauf. Und ebenso kann man bei der Betrachtung der Ski nicht nur vom Populären weil Sichtbaren ausgehen. Wenn engagierte Altherren-Rennläufer das Thema Sicherheit lediglich an Standhöhe, Konstruktionsradius, Länge und Skibreite festmachen, mag dies vielleicht vom Herzen kommen. Von Skiverstand zeugt es nicht.

Das Thema Elastizität

Bei genauerem Hinsehen, könnte auch der Laie feststellen was der Profi-Kommentator nicht bemerkt. Armin Assinger zeigte zwar kürzlich die Aufnahme eines extrem durchgebogenen Skis. Er kommentierte allerdings nur in vollmundiger Shopflex-Manier: "Schaugts her Leitln, was das Material alles aushalten muss." Doch Rennski halten nicht nur etwas aus, sie zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie an einigen Stellen extrem elastisch sind und an anderen weniger nachgeben. 

Hier wird es richtig interessant und die These vom Ski-Rückbau ad absurdum geführt. Wenn ein Ski an der Schaufel bis zum Halbkreis flexen kann, versetzt er den Fahrer in die Lage, den Kurven-Radius durch sein persönliches Zutun dramatisch zu verringern. Auch das bemerken die wenigsten Kollegen, die sich in die Kommentatoren-Ecke begeben haben und aus sicherer Position über Beschleunigung oft haarsträubendes fabulieren und im gleichen Atemzug noch immer vom Innenskifehler schwätzen.

Von außen nicht sichtbar, aufwendig messbar

Bleiben wir beim Ski. Seine Geometrie - Konstruktionsradius, Länge und Breite - die der gängigen FIS Norm entsprechen muss ist eine Sache. Maßgeblich für das Ski-Fahrverhalten sind überdies besonders die Elastizitäts-Parameter. Von außen nicht sichtbar, aufwendig messbar und deshalb kaum regulierbar, bieten sie jede Menge Spielraum. Ein relativ langer Ski mit großem Kurvenradius lässt sich durch Flex & Co. im Hinblick auf seine Carving-Eigenschaften richtiggehend auffrisieren. 

Die bisher getroffenen Ski-Regulative haben deshalb schon tief in eine Sackgasse geführt. Man muss der FIS allerdings zugute halten, dass sie Wegen aus dieser Sackgasse schon länger auf der Spur ist. Gemeinsam mit Experten aus unterschiedlichen Fachgebieten und endlich der SRS (Ski Racing Suppliers) - der Vereinigung der Ski-Rennausrüster und der Universität Salzburg wird fundiert und wissenschaftlich geforscht. Es zeugt von Seriosität, dass bis zur Findung handfester Ergebnisse Stillschweigen vereinbart wurde. 

Mit den Entwicklungschefs der Skifirmen hat die FIS endlich die zuständigen Fachleute hinzugezogen. Auch strategisch gesehen ist das ein bedeutender Schritt. Die nationalen Interessen könnten nun zugunsten umfassender Sicherheitslösungen in den Hintergrund treten. Und so ist es nicht weiter verwunderlich, wenn noch regierende Machthaber mit abgestumpften Nadeln und Schrecken verbreitend zusammenflicken wollen, was auseinander zu fallen droht. (Nicola Werdenigg; 22. Februar 2011)

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