Amstettener Inzestfall als Vorlage für australische Filminstallation

22. Februar 2011, 11:22
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Interaktive 3D-Filminstallation von Dennis Del Favero soll auf dem Sydney Film Festival gezeigt werden

Sydney - Auf dem Sydney Film Festival 2011 (8. bis 19. Juni) soll eine interaktive 3D-Filminstallation gezeigt werden, die in deutlicher Weise Bezug auf den Amstettener Inzest- und Missbrauchsfall Bezug nimmt. Laut einem Bericht des "Sydney Morning Herald" (Dienstagsausgabe) wird "Scenario" von Dennis Del Favero jeweils fünf Besucher gleichzeitig mit einem finsteren Raum konfrontieren, in dem ein verstümmeltes Baby wimmernd darum bittet, wieder zusammengesetzt zu werden. Die Installation soll nur für Besucher über 18 Jahren zugänglich sein.

"Mach das nicht, Vater", soll eine unheimliche Mädchenstimme flüstern, und: "Hilfe!" Die Besucher der am iCinema Forschungslabor der University of New South Wales entwickelten Installation, die mit einem 360-Grad-Panoramabildschirm arbeitet, sollen versuchen, den Babykörper, dessen Teile von humanoiden Gestalten durch den Raum gekickt werden, zusammenzusetzen.

Die Installation ist ihm Rahmen eines Forschungsprojektes am von Del Favero geleiteten Centre for Interactive Cinema Research entstanden, für das der Australian Research Council eine Million australische Dollar (739.590 Euro) locker gemacht hat. Council-Chefin Margaret Sheil wird in dem Zeitungsbericht zitiert, dass ihre Organisation keine wertende Urteile über geförderte Projekte abgebe.

Das Drehbuch zum interaktiven Film stammt von dem Dramatiker Stephen Sewell, die Idee, es mit dem Fall Josef F., der bei seiner Aufdeckung im Jahr 2008 weltweit Aufsehen erregte, in Beziehung zu setzen, soll Dennis Del Favero gehabt haben. Dieser hatte sich schon in früheren Arbeiten mit traumatischen Erlebnissen auseinandergesetzt. Josef F., der seine Tochter 24 Jahre lang in einem Kellerverlies gefangen gehalten und mit ihr sieben Kinder gezeugt hatte, wurde im März 2009 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Der Fall in Amstetten sei abscheulich gewesen, doch "Scenario" trage dem Rechnung, in dem die Installation die Besucher dazu auffordere, zusammenzuarbeiten, um Dinge gutzumachen, wird die Leiterin des Sydney Film Festival, Clare Stewart, von "Sydney Morning Herald" zitiert: "In gewisser Weise ist das Ziel, die schrecklichen Geschehnisse in einer gemeinsamen Anstrengung umzukehren und eine Art von Ordnung wiederherzustellen." Zudem arbeite "Scenario" ähnlich wie manches düstere Märchen der Gebrüder Grimm und verzichte auf allzu deutliche Anspielungen auf den Fall Josef F. (APA)

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