Ministerratsbeschluss

Neues Fremdenrecht: Regierung zufrieden, Opposition empört

22. Februar 2011, 12:16
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    "Mit uns ist kein "National"-Staat zu machen": Transparent gegen das neue Fremdenrechtspaket vor dem Bundeskanzleramt am Dienstag.

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    Innenministerin Fekter sieht "großes Reformwerk".

Geändert: Kasernierung nach Ankunft, Deutschkenntnisse verpflichtend, Kinder bleiben bei Eltern, Verringerung von maximaler Schubhaft

Wer künftig nach Österreich kommen will, muss eine Rot-Weiß-Rot-Card im Gepäck haben und sollte bei der Ankunft zumindest ein paar Brocken Deutsch beherrschen. Diese zwei Maßnahmen sind die Kernpunkte eines großen Fremdenrechtspakets, auf das sich die Koalition im heutigen Ministerrat endgültig verständigt hat. Etwas gebracht hat der Widerstand von Menschenrechtsorganisationen gegen verschärfte Schubhaft-Bedingungen für Kinder. Hier ist Innenministerin Maria Fekter (V) zurückgerudert.

In ihrem Begutachtungsentwurf hatte die Ressortchefin noch die Option vorgesehen, dass Eltern entweder ihre Kinder in Schubhaft mitnehmen oder sie in die Obsorge der Behörden übergehen. Nach heftigen Protesten und auch Kritik aus der SPÖ findet nun auch Fekter, dass es besser ist, wenn die Kinder jedenfalls bei Vater und Mutter bleiben. Familien können zwar für wenige Tage in Schubhaft kommen, allerdings nur in auch für Kinder geeigneten Einrichtungen.

Höchstens zehn Monate Schubhaft

Abgeblasen wurde im letzten Moment auch die geplante Verlängerung der Schubhaft, die nach ursprünglichen Plänen bis zu 18 Monate verhängt werden hätte können. Nunmehr bleibt es bei zehn Monaten Maximum - allerdings bezogen auf eine Periode von 18 Monaten (bisher zwei Jahre). Fekter bedauerte, dass es nicht wenigstens ein Jahr geworden ist.

Bei einem anderen strittigen Punkt blieb die Regierung hart. Zuwanderer müssen schon vor der Einreise über Basiskenntnisse der deutschen Sprache verfügen und diese bei einem geeigneten Institut im Ausland vorweisen, es sei denn, sie sind Angehörige von Höchstqualifizierten. Kritik wies Fekter zurück. Man könne bereits überall weltweit Deutsch lernen, wenn man einen Internetzugang hat, so die Ministerin. Eine weitere Verschärfung: Erweiterte Sprachkenntnisse müssen nunmehr schon nach zwei Jahren in Österreich nachgewiesen werden. Ansonsten drohen Sanktionen bis hin zur Ausweisung. Bisher lag die Frist bei fünf Jahren.

Kasernierung in Erstaufnahmezentren

Ebenfalls in Kritik bleibt die sogenannte Mitwirkungspflicht. Diese ist eine Folge des örtlichen Widerstand gegen ein Flüchtlingslager in Eberau und verpflichtet Asylwerber dazu, bis zu eine Woche am Beginn ihres Verfahrens den Behörden ständig zur Verfügung zu stehen - das heißt, sie müssen im Erstaufnahmezentrum bleiben, es sei denn, eine ärztliche Behandlung würde dem entgegen stehen.

Am positivsten bewertet wurde allgemein die Rot-Weiß-Rot-Card, über die künftig die Zuwanderung gesteuert wird. Statt starrer Quoten gibt es ein Punktesystem, über das Hochqualifizierte und Schlüsselarbeitskräfte nach Vorweis von Kompetenzen wie Deutschkenntnissen und Berufsausbildung ins Land kommen können.

Faymann zufrieden, Häupl unglücklich

Bundeskanzler Werner Faymann (S) zeigte sich mit dem Kompromiss, der Montagabend erzielt worden war, zufrieden. Das Ergebnis sei herzeigbar und in Ordnung. "Unglücklich" war dagegen Wiens Bürgermeister Michael Häupl (S), der vor allem "Deutsch vor Zuzug" ablehnt. Vizekanzler Josef Pröll (V) erklärte, mit Kritik an einzelnen Punkten könne er leben.

Diese kam auch zur Genüge von der Opposition. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache erregte sich in erster Linie über die Rot-Weiß-Rot-Card: "Österreich hat einen Mangel an Arbeitsplätzen und nicht an Arbeitskräften." BZÖ-Chef Josef Bucher wiederum will eine längere Mitwirkungspflicht. Fekter sei "herzlos und hirnlos" und "wirtschaftsschädlich", schimpfte Grünen-Bundessprecherin Eva Glawischnig über "Verschärfungen am laufenden Band", die auch die SPÖ mitzuverantworten habe.

Kritik von NGOs

Das UNHCR hält die Anwesenheitspflicht für "besonders bedenklich", diese komme einer "Haft bei offenen Türen" gleich, hieß es seitens des UNO-Hochkommissariats. Der Wiener Caritas-Direktor Michael Landau zeigte sich über die leichte Entschärfung des Pakets erleichtert. Er wies allerdings darauf hin, dass Flucht kein Verbrechen sei und Schubhaft nur das allerletzte Mittel sein dürfe.

Diakonie-Direktor Michael Chalupka kritisierte unter Verweis auf die Einigung bei der Vorratsdatenspeicherung, dass Menschenrechte zum Tauschobjekt eines politischen Kuhhandels geworden seien. Der Präsident der Volkshilfe, Josef Weidenholzer, zeigte sich zwar erleichtert, dass die schlimmsten Härten verhindert wurden, ortete allerdings neue Integrationshürden durch die Mitwirkungspflicht und die bindenden Deutschkenntnisse vor dem Zuzug. (APA/red)

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Iliphar
20
24.2.2011, 15:06
ich schäme mich für mein Land

ColdStorage
31
24.2.2011, 12:31
Österreichertest

An alle, die hier Ihre menschenverachtenden Aussagen loswerden wollen!

Macht erst mal den Österreichertest, vlt. seid Ihr auch Ausländer und wisst es nur noch nicht.

http://www.oesterreichertest.at/

MrBoone
20
23.2.2011, 23:48
3 kurze Leidensgeschichten

1) Eine Bekannte (aus den USA stammend) heiratete einen Ö., betreibt einige Startups (weiterhin in USA versteuert) behielt US-Staatsbürgerschaft muss laufend seltsame Auflagen der MA-35 erfüllen -> meint Sie fühlt sich hier nicht willkommen...
2) Eine Bekannte (aus Polen), in Österreich (Publizistik & Politologie) fertigstudiert, wird nun hinausgebeten -> auf (niemehr?)Wiedersehen
3) Bekannte (ebenfalls Polen), ebenfalls Mag. muss nun Ö. heiraten (Scheinehe hin oder her) da Existenz in Ö. schon aufgebaut -> Super

Dr. Berger
01
25.2.2011, 02:07
Fall 2 ist unmittelbar klar: wir haben einfach

selbst schon Heerscharen arbeitsloser Publizisten und Politologen (und selbstverständlich -innen).

Ihre Bekannte hätte besser etwas gscheites studiert - etwas technisches zb. wäre besser gewesen als so ein Plauder"studium".

MrBoone
10
23.2.2011, 23:27
3 kurze Leidensgeschichten

1) Eine Bekannte (aus den USA stammend) heiratete einen Ö., betreibt einige Startups (weiterhin in USA versteuert) behielt US-Staatsbürgerschaft muss laufend seltsame Auflagen der MA-35 erfüllen -> meint Sie fühlt sich hier überhaupt nicht willkommen...
2) Eine Bekannte (aus Polen), in Österreich Publizistik & Politologie studiert, wird nach beendetem Studium hinausgebeten -> auf (niemehr?)Wiedersehen
3) Bekannte (ebenfalls Polin), ebenfalls Mag. muss nun Ö. heiraten (Scheinehe hin oder her) da Existenz in Ö. schon aufgebaut

Wenigstens wird gar nicht so genau hingeschaut, Ausländer ist gleich Ausländer -> also weg

Don Quixote1
11
23.2.2011, 21:13

Irgendwie glaubt die Regierung mit harten Maßnahmen den Wind aus dem Segel der FPÖ zu nehmen. Jeder sieht, dass es für Strache nicht um Maßnahmen geht die zu erfüllen sind und dann zieht er sich aus der Politik zurück, sondern wird er die Regierenden ewig vor sich treiben.
Ist das nicht sonnenklar?
Welche Berater sind da am Werk?
Was für Politiker sind da am Werk?
Pfuscher.

badat
20
23.2.2011, 21:10
Ich verliere schön langsam den Überblick

die wievielte Novelle in den letzten 2-3 Jahren war das eigentlich? Sind wir hier schon zweistellig? Und was will die Regierung damit erreichen? Die Rechten werden weiter scharfmachen - sie habens leicht, denn egal wie grauslich eine Novelle ist, man kann immer noch was draufsetzen.
Selbst wenn dann bei Novelle 52 in einem Jahr alle Asylwerber für drei Monate ankekettet werden müssen, kommt als nächstes irgendsowas wie "na aber ohne eine Niere zu spenden braucht gar keiner glauben zu uns kommen zu können". Ende nie.
Damit kriegt die SPÖVP die rechten Wähler auch nicht zurück, sie vergraulen damit aber nur die, um die sie kämpfen müssten - nämlich all die jenigen, die sich lieber die Hand abnagen würden, als die FPÖ anzukreuzen.

little django
 
20
24.2.2011, 13:03

sie erreicht folgendes: daß zuständige beamte auf die frage - wie geht´s denn jetzt weiter, wann muß wieder verlängert werden und wie oft - antworten: ich kanns ihnen nur mit dem jetzigen stand sagen, wie es in einem halben jahr aussieht? keine ahnung.

aus meiner erfahrung kann ich sagen: seit dem ersten Titel meines Mannes vor zwei jahren hat sich so viel geändert (zu ungunsten natürlich) daß es jedesmal ein zittern ist ob weiter verlängert wird. und das obwohl er in beschäftigung steht und ganz gut verdient. bin schon neugierig was heuer ansteht.

Norbert Dichand
05
23.2.2011, 20:48
Ich kann für einen Sozialstaat sein...

...oder für ein Einwanderungsland. Aber nicht für beides.

Leider hat sich diese Logik noch nicht zur hiesigen Linken rumgesprochen.

Breitseite
31
23.2.2011, 17:04

wie kann eine Regierung über Unmenschlichkeit zufrieden sein?

mag sein das es bei den Hilfesuchenden Menschen auch Scharlatane gibt, aber wo gibt es diese nicht?

bugsbunny30
32
23.2.2011, 16:53
ein Ansatz in die richtige Richtung

Maria, weiter so!

Hart und streng durchgreifen!

BRAVO!

R.B.D
30
23.2.2011, 15:41

Ge ist doch super. Da freut man sich endlich, dass sie sich auf etwas geeinigt haben. Wenigstens wissen wir woran man dran ist.
Also wir sollten alle mal schon unsere Koffer packen. Wer weiß was sie neben Deutsch noch verlangen werden in späterer Zukunft. Würde mich nicht wundern, wenn wir alle jetzt sämtliche Dialekte beherrschen müssen...
Und wenn man die nicht in zwei Jahren sprechen kann, dann wird man halt abgeschoben. Eine bessere Lösung findet man nirgendswo...

re-play
04
23.2.2011, 15:49

polemischer Unsinn!

R.B.D
00
23.2.2011, 17:17

Kannst du laut sagen

Vierter Mann
11
23.2.2011, 14:55

Die Kritiker der Novelle gönnen den aus Nigeria nach Österreich verschleppten Zwangsprostituierten offenbar nicht einmal eine Woche Ruhepause, bevor sie ihren Dienst am Strassenstrich antreten.

wiesengarten
20
23.2.2011, 21:13
Man kann und konnte sehr wohl ohne Englischkenntnisse nach Kanada auswandern

Ein Verwandter von mir emigrierte 1966 mit seiner Frau nach Kanada, er konnte etwas Schulenglisch (Hauptschulniveau), sie hatte gar keine Kenntnisse. Ein Jahr lang nähten sie Schuhe in einer Fabrik , gleichzeitig mussten sie intensiv Englisch lernen, nach vier Jahren war der Verwandte Sales Manager für eine Schreibmaschinenfirma in Ontario, seine Frau ist seit Jahren Hotelbesitzerin und dreisprachig. Wenn den Menschen Angebote gemacht werden sich zu integrieren, dann nehmen sie diese auch an. Mit Zwang wird gar nichts erreicht. Intensive Sprachlehrgänge gibt es in Ö gar nicht, man will sprachkundige Zuwanderer, die deutsche Sprache sollen sie schon zu Hause erwerben, was vielerorts nicht möglich ist. Lächerlich.

cannery row
22
23.2.2011, 14:39
naja..

bez. deutschkenntnisse: da versteh ich die proteste nicht ganz. man versuche mal, nach kanada auszuwandern ohne sich in englisch oder französisch verständigen zu können.

ShaelEth
 
40
23.2.2011, 16:30

a) geht es nicht um auswandern, sondern um flüchten
b) warum muss ein hilfsarbeiter deutsch können, irgendein doktor o professor aber nicht?

Norbert Dichand
03
23.2.2011, 20:43
Weil der Hilfsarbeiter sowieso ein deutlich höheres Risiko hat...

...arbeitslos zu sein, und deshalb zumindest sprachlich integriert sein muss. Der Herr Universitätsarzt aus den USA wird auch mit Englisch überleben und Netto-Steuerzahler sein.

super cat
01
23.2.2011, 19:23

Ein Asylwerber muss gar keine Kenntnisse vorweisen können, weder sprachlich noch bzgl. berufliche Qualifikation. Das Ansuchen um politisches Asyl muss einer Prüfung standhalten.

verinus
00
23.2.2011, 19:20

a) gehts nur ums einwandern. da könnten wir ruhig wählerisch sein. asyl ist davon NICHT betroffen.

e.kronberg
05
23.2.2011, 16:38

... von einem Flüchtling wird wenn er eintrudelt deutsch verlangt?

Wer hat ihnen das gezwitschert....

Cato der Ältere1
21
23.2.2011, 14:15

Verunglimpfung
Ausgrenzen
Internieren
Deportieren
T

Wo stehen wir auf dieser Liste? Oder sind wir schon wieder etwas weiter??

Opus 4
16
23.2.2011, 12:55
Ousmane C., Update

"Seine Zusage, freiwillig in sein Heimatland zurückzureisen, hätte er deshalb zurückgezogen, da im Vorfeld seine Bedingung, mit dem Staatsoberhaupt Guineas telefonieren zu können und von diesem eine persönliche Sicherheitsgarantie zu erhalten, nicht erfüllt worden sei."
http://opus4.wordpress.com/2011/02/2... ea-update/

Dr. Berger
01
25.2.2011, 02:26
"Das bedeutet, dass es derzeit keine rechtlichen Gründe gibt, die gegen eine sofortige Abschiebung sprechen."

Unglaublich. Wem muß man da in den Hintern treten?

Übrigens: Sie leisten wertvolle Arbeit mit Ihrem Blog. Herzlichen Dank!

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