Nachlese Dienstag, 22.2.

Gaddafi: "Werde in Libyen bleiben und als Märtyrer sterben"

22. Februar 2011, 22:00
  • Gaddafis Rede.

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    Der Diktator sprach etwa eineinhalb Stunden ...

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    ... und las immer wieder aus dem "Grünen Buch" vor. Er kündigte an, die Todesstrafe über Demonstranten zu verhängen. Ins "Grüne Buch" schrieb er in den 1970er Jahren seine Gedanken nieder. Seither dient es als Landesverfassung.

  • Berlusconi küsst Gaddafi im März 2010 die Hand bei der Tagung der Arabischen Liga in der libyschen Stadt Sirte. Nur 13 der 22 Mitglieder nahmen daran teil. Gastgeber war Gaddafi, der gegen den jüdischen Staat wetterte wie auch den Jihad gegen die Schweiz ausrief; Quelle: La Repubblica

     

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    Belgrad.

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    Dieser Soldat hat sich in Bengasi offenbar mit den Aufständischen solidarisiert.

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    Gewalt in der Straßen von Tripolis.

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    Auch im Hamas-dominierten Gazastreifen wird gegen Gaddafi demonstriert.

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    David Bachmann, unser Mann in Tripolis.

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    Muammar al-Gaddafi, Politiker. Bei einem Besuch in Italien trug er auf seiner Uniform demonstrativ ein Foto des später hingerichteten Nationalhelden Omar Mukhtar.

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    Wie das Amen im Gebet: Anti-Gaddafi-Demonstranten im fernen Kuala Lumpur, Malaysia, fordern, Israel (oder das, was sie dafür halten) möge das Land verlassen. Wie nennt man diesen Reflex?

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    Screenshot der Website von LibyFeb17.com, die als eine der wenigen Quellen - vermutlich - aktuelle Bilder aus dem Unruhegebiet liefert.

  • Berichte von Reisenden, die aus Libyen zurückgekehrt sind, Quelle: CNN

     

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TV-Ansprache: "Demonstranten verdienen nach unserem Recht die Todesstrafe" - Innenminister unterstützt Demonstranten

Muammar al-Gaddafi trat zum zweiten Mal vor Fernsehkameras. Er drohte den Protestierenden mit der Todesstrafe, sollten sie weiterhin "die Autorität des Regimes untergraben". Aus den verschiedenen Landesteilen häuften sich die Meldungen, wonach einzelne Teile des Militärs nicht mehr zu Gaddafi stehen würden und einzelne Städte in der Hand der Demonstranten sein sollen. Die Nachlese eines ereignisreichen Tages.

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22.00 Uhr: Wir beenden für heute unsere Live-Berichterstattung vom Aufstand in Libyen und bedanken uns fürs Dabeibleiben.

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21.44 Uhr: Neues zum übergelaufenen Innenminister. In seiner Rede am späten Nachmittag hatte Gaddafi noch behauptet, dass der Innenminister erschossen worden wäre. Im Amateurvideo, in er seinen Rücktritt erklärte, erzählt der Innenminister von Schüssen auf ihn. Er wäre aber nicht getroffen worden.

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21.32 Uhr: Details zur OMV:

Die OMV erwartet aufgrund der aktuellen politischen Unruhen einen temporären Rückgang der libyschen Produktion. Auch ein kompletter Ausfall könne "nicht ausgeschlossen werden", teilte der Mineralölkonzern in einer Ad-Hoc-Aussendung am Dienstagabend mit. Derzeit würden die konkreten Auswirkungen evaluiert. Der Personalstand der OMV in Libyen wurde bereits auf das Notwendigste reduziert.

Libyen hat 2010 mit rund 33.000 boe/d etwa 10 Prozent zur Gesamtproduktion des OMV-Konzerns beigetragen. Für Österreich war Libyen zuletzt nach Kasachstan der zweitwichtigste Öllieferant, mit immerhin einem Fünftel der gesamten Rohölimporte.

21.31 Uhr: Augenzeugenberichten von Reuters zufolge wird Gaddafis Sohn Saif in Tripolis bald eine Pressekonferenz halten.

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21.28 Uhr: Die OMV teilte gerade via APA mit, dass ein kompletter Ausfall der libyschen Produktion nicht auszuschließen sei.

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21.25 Uhr: Silvio Berlusconi hatte heute mit Muammar Gaddafi Kontakt. Der libysche Machthaber sagte seinem italienischen Gegenüber, dass "im Land alles in Ordnung" sei - so veröffentlicht es zumindest die nationale libysche Nachrichtenagentur JANA. Gaddafi, so heißt es, "hat seinem Freund Berlusconi gesagt, dass 'in Libyen alles in Ordnung ist. Das Volk achtet auf die Sicherheit, Stabilität und die nationale Einheit.'" JANA schließt mit den Worten: "Wer auch immer wissen will, was in Libyen wirklich vorgeht, sollte die libyschen Medien verfolgen und nicht auf die Lügen (...) hereinfallen."

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21.17 Uhr: Angesichts der tagelangen gewaltsamen Proteste gegen Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi haben sich zahlreiche Diplomaten und andere ranghohe Regierungsvertreter in aller Welt von der Führung in Tripolis distanziert. Libyens Botschafter in den Vereinigten Staaten, Ali Aujali, verlangte am Dienstag im US-Fernsehsender ABC Gaddafis Rücktritt. "Gehen Sie und lassen Sie unser Volk in Frieden", sagte er. Seinen Botschafterposten lege er nieder, weil er nicht länger "einem diktatorischen Regime" dienen wolle.

"Ich werde aber nicht aufhören, meinem Volk zu dienen, bis seine Stimme in der ganzen Welt gehört wird", fügte der Diplomat hinzu. Mehrere libysche Diplomaten um den Vertreter bei den Vereinten Nationen, Ibrahim Dabbaschi, riefen die libysche Armee zum Sturz Gaddafis auf. Sie nannten ihn einen "Tyrannen" und warfen ihm "Völkermord" vor. In Bangladesch trat Botschafter Ahmed A. H. Elimam zurück. Der ständige Vertreter Libyens bei der Arabischen Liga, Abdel Moneim al-Honi, hatte bereits am Sonntag seinen Posten niedergelegt. Am Montag folgten Libyens Botschafter in Indien und ein ranghoher Diplomat in China.

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21.08 Uhr: Der Innenminister ruft die Streitkräfte auf, ebenfalls die Demonstranten zu unterstützen und zu helfen, deren "berechtigten Forderungen" durchzusetzen.

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21.06 Uhr: Der libyische Innenminister läuft über und unterstützt ab sofort die "February 17 Revolution" gegen das Gaddafi-Regime, meldet die Nachrichtenagentur Reuters, die Al Jazeera zitiert. Nähere Details sind noch nicht bekannt.

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20.59 Uhr: Die US-Außenministerin Hillary Clinton wandte sich in einer kurzen Rede an die Öffentlichkeit. Libyen müsse die Gewalt gegen Demonstranten beenden, die USA würden rechtzeitig "angemessene Schritte" gesetzt. "Sobald wir genauere Informationen haben, was gerade passiert - Sie wissen, dass die Kommunikation (Anm.: vom Regime) sehr effizient unterbunden wird - werden wir die angemessen Schritte setzen, in Einklang mit unserer politischen Linie, unseren Werten und Gesetzen", sagte sie. "Das müssen wir aber in Zusammenarbeit mit der internationalen Gemeinschaft machen."

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20.49 Uhr: Panzer, Hubschrauber, Kampfflugzeuge, metzelnde Söldnertruppen und Hunderte getötete Zivilisten - Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi versucht Augenzeugen zufolge mit aller Gewalt die Revolte in seinem Land niederzuschlagen. Doch die Rebellen sehen sich auf dem Vormarsch. Gaddafi habe die Kontrolle über den gesamten Osten verloren, sagte am Dienstag der einstige Major Hani Saad Mariaa, der zu einer Gruppe von Soldaten gehört, die sich von dem Staatschef im Zuge der Proteste abgewandt haben. Das Ausmaß der Gewalt in dem nordafrikanischen Land blieb auch am Dienstag unübersichtlich.

Das Volk und die Armee arbeiteten in dem Gebiet "Hand in Hand", sagte der frühere Major einem Korrespondenten der Nachrichtenagentur Reuters. Bewohner Tobruks sagten ebenfalls, die Stadt am Mittelmeer sei seit drei Tagen in der Hand der Bevölkerung. Die Rebellen kontrollierten die libysche Seite der Grenze zu Ägypten, wie der Reporter berichtete. Auch Benghazi (Bengasi), wo der Aufstand vor gut einer Woche begann, ist Bewohnern zufolge inzwischen in der Hand der Demonstranten.

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20.33 Uhr: Die USA haben ihre Zufriedenheit zu den Maßnahmen des Königs von Bahrain ausgedrückt, Oppositionelle aus den Gefängnissen zu entlassen.

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20.26 Uhr: Die STANDARD-Außenpolitikredakteurin und Nahost-Expertin Gudrun Harrer hat für die morgige STANDARD-Printausgabe Muammar al-Gaddafi porträtiert. Den Text "Muammar al-Gaddafis trauriger Regenschirm" gibt es hier zu lesen.

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20.22 Uhr: Am Dienstagabend sind erneut Österreicher, die sich zum Flughafen der libyschen Hauptstadt Tripolis durchschlagen konnten, in Wien angekommen. 109 Passagiere - zahlreiche EU-Bürger und Österreich - landeten am Abend mit einer AUA-Maschine in Wien-Schwechat und berichteten von chaotischen Szenen am libyschen Flughafen.

Trotzdem blieb wider Erwarten fast die Hälfte der 196 Plätze der AUA-Maschine laut AUA-Pressesprecher Michael Braun leer. Ob die Austrian Airlines auch am Mittwoch nach Libyen fliegen werden, entscheidet die Fluglinie je nach Sicherheitslage in der Früh, erklärte Braun.

"Ab halb Vier nachmittags sind wir nicht mehr aus dem Haus gegangen, denn da begannen die Schießereien", berichtete Tanja Lavi aus Wien, die mit ihrem fünfjährigen Sohn ihren Mann in Tripolis besucht hat. Am nächsten Tag hätten sie dann die ausgebrannten Autos und abgebrannten Häuser gesehen, erzählte sie. Gefürchtete habe sie sich vor allem am Flughafen von Tripolis: "Da waren Horden von Leuten, die alle raus wollten und gedrückt und gedrängt haben, das war beängstigend", erzählte sie. Eine befreundete Krankenschwester hätte ihr von den von Bomben zerfetzten Leichen erzählt, die in Bengasi ins Krankenhaus gebracht wurden.

Glücklich, aus Libyen rausgekommen zu sein, war auch Jaroslav Reif. Der 19-jährige Tscheche, dessen Vater als Diplomat in Tripolis arbeitet, berichtete von schwarzafrikanischen Söldnern auf den Straßen der libyschen Hauptstadt. "Unter Tags ist es einigermaßen ruhig in Tripolis, aber in der Nacht hört man ständig Schüsse", erzählte er und meinte: "Die Situation ist völlig verrückt und außer Kontrolle."

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20.10 Uhr: Die Evakuierungsmaßnahmen zahlreicher Länder für ihre Landesbürger sind am Dienstagabend weitergegangen. Ein bulgarisches Regierungsflugzeug ist am Dienstagabend in der libyschen Hauptstadt Tripolis gelandet. Großbritannien beorderte ein Kriegsschiff in die internationalen Gewässer nahe Libyen.

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20.08 Uhr: Die USA suchen eine gemeinsame Front gegen die Gewalt in Libyen. Die internationale Gemeinschaft müsse mit einer Stimme sprechen, forderte am Dienstag der Sprecher im Weißen Haus, Jay Carney. Ziel sei die Verurteilung der Gewalt gegen Demonstranten in dem nordafrikanischen Land.

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19.59 Uhr: In Libyens Nachbarstaat Algerien hat Staatschef Bouteflika heute nach 19 Jahren den Ausnahmezustand aufgehoben.

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19.43 Uhr: Der UNO-Sicherheitsrat tagt zum Thema Libyen gerade in New York.

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19.23 Uhr: Mehr zu Angela Merkels Reaktion auf die Gaddafi-Rede hat die Nachrichtenagentur Reuters:

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bestürzt auf die Fernsehansprache des libyschen Staatschefs Muammar Gaddafi reagiert. Gaddafi habe seinem Volk "den Krieg erklärt", sagte Merkel am Dienstagabend in Berlin. Seine Worte seien "sehr sehr erschreckend" gewesen. Die Bundesregierung fordere Gaddafi auf, sofort und konsequent die Gewalt zu beenden. Geschehe dies nicht, müsse über Sanktionen gegen das nordafrikanische Land gesprochen werden.

19.12 Uhr: Die deutsche Bundeskanzler Angela Merkel bezeichnete die Rede von Gaddafi als "sehr, sehr erschreckend". Deutschland präferiere Sanktionen.

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19.10 Uhr: Das Statement der Arabischen Liga wird kritisiert: "Wir erleben die Bankrotterklärung der Arabischen Liga. Wir haben in Tunesien und Ägypten gesehen, dass diese Organisation für diese Zeiten nicht geeignet sind. Es ist nicht der Wille, der ihnen fehlt. Es ist die Struktur", wird auf Al Jazeera analysiert.

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19.06 Uhr: In den letzten Minuten wurde ein Statement von der Arabischen Liga herausgegeben. Die Arabische Liga hat beschlossen, dass libysche Delegationsmitglieder nicht mehr an den Zusammenkünften teilnehmen dürfen. Bei den letzten Treffen war er ohnehin nicht dabei, erklärt Al Jazeera und wertet die Entscheidung als symbolische Maßnahme. Die Arabische Liga verurteilte die Ausschreitungen und Maßnahmen des Regimes und wies die Vorwürfe Gaddafis zurück, wonach aus Tunesien Demonstranten nach Libyen gekommen wären.

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19.02 Uhr: Libyen hat den Stopp von Ölexporten mit höherer Gewalt begründet. Händler seien darüber informiert worden, dass deshalb die Aus- wie auch Einfuhren gestoppt worden seien, sagte ein im Mittelmeerraum tätiger Ölhändler. In Libyen wurde verschiedenen Berichten zufolge kaum noch Öl und Gas gefördert.

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19.00 Uhr: Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR appelliert angesichts der blutigen Unruhen in Libyen an die Weltgemeinschaft, Flüchtlinge aufzunehmen. "Alle Staaten müssen die Bedürfnisse der Menschen anerkennen, die gezielter Gewalt, Bedrohung und anderen Menschenrechtsverletzungen in Libyen zu entkommen versuchen", erklärte eine UNHCR-Sprecherin am Dienstag in Genf. Das Hilfswerk selber hat nach eigenen Angaben derzeit keinen Zugang zu Flüchtlingen in Libyen.

Unter Berufung auf andere Quellen erklärte die Sprecherin, es gebe Hinweise, dass in Libyen somalische Flüchtlinge gejagt würden, weil man in ihnen afrikanische Söldner vermute. Solche Söldner sollen gegen die Zivilbevölkerung vorgegangen sein. Über die Zahl der Menschen, die aus Libyen zu fliehen versuchen, lagen zunächst keine Angaben vor.

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18.49 Uhr: Die Homepage der libyschen Botschaft in Berlin ist gehackt. Es findet sich nun ein Aufruf zu einer Demonstration in Berlin gegen das Gaddafi-Regime.

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18.37 Uhr: Der tschechische Premier Petr Necas hat am heutigen Dienstag das Vorgehen der libyschen Führung gegen die Demonstranten scharf verurteilt. In einer Presseaussendung forderte er eine sofortige Beendigung der brutalen Reaktion des Regimes von Muammar al-Gaddafi auf die Demonstrationen.

"Das Blutbad, das an der zivilen Bevölkerung begangen wird, ist eine unerhörte Verletzung der Menschenrechte, die keinen Platz in der zivilisierten Welt hat. Wir sind erschüttert durch die Brutalität der Reaktion des libyschen Regimes auf die Bürger-Demonstrationen. Die Tschechische Republik fordert zu einer sofortigen Beendigung der Gewalt auf", betonte Necas.

Im Unterschied zu seinem Außenminister Karel Schwarzenberg äußerte Necas eine eindeutig kritische Position Tschechiens gegenüber dem Vorgehen der libyschen Führung gegen die Demonstranten. Schwarzenberg hatte im Verlauf des Treffens mit seinen EU-Kollegen in Brüssel zu Zurückhaltung gegenüber dem Regime von al-Gaddafi gemahnt.

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18.32 Uhr: Die APA bringt eine kurze Zusammenfassung der Gaddafi-Rede:

Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi klammert sich trotz eines landesweiten Aufstandes an seine Macht. "Ich werde das Land nicht verlassen, ich werde hier als Märtyrer sterben", sagte Gaddafi am Dienstag im Staatsfernsehen. Mehrmals bezeichnete er sich als "Revolutionsführer". Gaddafi drohte seinen Gegnern, er habe noch keine Gewalt angewandt, werde das aber tun, falls dies notwendig werde. Nach libyschem Gesetz verdienten die Aufrührer die "Todesstrafe", sagte er.

Seine Ansprache hielt der Staatschef symbolträchtig vor einem 1986 von US-Militärflugzeugen zerstörten Gebäude, das seither nicht wieder aufgebaut wurde. Damals starben 36 Zivilisten, darunter eine Adoptivtochter Gaddafis.

Zu dem Aufstand sagte er, eine kleine Gruppe von jungen Leuten, denen man Tabletten gegeben habe, attackierten die Polizeiwachen, "wie die Ratten und Söldner". Diese Leute seien krank.

Die Revolte in dem nordafrikanischen Land schrieb Gaddafi Jugendlichen zu. Die Demonstranten wollten Libyen in einen islamischen Staat verwandeln, ein "neues Afghanistan", sagte der diesmal ganz in Braun gekleidete Oberst.

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18.19 Uhr: Die Sicherheitslage in Libyen hat sich laut Außenministerium insgesamt verschlechtert. Telefon- und Internetverbindungen seien "praktisch kaum mehr dauerhaft verwendbar", sagte Außenamtssprecher Peter Launsky-Tieffenthal der APA am Dienstag. Er konnte keine Angaben machen, wie viele Österreicher sich derzeit noch in Libyen aufhielten. Frühere Angaben gingen von weniger als 100 Österreichern aus.

Die Bundesheer-Maschine Hercules könne im Bedarfsfall "kurzfristig abfliegen". Sie bleibe derzeit in Valletta auf Stand-by stationiert. Aktuell werde versucht zu eruieren, ob sich noch Österreicher am Flughafen in Tripolis aufhielten und ob Bedarf nach einem weiteren Flug bestünde.

Das Außenamt hält nach eigenen Angaben auch Kontakt zu anderen Ländern, die Schiffsevakuierungen durchführen. Hier werde geprüft, in welchen Häfen die Sicherheitslage eine Evakuierung zulasse.

Die planmäßige Ankunft der AUA-Maschine war für 16:45 Uhr vorgesehen und verspätete sich auf etwa 18:15 Uhr. Nach ersten Informationen seien etwa die Hälfte der Personen an Bord Transferpassagiere.

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18.17 Uhr: Auch Großbritannien bereitet die Evakuierung seiner Bürger aus Libyen vor. Außenminister William Hague kündigte am Dienstag binnen 48 Stunden die Entsendung eines Charter-Flugzeuges nach Libyen an. Die britische Regierung bemühe sich derzeit um die Landeerlaubnis und Genehmigungen der libyschen Behörden. Außerdem schicke Großbritannien die Fregatte "Cumberland" mit einem Eingreifteam an Bord in die Gewässer vor Libyen, um britische Bürger zu unterstützen. Das Schiff befinde sich momentan im östlichen Mittelmeer. Es gebe Anzeichen, dass die staatliche Ordnung in Libyen zusammenbreche. Hague verwies auf den Rücktritt etlicher Botschafter und Diplomaten sowie Berichte über Minister in Libyen, die die Seiten gewechselt hätten.

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18.10 Uhr: Nachtrag zur Rede: "Wenn die Demonstranten nicht aufgeben, werden wir ein Haus nach dem anderen säubern!" - Er spricht von weiteren Ausschreitungen - in einer Diktion, die schlimme Zeiten erahnen lässt.

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18.07 Uhr: Weitere Details über die Reformen, von denen Gaddafi sprach, soll sein Sohn verkünden.

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18.06 Uhr: Gaddafi hat seine Rede nun beendet, ein paar Anhänger beglückwünschen ihn.

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18.02 Uhr: "Es ist nichts wirklich Neues dabei. Viel hat sein Sohn Saif bereits erklärt", heißt es von einem Experten bei Al Jazeera.

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18.00 Uhr: Al Jazeera übersetzt die Rede nicht mehr, ein Sprecher analysiert die bisherige Rede. "Viel war unzusammenhängend."

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17.58 Uhr: "Was ist mit euch los? Wir leben in Wohlstand, Glück und Frieden. Und jetzt brennen wir unser Land nieder?"

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17.56 Uhr: Er trinkt Wasser, korrigiert seinen Umhang.

***

17.54 Uhr: Eine kurze Zusammenfassung: Bisher sprach Gaddafi davon, Gewalt gegen Demonstranten anzuwenden, wenn sie weiterhin gegen das Regime protestieren. Die Todesstrafe stehe laut libyschem Gesetz darauf, sagt der Despot. Er sei zu Zugeständnissen bereit, so soll es mehr Macht für Gemeinden und Stämme geben. Er kritisiert die USA und Großbritannien, vergleicht Libyen mit anderen Staaten, etwa dem Irak und Somalia, wo Bürgerkrieg herrsche. Er rief die Bevölkerung auf, für ihn auf die Straßen zu gehen und selbst für Sicherheit zu sorgen.

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Alle Zeiten beziehen sich auf die Mitteleuropäische Zeitzone (MEZ). In Libyen ist es eine Stunde später als in Österreich.

Nicht alle Informationen in diesem Livebericht können aufgrund der Lage in Libyen mit der gewohnten Gründlichkeit überprüft werden. Dies gilt speziell für Informationen, die uns über Twitter, Facebook und Augenzeugenberichten zugetragen wurden.


Al Jazeera English: Live-Blog

Guardian: Live-Update

Erste unabhängige Radiostation, die illegal aus Libyen sendet

Vcom Freedom

Libyan Youth Movement auf Facebook

Anonymous Press Release

Karim El-Gawhary auf Twitter

Philip Crowley auf Twitter

Libyan Youth Movement auf Twitter

Polit-Kommentator Sultan Al Qassemi auf Twitter

Zusammenstellung von Videos aus Libyen

Human Rights Watch: Libya: Governments Should Demand End to Unlawful Killings

Flickr-Fotostream von a7fadhomar

Declaration Catherine Ashton

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 1114
Idefix der zweite
 
00
25.2.2011, 23:13
Schwarzenberg

hatte im Verlauf des Treffens mit seinen EU-Kollegen in Brüssel zu Zurückhaltung gegenüber dem Regime von al-Gaddafi gemahnt.

Dieser Typ wird mir von Wortmeldung zu Wortmeldung widerlicher.

Haushälterin Steffi Oberholzenberger
00
23.2.2011, 16:49
Man könnte meinen ...

... dass er aus dem wifi-Kursbuch vorliest. Wird vielleicht Zeit, dass er sich einen zweiten Bildungsweg sucht.

John Bello
00
23.2.2011, 15:41
Falsch Gadaeffchen.

Die Maertyrer werden in Libyen bleiben und dich sterben lassen..

Wenn es doch nur ohne Gewalt ginge..

Gilgamesch
01
23.2.2011, 13:05

wer hat eigentlich auf den innenminister geschossen? gadaffis leute, oder die demonstranten?

dahofawors
00
23.2.2011, 12:08
schreien tut er, wie wenn er schon am spieß stecken würde

Sand
00
23.2.2011, 09:30
Déjà vu

Rast im Machtrausch durchs Land bis ihn der Märtyrertod erwischt. Déjà vu eines berauschten Märtyrertodes in Ilovje?

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
23.2.2011, 10:24

... oder im Bunker in Berlin, das trägt ähnliche Züge!

Moist von Lipwig
01
23.2.2011, 13:01
Nein.

Der in Berlin war einfach nur ein feiges Schwein.

Nichtmal Manns genug im Kampf zu sterben. Armseligst, genauso wie die Idioten die ihm, auch heute noch, nacheifern.

Lord Chaos
00
23.2.2011, 15:36

Und wo genau ist der Unterschied zu Gaddafi?

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
23.2.2011, 15:16
und wo genau ist der Unterschied zu Gaddaffi?

Empfindest Du für den Saftsack am End gar Heldenverehrung?!

Moist von Lipwig
00
23.2.2011, 15:31

Natürlich, ich liebe alle Diktatoren! Immer und überall!

Kasperl.

Rondocor
00
23.2.2011, 07:21
Ein Irrer. Nicht mehr aber auch nicht weniger.

HB1230
00
23.2.2011, 05:08

Gegen schlechte Menschen kann man sich wehren,gegen verrückte kaum.....

Harry Y.
 
01
23.2.2011, 03:49

Gaddafi is not, and will never be, a martyr; he is a murderer and guilty of the death of hundreds of his own people. To call himself a martyr in his position is Al-Kaida cant (= nonsensical propagandistic talk); he has outed himself as a fanatical Islamic extremist, and never mind what the law says: he made it.

Go quietly please, then you won't have even more blood on your hands, but ensure democratic order first.

(Die Ähnlichkeiten zwischen den Reden Gaddafis und seines Sohnes mit den Sprüchen der Freiheitlichen (FPÖ) sind auffällig. Strache sagte am Sonntag den 13. Feb. in "Österreich", als er für Neuwahlen plädierte und den Kanzleranspruch stellte, ein Unwillen des BP, ihn regieren zu lassen, zeugte von "ägyptischen Verhältnissen".

Dr. Lari and Mr. Fari
 
11
23.2.2011, 10:26
den Strache mit (einem) Gaddaffi mehr oder weniger gleichzusetzen

ist ähnlicher Quatsch wie der Strache-Vergleich von Fischer mit Mubarak.

Harry Y.
 
00
Ich habe, ganz klar und deutlich,

ihr GEREDE verglichen; und nicht den Strache mit einem blutrünstigen und wahnsinnigen Diktator.

Harry Y.
 
00
23.2.2011, 04:05

Unwidersprochen im übrigen. Das zeigt seine völlige Ahnungslosigkeit über diese (und über die Befugnisse des Bundespräsidenten in dieser/einer Demokratie); in Ägypten herrschte z.b. seit 1980 der Ausnahmezustand.)

(Yes and you may laugh; but I'm sure that Gaddafi is listening closely to every word I say; in fact my postings are running across the screens of Al-Jazzera as we speak ;) I am the reason he is out of his wits with anxiety; dictators have reason to fear me. - But jokes aside: the situation is none to laugh at. However, I am (not only) a subject for ridicule. I shall be a martyr to your laughter, I suppose - I would never overdo the comics, though, like some. )

rasheedj
01
22.2.2011, 23:49
muammar al-gadaffi

politiker? phu, das ist sogar für die meisten politiker eine beleidigung

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
23.2.2011, 10:27
Hätzt des vor 30 Jahr gsagt,

hätzta den "death ray"-Blick (und wohl noch mehr) vom Kreisky zugezogen!

imir
00
23.2.2011, 08:25

Kaum.

Personifizierte Unscheinbarkeit
11
22.2.2011, 23:45

Einmarschieren? Im wahrsten Sinne des Wortes, ist gut möglich das Europäer in Bälde mehr zur Arbeit marschieren als fahren werden, falls sie dann überhaupt noch eine haben. Inflation auf Grund des gestiegenen Ölpreises, Lebensmittel unerschwinglich und wir alle haben plötzlich vergleichbare Zustände, vor allem in den romanischsprachigen Ländern. Da werden einige der Hurra, Revolution ! - Rufer eher schmähstad im Winkerl hocken, wetten ?

Harry Y.
 
25
23.2.2011, 03:19
Und warum

brauchen wir so viel an Öl? Wir bräuchten es nicht. Es wird viel zu viel davon unnötig verschwendet/-wendet. Wir verbrauchen es unnötig in allem, von PKWs und LKWs bis Plastikverpackungen.

Und warum
war diese Situation der grenzenlosen Abhängigkeit nicht seit Jahrzehnten vorauszusehen?
Und warum
ist kein internationaler Durchgriff auf den Börsenmärkten geschehen seit der eben überstandenen Krise?

Ihrem Kommentar gemäß sollte nun das libyische Volk auf seine Freiheit und auf Wohlstand verzichten, obwohl Sie diese Dinge ja haben im Vergleich, weil der Rest der Welt versagt hat?!

Chien de Pique
11
23.2.2011, 18:42

Auf den Wohlstand (und in Foleg wohl auf die Freiheit) verzichten müsste Libyen, wenn wir kein Öl mehr verschwende würden.

Personifizierte Unscheinbarkeit
00
23.2.2011, 12:31

Sie Ahnungsloser ! Und, ich werde Ihnen jetzt nicht meinen Lebensstil darlegen, aber Sie liegen völlig daneben. Genauso, wie Sie mit der Interpretation meines Postings daneben liegen. Ich nahm Bezug auf die enthusiasmierten Laptoprevoluzzer, nicht auf die, zu Recht um ihre Freiheit kämpfenden libysche Stämme.
Sie fragen:"Warum war diese Situation nicht vorauszusehen ?" Ja, dazu kann ich nur sagen, ich habe das schon sehr lange vorausgesehen. Warum Sie das nicht vorrausgesehen haben, ist Ihre Sache.

Curd Hombre
02
23.2.2011, 07:28
Gute Frage - Antwort: weil unser Staat auf jeden verkauften Liter

50% draufschlägt und damit eine Wahnsinnseinnahmequelle hat!

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