Gaddafi: "Werde in Libyen bleiben und als Märtyrer sterben"

22. Februar 2011, 22:00
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TV-Ansprache: "Demonstranten verdienen nach unserem Recht die Todesstrafe" - Innenminister unterstützt Demonstranten

Muammar al-Gaddafi trat zum zweiten Mal vor Fernsehkameras. Er drohte den Protestierenden mit der Todesstrafe, sollten sie weiterhin "die Autorität des Regimes untergraben". Aus den verschiedenen Landesteilen häuften sich die Meldungen, wonach einzelne Teile des Militärs nicht mehr zu Gaddafi stehen würden und einzelne Städte in der Hand der Demonstranten sein sollen. Die Nachlese eines ereignisreichen Tages.

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22.00 Uhr: Wir beenden für heute unsere Live-Berichterstattung vom Aufstand in Libyen und bedanken uns fürs Dabeibleiben.

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21.44 Uhr: Neues zum übergelaufenen Innenminister. In seiner Rede am späten Nachmittag hatte Gaddafi noch behauptet, dass der Innenminister erschossen worden wäre. Im Amateurvideo, in er seinen Rücktritt erklärte, erzählt der Innenminister von Schüssen auf ihn. Er wäre aber nicht getroffen worden.

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21.32 Uhr: Details zur OMV:

Die OMV erwartet aufgrund der aktuellen politischen Unruhen einen temporären Rückgang der libyschen Produktion. Auch ein kompletter Ausfall könne "nicht ausgeschlossen werden", teilte der Mineralölkonzern in einer Ad-Hoc-Aussendung am Dienstagabend mit. Derzeit würden die konkreten Auswirkungen evaluiert. Der Personalstand der OMV in Libyen wurde bereits auf das Notwendigste reduziert.

Libyen hat 2010 mit rund 33.000 boe/d etwa 10 Prozent zur Gesamtproduktion des OMV-Konzerns beigetragen. Für Österreich war Libyen zuletzt nach Kasachstan der zweitwichtigste Öllieferant, mit immerhin einem Fünftel der gesamten Rohölimporte.

21.31 Uhr: Augenzeugenberichten von Reuters zufolge wird Gaddafis Sohn Saif in Tripolis bald eine Pressekonferenz halten.

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21.28 Uhr: Die OMV teilte gerade via APA mit, dass ein kompletter Ausfall der libyschen Produktion nicht auszuschließen sei.

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21.25 Uhr: Silvio Berlusconi hatte heute mit Muammar Gaddafi Kontakt. Der libysche Machthaber sagte seinem italienischen Gegenüber, dass "im Land alles in Ordnung" sei - so veröffentlicht es zumindest die nationale libysche Nachrichtenagentur JANA. Gaddafi, so heißt es, "hat seinem Freund Berlusconi gesagt, dass 'in Libyen alles in Ordnung ist. Das Volk achtet auf die Sicherheit, Stabilität und die nationale Einheit.'" JANA schließt mit den Worten: "Wer auch immer wissen will, was in Libyen wirklich vorgeht, sollte die libyschen Medien verfolgen und nicht auf die Lügen (...) hereinfallen."

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21.17 Uhr: Angesichts der tagelangen gewaltsamen Proteste gegen Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi haben sich zahlreiche Diplomaten und andere ranghohe Regierungsvertreter in aller Welt von der Führung in Tripolis distanziert. Libyens Botschafter in den Vereinigten Staaten, Ali Aujali, verlangte am Dienstag im US-Fernsehsender ABC Gaddafis Rücktritt. "Gehen Sie und lassen Sie unser Volk in Frieden", sagte er. Seinen Botschafterposten lege er nieder, weil er nicht länger "einem diktatorischen Regime" dienen wolle.

"Ich werde aber nicht aufhören, meinem Volk zu dienen, bis seine Stimme in der ganzen Welt gehört wird", fügte der Diplomat hinzu. Mehrere libysche Diplomaten um den Vertreter bei den Vereinten Nationen, Ibrahim Dabbaschi, riefen die libysche Armee zum Sturz Gaddafis auf. Sie nannten ihn einen "Tyrannen" und warfen ihm "Völkermord" vor. In Bangladesch trat Botschafter Ahmed A. H. Elimam zurück. Der ständige Vertreter Libyens bei der Arabischen Liga, Abdel Moneim al-Honi, hatte bereits am Sonntag seinen Posten niedergelegt. Am Montag folgten Libyens Botschafter in Indien und ein ranghoher Diplomat in China.

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21.08 Uhr: Der Innenminister ruft die Streitkräfte auf, ebenfalls die Demonstranten zu unterstützen und zu helfen, deren "berechtigten Forderungen" durchzusetzen.

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21.06 Uhr: Der libyische Innenminister läuft über und unterstützt ab sofort die "February 17 Revolution" gegen das Gaddafi-Regime, meldet die Nachrichtenagentur Reuters, die Al Jazeera zitiert. Nähere Details sind noch nicht bekannt.

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20.59 Uhr: Die US-Außenministerin Hillary Clinton wandte sich in einer kurzen Rede an die Öffentlichkeit. Libyen müsse die Gewalt gegen Demonstranten beenden, die USA würden rechtzeitig "angemessene Schritte" gesetzt. "Sobald wir genauere Informationen haben, was gerade passiert - Sie wissen, dass die Kommunikation (Anm.: vom Regime) sehr effizient unterbunden wird - werden wir die angemessen Schritte setzen, in Einklang mit unserer politischen Linie, unseren Werten und Gesetzen", sagte sie. "Das müssen wir aber in Zusammenarbeit mit der internationalen Gemeinschaft machen."

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20.49 Uhr: Panzer, Hubschrauber, Kampfflugzeuge, metzelnde Söldnertruppen und Hunderte getötete Zivilisten - Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi versucht Augenzeugen zufolge mit aller Gewalt die Revolte in seinem Land niederzuschlagen. Doch die Rebellen sehen sich auf dem Vormarsch. Gaddafi habe die Kontrolle über den gesamten Osten verloren, sagte am Dienstag der einstige Major Hani Saad Mariaa, der zu einer Gruppe von Soldaten gehört, die sich von dem Staatschef im Zuge der Proteste abgewandt haben. Das Ausmaß der Gewalt in dem nordafrikanischen Land blieb auch am Dienstag unübersichtlich.

Das Volk und die Armee arbeiteten in dem Gebiet "Hand in Hand", sagte der frühere Major einem Korrespondenten der Nachrichtenagentur Reuters. Bewohner Tobruks sagten ebenfalls, die Stadt am Mittelmeer sei seit drei Tagen in der Hand der Bevölkerung. Die Rebellen kontrollierten die libysche Seite der Grenze zu Ägypten, wie der Reporter berichtete. Auch Benghazi (Bengasi), wo der Aufstand vor gut einer Woche begann, ist Bewohnern zufolge inzwischen in der Hand der Demonstranten.

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20.33 Uhr: Die USA haben ihre Zufriedenheit zu den Maßnahmen des Königs von Bahrain ausgedrückt, Oppositionelle aus den Gefängnissen zu entlassen.

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20.26 Uhr: Die STANDARD-Außenpolitikredakteurin und Nahost-Expertin Gudrun Harrer hat für die morgige STANDARD-Printausgabe Muammar al-Gaddafi porträtiert. Den Text "Muammar al-Gaddafis trauriger Regenschirm" gibt es hier zu lesen.

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20.22 Uhr: Am Dienstagabend sind erneut Österreicher, die sich zum Flughafen der libyschen Hauptstadt Tripolis durchschlagen konnten, in Wien angekommen. 109 Passagiere - zahlreiche EU-Bürger und Österreich - landeten am Abend mit einer AUA-Maschine in Wien-Schwechat und berichteten von chaotischen Szenen am libyschen Flughafen.

Trotzdem blieb wider Erwarten fast die Hälfte der 196 Plätze der AUA-Maschine laut AUA-Pressesprecher Michael Braun leer. Ob die Austrian Airlines auch am Mittwoch nach Libyen fliegen werden, entscheidet die Fluglinie je nach Sicherheitslage in der Früh, erklärte Braun.

"Ab halb Vier nachmittags sind wir nicht mehr aus dem Haus gegangen, denn da begannen die Schießereien", berichtete Tanja Lavi aus Wien, die mit ihrem fünfjährigen Sohn ihren Mann in Tripolis besucht hat. Am nächsten Tag hätten sie dann die ausgebrannten Autos und abgebrannten Häuser gesehen, erzählte sie. Gefürchtete habe sie sich vor allem am Flughafen von Tripolis: "Da waren Horden von Leuten, die alle raus wollten und gedrückt und gedrängt haben, das war beängstigend", erzählte sie. Eine befreundete Krankenschwester hätte ihr von den von Bomben zerfetzten Leichen erzählt, die in Bengasi ins Krankenhaus gebracht wurden.

Glücklich, aus Libyen rausgekommen zu sein, war auch Jaroslav Reif. Der 19-jährige Tscheche, dessen Vater als Diplomat in Tripolis arbeitet, berichtete von schwarzafrikanischen Söldnern auf den Straßen der libyschen Hauptstadt. "Unter Tags ist es einigermaßen ruhig in Tripolis, aber in der Nacht hört man ständig Schüsse", erzählte er und meinte: "Die Situation ist völlig verrückt und außer Kontrolle."

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20.10 Uhr: Die Evakuierungsmaßnahmen zahlreicher Länder für ihre Landesbürger sind am Dienstagabend weitergegangen. Ein bulgarisches Regierungsflugzeug ist am Dienstagabend in der libyschen Hauptstadt Tripolis gelandet. Großbritannien beorderte ein Kriegsschiff in die internationalen Gewässer nahe Libyen.

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20.08 Uhr: Die USA suchen eine gemeinsame Front gegen die Gewalt in Libyen. Die internationale Gemeinschaft müsse mit einer Stimme sprechen, forderte am Dienstag der Sprecher im Weißen Haus, Jay Carney. Ziel sei die Verurteilung der Gewalt gegen Demonstranten in dem nordafrikanischen Land.

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19.59 Uhr: In Libyens Nachbarstaat Algerien hat Staatschef Bouteflika heute nach 19 Jahren den Ausnahmezustand aufgehoben.

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19.43 Uhr: Der UNO-Sicherheitsrat tagt zum Thema Libyen gerade in New York.

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19.23 Uhr: Mehr zu Angela Merkels Reaktion auf die Gaddafi-Rede hat die Nachrichtenagentur Reuters:

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bestürzt auf die Fernsehansprache des libyschen Staatschefs Muammar Gaddafi reagiert. Gaddafi habe seinem Volk "den Krieg erklärt", sagte Merkel am Dienstagabend in Berlin. Seine Worte seien "sehr sehr erschreckend" gewesen. Die Bundesregierung fordere Gaddafi auf, sofort und konsequent die Gewalt zu beenden. Geschehe dies nicht, müsse über Sanktionen gegen das nordafrikanische Land gesprochen werden.

19.12 Uhr: Die deutsche Bundeskanzler Angela Merkel bezeichnete die Rede von Gaddafi als "sehr, sehr erschreckend". Deutschland präferiere Sanktionen.

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19.10 Uhr: Das Statement der Arabischen Liga wird kritisiert: "Wir erleben die Bankrotterklärung der Arabischen Liga. Wir haben in Tunesien und Ägypten gesehen, dass diese Organisation für diese Zeiten nicht geeignet sind. Es ist nicht der Wille, der ihnen fehlt. Es ist die Struktur", wird auf Al Jazeera analysiert.

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19.06 Uhr: In den letzten Minuten wurde ein Statement von der Arabischen Liga herausgegeben. Die Arabische Liga hat beschlossen, dass libysche Delegationsmitglieder nicht mehr an den Zusammenkünften teilnehmen dürfen. Bei den letzten Treffen war er ohnehin nicht dabei, erklärt Al Jazeera und wertet die Entscheidung als symbolische Maßnahme. Die Arabische Liga verurteilte die Ausschreitungen und Maßnahmen des Regimes und wies die Vorwürfe Gaddafis zurück, wonach aus Tunesien Demonstranten nach Libyen gekommen wären.

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19.02 Uhr: Libyen hat den Stopp von Ölexporten mit höherer Gewalt begründet. Händler seien darüber informiert worden, dass deshalb die Aus- wie auch Einfuhren gestoppt worden seien, sagte ein im Mittelmeerraum tätiger Ölhändler. In Libyen wurde verschiedenen Berichten zufolge kaum noch Öl und Gas gefördert.

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19.00 Uhr: Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR appelliert angesichts der blutigen Unruhen in Libyen an die Weltgemeinschaft, Flüchtlinge aufzunehmen. "Alle Staaten müssen die Bedürfnisse der Menschen anerkennen, die gezielter Gewalt, Bedrohung und anderen Menschenrechtsverletzungen in Libyen zu entkommen versuchen", erklärte eine UNHCR-Sprecherin am Dienstag in Genf. Das Hilfswerk selber hat nach eigenen Angaben derzeit keinen Zugang zu Flüchtlingen in Libyen.

Unter Berufung auf andere Quellen erklärte die Sprecherin, es gebe Hinweise, dass in Libyen somalische Flüchtlinge gejagt würden, weil man in ihnen afrikanische Söldner vermute. Solche Söldner sollen gegen die Zivilbevölkerung vorgegangen sein. Über die Zahl der Menschen, die aus Libyen zu fliehen versuchen, lagen zunächst keine Angaben vor.

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18.49 Uhr: Die Homepage der libyschen Botschaft in Berlin ist gehackt. Es findet sich nun ein Aufruf zu einer Demonstration in Berlin gegen das Gaddafi-Regime.

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18.37 Uhr: Der tschechische Premier Petr Necas hat am heutigen Dienstag das Vorgehen der libyschen Führung gegen die Demonstranten scharf verurteilt. In einer Presseaussendung forderte er eine sofortige Beendigung der brutalen Reaktion des Regimes von Muammar al-Gaddafi auf die Demonstrationen.

"Das Blutbad, das an der zivilen Bevölkerung begangen wird, ist eine unerhörte Verletzung der Menschenrechte, die keinen Platz in der zivilisierten Welt hat. Wir sind erschüttert durch die Brutalität der Reaktion des libyschen Regimes auf die Bürger-Demonstrationen. Die Tschechische Republik fordert zu einer sofortigen Beendigung der Gewalt auf", betonte Necas.

Im Unterschied zu seinem Außenminister Karel Schwarzenberg äußerte Necas eine eindeutig kritische Position Tschechiens gegenüber dem Vorgehen der libyschen Führung gegen die Demonstranten. Schwarzenberg hatte im Verlauf des Treffens mit seinen EU-Kollegen in Brüssel zu Zurückhaltung gegenüber dem Regime von al-Gaddafi gemahnt.

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18.32 Uhr: Die APA bringt eine kurze Zusammenfassung der Gaddafi-Rede:

Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi klammert sich trotz eines landesweiten Aufstandes an seine Macht. "Ich werde das Land nicht verlassen, ich werde hier als Märtyrer sterben", sagte Gaddafi am Dienstag im Staatsfernsehen. Mehrmals bezeichnete er sich als "Revolutionsführer". Gaddafi drohte seinen Gegnern, er habe noch keine Gewalt angewandt, werde das aber tun, falls dies notwendig werde. Nach libyschem Gesetz verdienten die Aufrührer die "Todesstrafe", sagte er.

Seine Ansprache hielt der Staatschef symbolträchtig vor einem 1986 von US-Militärflugzeugen zerstörten Gebäude, das seither nicht wieder aufgebaut wurde. Damals starben 36 Zivilisten, darunter eine Adoptivtochter Gaddafis.

Zu dem Aufstand sagte er, eine kleine Gruppe von jungen Leuten, denen man Tabletten gegeben habe, attackierten die Polizeiwachen, "wie die Ratten und Söldner". Diese Leute seien krank.

Die Revolte in dem nordafrikanischen Land schrieb Gaddafi Jugendlichen zu. Die Demonstranten wollten Libyen in einen islamischen Staat verwandeln, ein "neues Afghanistan", sagte der diesmal ganz in Braun gekleidete Oberst.

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18.19 Uhr: Die Sicherheitslage in Libyen hat sich laut Außenministerium insgesamt verschlechtert. Telefon- und Internetverbindungen seien "praktisch kaum mehr dauerhaft verwendbar", sagte Außenamtssprecher Peter Launsky-Tieffenthal der APA am Dienstag. Er konnte keine Angaben machen, wie viele Österreicher sich derzeit noch in Libyen aufhielten. Frühere Angaben gingen von weniger als 100 Österreichern aus.

Die Bundesheer-Maschine Hercules könne im Bedarfsfall "kurzfristig abfliegen". Sie bleibe derzeit in Valletta auf Stand-by stationiert. Aktuell werde versucht zu eruieren, ob sich noch Österreicher am Flughafen in Tripolis aufhielten und ob Bedarf nach einem weiteren Flug bestünde.

Das Außenamt hält nach eigenen Angaben auch Kontakt zu anderen Ländern, die Schiffsevakuierungen durchführen. Hier werde geprüft, in welchen Häfen die Sicherheitslage eine Evakuierung zulasse.

Die planmäßige Ankunft der AUA-Maschine war für 16:45 Uhr vorgesehen und verspätete sich auf etwa 18:15 Uhr. Nach ersten Informationen seien etwa die Hälfte der Personen an Bord Transferpassagiere.

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18.17 Uhr: Auch Großbritannien bereitet die Evakuierung seiner Bürger aus Libyen vor. Außenminister William Hague kündigte am Dienstag binnen 48 Stunden die Entsendung eines Charter-Flugzeuges nach Libyen an. Die britische Regierung bemühe sich derzeit um die Landeerlaubnis und Genehmigungen der libyschen Behörden. Außerdem schicke Großbritannien die Fregatte "Cumberland" mit einem Eingreifteam an Bord in die Gewässer vor Libyen, um britische Bürger zu unterstützen. Das Schiff befinde sich momentan im östlichen Mittelmeer. Es gebe Anzeichen, dass die staatliche Ordnung in Libyen zusammenbreche. Hague verwies auf den Rücktritt etlicher Botschafter und Diplomaten sowie Berichte über Minister in Libyen, die die Seiten gewechselt hätten.

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18.10 Uhr: Nachtrag zur Rede: "Wenn die Demonstranten nicht aufgeben, werden wir ein Haus nach dem anderen säubern!" - Er spricht von weiteren Ausschreitungen - in einer Diktion, die schlimme Zeiten erahnen lässt.

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18.07 Uhr: Weitere Details über die Reformen, von denen Gaddafi sprach, soll sein Sohn verkünden.

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18.06 Uhr: Gaddafi hat seine Rede nun beendet, ein paar Anhänger beglückwünschen ihn.

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18.02 Uhr: "Es ist nichts wirklich Neues dabei. Viel hat sein Sohn Saif bereits erklärt", heißt es von einem Experten bei Al Jazeera.

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18.00 Uhr: Al Jazeera übersetzt die Rede nicht mehr, ein Sprecher analysiert die bisherige Rede. "Viel war unzusammenhängend."

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17.58 Uhr: "Was ist mit euch los? Wir leben in Wohlstand, Glück und Frieden. Und jetzt brennen wir unser Land nieder?"

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17.56 Uhr: Er trinkt Wasser, korrigiert seinen Umhang.

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17.54 Uhr: Eine kurze Zusammenfassung: Bisher sprach Gaddafi davon, Gewalt gegen Demonstranten anzuwenden, wenn sie weiterhin gegen das Regime protestieren. Die Todesstrafe stehe laut libyschem Gesetz darauf, sagt der Despot. Er sei zu Zugeständnissen bereit, so soll es mehr Macht für Gemeinden und Stämme geben. Er kritisiert die USA und Großbritannien, vergleicht Libyen mit anderen Staaten, etwa dem Irak und Somalia, wo Bürgerkrieg herrsche. Er rief die Bevölkerung auf, für ihn auf die Straßen zu gehen und selbst für Sicherheit zu sorgen.


17.50 Uhr: Gaddafi spricht nun seit einer knappen Stunde, wiederholt sich.

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17.49 Uhr: Wir beziehen uns übrigens auf die Übersetzung von Al Jazeera: "Wir sind uns nicht sicher, ob es eine Aufnahme oder ein Live-Auftritt ist", sagt ein Sprecher des Senders.

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17.47 Uhr: "Was immer passieren wird: Die Jugend wird hinter mir stehen. Es ist unsere Revolution, die Revolution unseres Volk."

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17.45 Uhr: Zur Einordnung: Gaddafi spricht immer wieder vom geeinten Volk, davon, dass alle hinter ihm stehen. In den letzten Tagen haben sich mehr und mehr Stämme von ihm, vor allem im Osten des Landes, von ihm abgewandt. Er befürchtet anscheinend eine Abspaltung dieser Stämme.

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17.44 Uhr: "Es ist ein Unterschied, ob man friedlich demonstriert oder mit anderen Ländern konspirativ zusammenarbeitet."

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17.43 Uhr: Er spricht wieder vom Irak.

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17.42 Uhr: Auf Nachfrage unseres Forums: Vorhin hielt Gaddafi ein grünes Buch in der Hand und zitierte daraus; das war die libysche Rechtsordnung. Er lies heraus, dass über alle Demonstranten, die die Autorität des Staats untergraben, die Todesstrafe verhängt wird.

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17.39 Uhr: Der nochmalige Aufruf an die Bevölkerung: "Wenn ihr Muammar Gaddafi liebt, geht auf die Straßen! Sorgt für Ordnung!"

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17.38 Uhr: "Ihr könnt jedes Rechtssystem oder jede Staatsform haben, die ihr wollt!"

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17.37 Uhr: Immer wieder kommt er auch auf die Ölreserven zu sprechen.

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17.36 Uhr: "Ich habe keinen Palast, habe kein Geld, besitze nichts", betont er. Alles, was er bis jetzt gemacht habe, habe er für das Volk getan.

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17.35 Uhr: "Ab morgen werden neue Gemeinden geformt werden." Föderalismus auf Libysch, quasi. Er wiederholt sich.

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17.32 Uhr: Der Übersetzer auf Al Jazeera muss ein wenig durchschnaufen.

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17.30 Uhr: "An die Jugend, außer an die Ratten: Formt Komitees und bringt Sicherheit zurück auf die Straßen!"

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17.29 Uhr: "Niemand hat Israel kritisiert." - "Wisst ihr eigentlich, was gerade in Somalia passiert?" (Anm.: Somalia gilt als gescheitertes Land.)

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17.28 Uhr: Die Amerikaner sind sein besonderes Feindbild: "Sie haben Bagdad zerstört, haben dort auf Hochzeitsgesellschaften geschossen, weil sie glaubten, Aufständische zu finden. Zwei Millionen sind dort gestorben. Nur weil sie geglaubt haben, die Baath-Partei zerstören zu müssen."

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17.27 Uhr: Er fühlt sich vom Westen schlecht behandelt. Für den Westen wäre Stabilität in China wichtig, auch damals in der Sowjetunion. Hier will der Westen nun eingreifen.

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17.25 Uhr: "Wollt ihr, dass wir ein neues Somalia, ein neues Afghanistan werden, wo Bürgerkrieg herrscht? Das Land muss geeint bleiben!"

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17.24 Uhr: Seine Truppen werden hinausgehen und die Stämme angreifen, die in den letzten Tagen Gaddafis Autorität untergraben haben.

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17.20 Uhr: Gaddafi beschreibt die Demonstranten als "Gangs, Ratten und Söldner, die nicht das libysche Volk repräsentieren. Über jeden, der die Macht der Regierung nicht anerkennt und gegen die Armee auftritt, soll die Todesstrafe verhängt werden."

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17.19 Uhr: Er ruft seine Anhänger auf, morgen für ihn auf die Straßen zu gehen und zu kämpfen. Das Regime selbst hätte noch keine Gewalt angewandt, behauptet er. "Wenn es aber nötig ist, werden wir Gewalt einsetzen."

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17.18 Uhr: "Ich würde zurücktreten, wenn ich ein Präsident wie der in Ägypten wäre. Aber ich bin keiner." Denn Gaddafi ist der Revolutionsführer, sagt er. (Nachtrag vom Beginn der Rede.)

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17.17 Uhr: "Kommt raus aus euren Häusern. Verfolgt die Aufständischen! Sie wollen die Öl-Pipelines zerstören, Benghazi von der Elektrizität abschneiden."

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17.16 Uhr: "Ich werde bis zum letzten Bluttropfen kämpfen."

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17.15 Uhr: "Eure Kinder sterben. Aus welchem Grund? Aus keinem Grund!"

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17.14 Uhr: Er sieht das libysche Volk hinter sich. "Ihr seid ein starker Fels, der die amerikanische Unterdrückung überstanden habt!"

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17.11 Uhr: "Ich verdamme jene, die diese Aufstände nach Libyen gebracht haben." Gaddafi schiebt die Schuld auf die Jugend und auf angebliche Söldner, die den Aufstand aus anderen Ländern nach Libyen getragen haben.

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17.09 Uhr: Nun kommt er zu den angekündigten Reformen: "Ich fordere das libysche Volk auf, Gemeinden zu bilden." Die sollen mehr Macht bekommen.

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17.07 Uhr: "Wir haben bereits in der Vergangenheit die USA und Großbritannien besiegt. Wir werden nicht aufgeben."

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17.05 Uhr: Ein skurriles Bild gibt der libysche Präsident ab. Er sieht sich aber nicht, er sieht sich als "Revolutionsführer", spricht in der dritten Person von sich selbst. Immer wieder kritisiert er die USA.

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17.02 Uhr: "Ich bin ein Beduinenkrieger, der Ruhm und Ehre Ägypten gebracht hat."

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17.01 Uhr: "Ich spreche hier aus einem Haus, das 170 amerikanische und britische Flugzeuge bombardiert haben."

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17.00 Uhr: Immer wieder kommt er auf seinen Großvater, seine Familie zu sprechen. Er spricht angriffig "Ich werde das Land nicht verlassen, ich werde am Ende als Märtyrer sterben." Denn er sei der Revolutionsführer.

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16.54 Uhr: Gaddafi spricht gerade im Staatsfernsehen (Live etwa bei Al Jazeera). Er beginnt: "Einige arabische Medien betrügen euch! Sie rücken Libyen in ein schlechtes Bild."


16.46 Uhr: Die italienische Bank Austria-Mutter UniCredit beobachtet gespannt die dramatischen Entwicklungen in Libyen, zeigt sich jedoch wegen der Auswirkungen der Krise auf den Konzern unbesorgt. "Wir sind wegen der Lage in Libyen nicht besorgt", versicherte der Wiener UniCredit-Aufsichtsrat Franz Zwickl am Dienstag vor Beginn einer Board-Sitzung in Mailand.

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16.45 Uhr: Der US-Abgeordnete John Kerry, Vorsitzender des mächtigen Auswärtigen Ausschusses im Senat, fordert Präsident Barack Obama auf, die Wiedereinführung von Sanktionen gegen Libyen zu erwägen.

Der Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch zufolge sind in den vergangenen Tagen allein in Tripolis mindestens 62 Menschen getötet worden.

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16.41 Uhr: Vor dem Haas-Haus am Wiener Stephansplatz demonstrieren etwa 120 Personen gegen Muammar al-Gaddafi, eine Handvoll Polizisten passt auf. Fotos folgen in Kürze.

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16.30 Uhr: Der kubanische Ex-Präsident Fidel Castro geht davon aus, dass die USA mit Hilfe der NATO Libyen besetzen wollen. "Für mich ist absolut klar, dass die Regierung der Vereinigten Staaten keinerlei Interesse am Frieden in Libyen hat", schrieb Castro, ein alter Freund von Muammar al-Gaddafi, in einem am Dienstag veröffentlichten Kommentar für kubanische Staatsmedien. "Sie wird nicht zögern, der NATO den Befehl zu geben, in dieses reiche Land einzumarschieren, vielleicht sogar schon in den nächsten Stunden oder Tagen."

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16.19 Uhr: Wie der Malta-Korrespondent von Al Jazeera soeben meldet, nähert sich ein Schiff der libyschen Marine der Küste Maltas. "Bisher gibt es keinen Kontakt mit der Besatzung", sagt der Journalist. Es wird spekuliert, ob es sich um Deserteure handeln könnte. Gestern landeten am Flughafen in Valletta zwei libysche Kampfjets. Die beiden Piloten weigerten sich, Befehle auszuführen und flüchteten. Sie hätten Demonstranten bombardieren sollen, meinten die zwei Piloten.

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16.15 Uhr: Während gestern Nacht im libyschen Staatsfernsehen eine Reportage über Ägypter gelaufen ist, die die Proteste angezettelt haben sollen, gibt es heute einen neuen Sündenbock: Nach Darstellung der libyschen Regierung sind Jugendbanden mit Verbindungen zum Ausland und zu Al-Kaida schuld an der Gewalt der vergangenen Tage. "Was wir in Libyen sehen, ist nur eine Gruppe Jugendlicher, die von anderen Menschen aus ausländischen Kreisen, Al-Kaida und anderen verdächtigen Zirkeln ausgenutzt werden", hieß es am Dienstag in einer im Staatsfernsehen verlesenen Erklärung des Verteidigungsministeriums.

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16.06 Uhr: Der italienische Energiekonzern Eni hat die Schließung der Gaspipeline Greenstream beschlossen, mit dem Gas aus Nordafrika nach Sizilien geführt wurde. Grund für den Beschluss seien die zunehmenden Sicherheitsprobleme nach den Unruhen in Libyen, berichteten italienische Medien. Italien habe jedoch genügend Reserven und brauche um seine Versorgung nicht zu bangen, berichteten Gasexperten. Auch die Energiegesellschaft Edison bestätigte Schwierigkeiten mit den Gaslieferungen aus Libyen. Mit vier Milliarden Kubikmeter importiertem Gas pro Jahr ist Edison der stärkste Kunde der Greenstream-Pipeline.

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16.01 Uhr: Al Arabiya hat weitere Informationen zur angekündigten Gaddafi-Rede: Dem arabischen Nachrichtensender zufolge wird Gaddafi "Macht abgeben". Regionale Regierungen sollen mehr Einfluss bekommen und die Kontrolle über das eigene Budget gewinnen. Al Arabiya zitiert dabei das libysche Staatsfernsehen.

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15.45 Uhr: Bewohner sagten der Nachrichtenagentur Reuters, dass sich nicht nur Benghazi, sondern auch Tobruk (im Osten des Landes) in der Hand der Demonstranten sein soll. Solche Berichte sind freilich immer mit Vorsicht zu genießen.

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15.36 Uhr: Muammar Gadaffi wird in seiner kommenden TV-Ansprache "bedeutende Reformen" ankündigen, meldete das libysche Staatsfernsehen.

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15.35 Uhr: Quellen aus der Speditionsbranche sagten der Nachrichtenagentur Reuters, dass die Mittelmeerhäfen Benghazi, Tripolis und Misurata, wo Container und andere Frachten verladen werden, geschlossen worden sind.

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15.19 Uhr: Al Arabiya kündigt eine weitere TV-Ansprache von Muammar Gaddafi an.

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15.00 Uhr: Die "Libyan Youth Movement" twittert, dass Männer Gaddafis die Straßen in Tripolis aufräumten, um die Spuren der Gewalt vor den Augen der Medien zu beseitigen.

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14.58 Uhr: Al Jazeera-Korrespondentin Nazanine Moshiri befindet sich an der tunesisch-libyschen Grenze und twittert von dort.

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14:50 Uhr: Die Telefonverbindungen nach Libyen funktionieren weiterhin nicht beziehungsweise nur sporadisch. Der britische Guardian sprach mit Ghazi Gheblawi, einem libyschen Arzt und Blogger, der in London lebt, und dem es heute morgen gelungen ist, Kontakt zu Familie und Freunden in Tripolis aufzunehmen. Viele Geschäfte seien geschlossen, einige hätte nur geöffnet, um das Nötigste an Nahrungsmitteln zu verkaufen. Bäcker würden ihre Mengen Brot portionieren, um Panik-Einkäufe zu vermeiden. „Afrikanische Söldner streifen weiterhin durch die Straßen, um die Leute davon aufzuhalten, sich zu versammeln", sagt Gheblawi. Allerdings tauchten sie nur sporadisch auf. Viele Menschen würden Blut spenden gehen.

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14:44 Uhr: Der Journalist Sultan Al Qassemi schreibt auf Twitter, dass in der Zwischenzeit zwölf libysche Botschafter - darunter jener in Frankreich und jener der UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) - von ihrem Posten zurückgetreten seien. Außerdem berichtet er, dass Al Jazeera Arabic Bilder Dutzender Pässe von Bürgern unterschiedlicher afrikanischer Staaten zeige, die nun angeblich als Söldner in Libyen seien.

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14:41 Uhr: FM4 versammelt auf seiner Website einige sehr interessante Links.

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14:30 Uhr: Der Staatssekretär im libyschen Außenministerium und stellvertretende Außenminister Khaled Al Ga'aeem hat im Interview mit dem arabischen Sender Al Jazeera den Einsatz von Söldnern abgestritten. Weder würden diese aus anderen afrikanischen Staaten eingeflogen werden, noch habe es eine Bombardierung gegeben. Er würde er seinen Posten aufgeben, sollte dies tatsächlich bestätigt werden. Er habe sogar den britischen Botschafter darum gegeben, als Zeuge zu dienen und darüber hinaus eine Journalistengruppe damit zu beauftragen, nach etwaigen Folgen eines solchen Bombardements aufzuzeigen. Er würde die volle Verantwortung dafür übernehmen und "mit seinem Leben dafür bezahlen". Warum er Al Jazeera nicht erlauben würde, das zu recherchieren? "Al Jazeera ist weit davon entfernt, professionell zu sein." Bis der Sender das Gegenteil bewiesen hätte, würden sie ausländischen Sendern mehr vertrauen als arabischen. Er habe außerdem auch den arabischsprachigen Sender Al Arabiya mit Sitz in Dubai dazu eingeladen.

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14:22 Uhr: Die international agierende Aktivisten-Gruppe „Libyan Youth Movement" meldet auf Twitter, dass der Manager der libyschen Fluglinie Afriqiyah zurückgetreten sei, weil er nicht mehr zusehen wolle, dass seine Flugzeuge ausländische Söldner einfliegen würden.

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14:17 Uhr: Nachdem sich die Europäische Union nicht darauf einigen konnte, droht Deutschland Libyen offen mit Sanktionen. Außenminister Guido Westerwelle sagte am Dienstag in Berlin: "Sollte Libyen weiter mit Gewalt gegen das eigene Volk vorgehen, werden Sanktionen unvermeidlich sein". Auf einen Termin für die Verhängung von Sanktionen legte sich der Minister nicht fest. Nach Angaben aus deutschen Regierungskreisen wird unter anderem an ein Einreiseverbot gegen die Familie von Machthaber Muammar al-Gaddafi sowie an das Einfrieren von Vermögenswerten der libyschen Regierung im Ausland gedacht.

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14:05 Uhr: Al Jazeera verlinkt zu einem Video, das angeblich in Bengasi aufgenommen wurde:


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13:59 Uhr: Seit Beginn der Unruhen sind in Libyen nach Schätzungen der Opposition mehr als 560 Menschen getötet worden.

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13:42 Uhr: Der Londoner Independent liest sich immer gut, diesmal aber ganz besonders.

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13:37 Uhr: Nach Diktatorenspross Saif hat nun eine zweite gewichtige Stimme große Sorge vor einem drohenden Bürgerkrieg geäußert: Italiens Außenminister Franco Frattini: "Wir sind wegen der Gefahr eines Bürgerkrieges und einer Flüchtlingswelle epochaler Dimension in Richtung EU besorgt", kommentierte Frattini die Lage bei einer Pressekonferenz in Kairo nach seinem Treffen mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, am Mittwoch.


13:30 Uhr: Libyens Langzeit-Machthaber Muammar al-Gaddafi soll sich in einer Kaserne in Tripolis verschanzt haben. Der abtrünnige Diplomat Abdulmoneim al-Honi, bisheriger Chefdelegierter Libyens bei der Arabischen Liga, sagte der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag in einem Telefoninterview: "Er ist jetzt in Bab al-Asisiyah. Das Gelände dort ist sechs Quadratkilometer groß. Außer diesem Stützpunkt gibt es jetzt nur noch zwei Kasernen, die von Gaddafi und seinen Anhängern gehalten werden."

Eine der noch von Gaddafi-Getreuen kontrollierten Militärstützpunkte sei die Al-Saadi-Kaserne östlich von Sirte, der Geburtsstadt des Diktators. "Der Rest des Landes wird jetzt von der Jugend kontrolliert", sagte Honi. Zu dem Video, das Gaddafi in der Nacht auf Dienstag im Staatsfernsehen ausstrahlen ließ, erklärte der zurückgetretene lachend: "Das war wieder eine Merkwürdigkeit aus dem Schatz der Merkwürdigkeiten von Gaddafi."

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13:17 Uhr: Während in den Straßen Libyens die Totenzahlen fast schon minütlich wächst, sorgen sich die EU-Innenminister vor allem um drohende Flüchtlingswellen. Die Lage sei derzeit schwer einschätzbar und entwickle sich täglich weiter. Berichte über 750.000 zu erwartende Flüchtlinge über das Mittelmeer wurden in Diplomatenkreisen am Dienstag in Brüssel aber zurückgewiesen. Dies sei reine Spekulation.

Es gehe vor allem um die Frage, wie die Situation in den Griff zu bekommen sei, also welche Möglichkeiten es gibt, Flüchtlinge aufzunehmen und zu betreuen. Dies werde auch Thema des EU-Gipfels Ende März sein. Es gebe aber derzeit keinen Anlass, über eine neue Lastenverteilung zu sprechen, hieß es. Derzeit seien vor allem Italien und Malta von einem Ansteigen der Flüchtlingswelle betroffen. Die EU habe die Frontex-Operation Hermes gestartet, die seit zwei Tagen operiere.

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13:09 Uhr: Der libysche Botschafter in den USA, Ali Adjali, sagte gegenüber der britischen BBC, dass er die Regierung Gaddafis nicht mehr unterstützen werde. Die Berichte über die bombardierenden Kampfjets hätten ihn zu diesem Schritt gebracht. „Es ist für mich ein äußert trauriger Moment gewesen zu sehen, wie Libyer andere Libyer töten", so Ali Adjali. "Ich unterstütze die Regierung nicht, wenn sie die Bevölkerung tötet."

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13:00 Uhr: Laut der israelischen Tageszeitung Haaretz berichten der libysche Oppositionelle Mohammed Ali (Libyan Salvation Front) wie auch ein Bewohner Tripolis', dass die Straßen eines umkämpften Viertels in der Hauptstadt mit dutzenden Leichen der von den Sicherheitskräften Gaddafis erschossenen Demonstranten übersät seien. Die Menschen würden sich zuhause einbunkern, nachdem die Streitkräfte Gaddafis davor gewarnt hätten, jeden zu erschießen, der auf die Straße gehe. Selbst auf Rettungswägen sei in den vergangenen Tage geschossen worden, Verletzte seien auf der Straße verblutet. Der von Haaretz zitierte Politiker befindet sich derzeit in Dubai, der Bewohner nannte seinen Namen aus Sicherheitsgründen nicht.

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12:47 Uhr: Die Türkei schickt übrigens mehrere Schiffe nach Libyen, um ihre circa 25.000 Staatsbürger in Sicherheit zu bringen. Zwei Passagierschiffe und zwei Tragflügel-Schnellfähren sollten im Pendelverkehr eingesetzt werden, berichteten türkische Nachrichtensender am Dienstag. Zuvor hatte Ankara schon eine Maschine der Turkish Airlines nach Bengasi entsandt, die konnte aber nicht landen und musste ohne Passagiere zurückkehren. Warum gibt es eigentlich so viele Türken in Libyen? Die APA weiß es: "Die Zahl der türkischen Staatsbürger in Libyen ist wegen des Engagements von rund 200 türkischen Unternehmen in dem Land relativ hoch. Insbesondere türkische Baufirmen haben erhebliche Summen in Libyen investiert und errichten dort Wohnhäuser, Einkaufszentren und Hotels."

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12:37 Uhr: Das UN-Flüchtlingshochkommissariat äußerte sich in einer Presseaussendung "zunehmend besorgt“ über die gefährliche Lage für die Zivilbevölkerung in Libyen. UHNCR-Sprecherin Melissa Fleming: “Laut Informationen eines Journalisten werden Somalier in Tripolis verfolgt und bezichtigt, Söldner zu sein. Er sagte uns, dass sie sich gefangen fühlen und nicht wagen, das Haus zu verlassen, obwohl sie wenig bis gar keine Nahrung mehr Zuhause haben.“

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12:33 Uhr: Die Grüne Bundessprecherin Eva Glawischnig fordert den Abbruch der wirtschaftlichen Beziehungen zu Libyen und Sanktionen gegen das Regime. Glawischnig forderte zudem ein Einreiseverbot für die Familie von Machthaber Muammar al-Gaddafi. Die OMV solle sofort die Produktion in Libyen stoppen, damit nicht weiter Geld an dieses Regime fließe, verlangte sie.

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12:21 Uhr: Der Öl-Multi Shell hat nach eigenen Angaben seine ausländischen Mitarbeiter in Libyen und deren Angehörige in Sicherheit gebracht. Auch vor Ort tätige österreichische Firmen versuchen aktuell, ihre Mitarbeiter ausfliegen zu lassen. "Es herrscht das totale Chaos", sagt der Sprecher einer dieser Firmen zu derStandard.at. Die Grundversorgung der Mitarbeiter sei nur mehr für die nächsten Tage gesichert. Zur Zeit berät ein Krisenstab des österreichischen Außenministeriums das weitere Vorgehen, um rasche Evakuierungsflüge zu ermöglichen. In Kooperation mit dem Bundesheer soll eruiert werden, wo es in Libyen "Bedarf gebe".

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12:06 Uhr: Al Jazeera meldet, dass es in der libyschen Botschaft zu London in der vergangenen Nacht ungewöhnlichen Ereignissen gekommen ist. Ein Demonstrant hat das Dach des Gebäudes erklommen und die grüne Fahne des Gaddafi-Regimes gegen die alte, rot-schwarz-grüne Flagge ausgetauscht. Hier das Video:

Libyen hat übrigens auch eine Vertretung in Österreich, in der Blaasstraße 33 in Wien-Döbling.

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11:59 Uhr: derStandard.at empfiehlt ausdrücklich folgende Texte:

CNN-Nahost-Korrespondent Ben Wedeman ist laut Al Jazeera der erste westliche Journalist, der es seit Ausbruch der Proteste nach Libyen geschafft hat. Hier sein Bericht. Und hier sein Twitter-Log.

Time: Can Gaddafi's Son Reform Libya?

New Yorker: How Qaddafi Lost Libya

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11:50 Uhr: Der österreichische Handelsdelegierte in Libyen, David Bachmann, ist weiterhin in Tripolis und pendelt dort laut Auskunft des Sprechers der Außenwirtschaft Österreich (AWÖ), Bernhard Salzer, zwischen Innenstadt und Flughafen hin und her, um für die sich noch im Land befindlichen Österreicher die Ausreise zu organisieren. "Er kann sich mit seinem Diplomatenpass frei bewegen, kommt damit auch problemlos in den Flughafen hinein. Er bleibt noch in Tripolis, solange der Botschaftsbetrieb aufrecht erhalten werden kann bzw. die Lage nicht eskaliert", erklärt Salzer gegenüber derStandard.at. Er konnte um 8 Uhr früh zuletzt mit Bachmann telefonieren. Dieser berichtete, dass die Situation in Tripolis in der vergangenen Nacht verhältnismäßig ruhig gewesen sei. Über andere Landesteile hat er keine Informationen. Mehr hier.

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11:40 Uhr: Ein von Wikileaks zugespieltes und auf der norwegischen Tageszeitung Aftenposten veröffentlichtes Cable behandelt die Frage, welcher von Gaddafis Söhnen seine Nachfolge am besten antreten könnte.

Und: Anonymous-Solidaritätserklärung, veröffentlicht auf der „Liberal Youth Movement"-Homepage.

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11:37 Uhr: Ein Verletzter aus Shahhat spricht über die Ereignisse während einer Demonstration; Quelle: Youtube

Anbei die Übersetzung laut „Libyan Youth Movement":

Were you inside?

I was inside! Who you are you taping for?

Al Jazeera and BBC.

Tape this for Al Jazeera and let the world know that Shahhat is a revolutionary city, the people of Omar Mukhtar! Lion of the Desert! Go to hell Muammar! Down with that animal dictator! He brought African mercenaries to kill us! Not Libyans, Africans!

When you were inside did you see how many were killed?

Alot! Alot! They were shooting with 14.5mm (.57 cal) weapons the ones used on planes!

Are you a soldier?

I'm a Civilian! I'm a teacher! A technology teacher! Students were with us! Older men were with us!

Okay, the soldiers from the Shahhat battalion, they defected right?

Yes! They took the side of the people!

And their leader?

He was killed! His name was Abdel Qader El-Duhsi..... They killed him. The mercenaries killed him because he defected and didn't want to shoot at nationals... And someone there said Abdulla Sunousi tricked us. The leader of the battalion was saying it, that Abdulla Sunousi tricked us. Half of the soldiers of Shahhat's battalion are being held captive there by the mercenaries. They tied them up.

Gaddafi is the one that gave the orders to the battalion (to shoot protesters), right?

Gaddafi... Gaddafi.

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11:25 Uhr: Die Demonstranten in Libyen bekommen Schützenhilfe von der libanesischen Terrororganisation Hisbollah. Dort hat man jedenfalls Erfahrung mit Bombardierungen:  Man sei "solidarisch mit den Revolutionären" und bete, dass "sie den arroganten Tyrannen besiegen", hieß es am Dienstag in einem in Beirut veröffentlichten Kommuniqué.

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11:17 Uhr: Wieder einmal Al Jazeera: der zurückgetretene Botschafter Libyens (beziehungsweise Gaddafis) in Neu Delhi, Indien, bestätigt, dass die Luftwaffe am Montag Einsätze gegen Demonstranten geflogen habe. Flugzeuge hätten Plätze, auf denen Proteste stattfanden, "bombardiert". Saif al-Islam al-Gaddafi, "Kind", Österreicherfreund und Diktatorenspross, hatte dies wenige Stunden zuvor noch brüsk zurückgewiesen.

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11:12 Uhr: Auf dem Flughafen der zweitgrößten libyschen Stadt Bengasi, wo wegen der Unruhen zahlreiche Ausländer festsitzen, können keine Maschinen mehr landen. Der ägyptische Außenminister Ahmed Abul Gheit sagte am Dienstag nach Angaben des Nachrichtensenders Al-Arabiya, die Landebahn sei stark beschädigt. Unklar blieb, wer die Landebahn zerstört hat - die libysche Armee oder Aufständische, die den Truppen dadurch die Nachschubwege abschneiden wollen. Ägypten hatte geplant, ein Flugzeug nach Bengasi zu schicken, um ägyptische Gastarbeiter von dort abzuholen.

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11:10 Uhr: Danke für das Lob, liebeR UserIn Boarding. Ihr Wahlspruch gefällt uns aber auch sehr gut: "Ceterum censeo Gaddafinem esse delendam. (oder so ähnlich)"

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11:06 Uhr: Die international agierende Aktivisten-Gruppe "Libyan Youth Movement", die eigenen Angaben zufolge keine politischen Ziele verfolgt, sondern ihren "Schwestern und Brüdern" bei der Revolution zur Seite stehen will, hat eine Art Online-Mahnmal für die bei den Demonstrationen Getöteten erstellt. Die Liste ist unvollständig, enthält wenige Fotos und manchmal den Tag, an dem die Demonstranten gestorben sind, manchmal ihr Alter. Die bisherige, inoffizielle Anzahl der Toten geben sie auf ihrer Homepage mit „449+" an. "Libyan Youth Movement" ruft dazu auf, ihnen weiter Informationen über die Opfer der Revolution zu schicken.

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11:02 Uhr: Al Jazeera verweist mangels eigener Bilder von den Geschehnissen in Libyen auf die Website LibyaFeb17.com. Wir auch.

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10:45 Uhr: Die Arabische Liga hat angesichts der dramatischen Entwicklungen in Libyen für 16.00 Uhr MEZ eine Dringlichkeitssitzung in ihrem Hauptquartier in Kairo einberufen. In einer Stellungnahme von Generalsekretär Amr Mussa vom Vortag hatte es geheißen: "Die Forderungen der arabischen Völker nach Reform, Entwicklung und Veränderung sind legitim".

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10:00 Uhr: Die NGO International Coalition Against War Criminals, die eigentlich den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern beobachtet, spricht aktuell von 519 Toten, 3.980 Verletzten unn mindestens 1.500 Vermissten, die seit dem Beginn der Proteste in Libyen zu beklagen sind.

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Der massiv unter Druck geratene libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi hat sich in der Nacht auf Dienstag im staatlichen TV kurz zu Wort gemeldet. Nach Angaben des Senders wurde der Auftritt "live" aus Gaddafis Residenz in Tripolis übertragen. Er wolle damit zeigen, dass er sich noch in Tripolis befinde und nicht in Venezuela, sagte Gaddafi, bevor er in ein Auto stieg. Nach seinen Angaben wollte er zu den Demonstranten im Zentrum der libyschen Hauptstadt fahren. (red/APA/Reuters)

Alle Zeiten beziehen sich auf die Mitteleuropäische Zeitzone (MEZ). In Libyen ist es eine Stunde später als in Österreich.

Nicht alle Informationen in diesem Livebericht können aufgrund der Lage in Libyen mit der gewohnten Gründlichkeit überprüft werden. Dies gilt speziell für Informationen, die uns über Twitter, Facebook und Augenzeugenberichten zugetragen wurden.


Al Jazeera English: Live-Blog

Guardian: Live-Update

Erste unabhängige Radiostation, die illegal aus Libyen sendet

Vcom Freedom

Libyan Youth Movement auf Facebook

Anonymous Press Release

Karim El-Gawhary auf Twitter

Philip Crowley auf Twitter

Libyan Youth Movement auf Twitter

Polit-Kommentator Sultan Al Qassemi auf Twitter

Zusammenstellung von Videos aus Libyen

Human Rights Watch: Libya: Governments Should Demand End to Unlawful Killings

Flickr-Fotostream von a7fadhomar

Declaration Catherine Ashton

  • Gaddafis Rede.

  • Der Diktator sprach etwa eineinhalb Stunden ...
    foto: derstandard.at

    Der Diktator sprach etwa eineinhalb Stunden ...

  • ... und las immer wieder aus dem "Grünen Buch" vor. Er kündigte an, die Todesstrafe über Demonstranten zu verhängen. Ins "Grüne Buch" schrieb er in den 1970er Jahren seine Gedanken
nieder. Seither dient es als Landesverfassung.
    foto: screenshot

    ... und las immer wieder aus dem "Grünen Buch" vor. Er kündigte an, die Todesstrafe über Demonstranten zu verhängen. Ins "Grüne Buch" schrieb er in den 1970er Jahren seine Gedanken nieder. Seither dient es als Landesverfassung.

  • Berlusconi küsst Gaddafi im März 2010 die Hand bei der Tagung der Arabischen Liga in der libyschen Stadt Sirte. Nur 13 der 22 Mitglieder nahmen daran teil. Gastgeber war Gaddafi, der gegen den jüdischen Staat wetterte wie auch den Jihad gegen die Schweiz ausrief; Quelle: La Repubblica

     

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    Belgrad.

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    Dieser Soldat hat sich in Bengasi offenbar mit den Aufständischen solidarisiert.

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    Gewalt in der Straßen von Tripolis.

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    Auch im Hamas-dominierten Gazastreifen wird gegen Gaddafi demonstriert.

  • David Bachmann, unser Mann in Tripolis.
    foto: wkö

    David Bachmann, unser Mann in Tripolis.

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    Muammar al-Gaddafi, Politiker. Bei einem Besuch in Italien trug er auf seiner Uniform demonstrativ ein Foto des später hingerichteten Nationalhelden Omar Mukhtar.

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    Wie das Amen im Gebet: Anti-Gaddafi-Demonstranten im fernen Kuala Lumpur, Malaysia, fordern, Israel (oder das, was sie dafür halten) möge das Land verlassen. Wie nennt man diesen Reflex?

  • Screenshot der Website von LibyFeb17.com, die als eine der wenigen Quellen - vermutlich - aktuelle Bilder aus dem Unruhegebiet liefert.
    foto: screenshot

    Screenshot der Website von LibyFeb17.com, die als eine der wenigen Quellen - vermutlich - aktuelle Bilder aus dem Unruhegebiet liefert.

  • Berichte von Reisenden, die aus Libyen zurückgekehrt sind, Quelle: CNN

     

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